England-Star Rooney: Stürmer in Not - DER SPIEGEL
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Wayne Rooney: Topstürmer außer Form

Foto: Robert Ghement/ dpa

England-Star Rooney Stürmer in Not

Er trifft nicht ins Tor und nicht den richtigen Ton. Wayne Rooney erlebte bislang eine enttäuschende WM. Die deutschen Fans freut die schwache Form des Stürmers. Diese könnte der entscheidende Vorteil für das DFB-Team im Achtelfinale gegen England sein.
Von Frieder Schilling
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Für Stürmer sprechen normalerweise Tore. Für Wayne Rooney spricht der Trainer. "Auch wenn er zuletzt nicht getroffen hat: Er ist immer wichtig für uns", sagt Englands Trainer Fabio Capello. Kapitän Steven Gerrard spendet Trost: "Es ist nur eine Frage der Zeit, bis er wieder trifft. Er macht einen sehr guten Eindruck."

Man kann von Rooney auch einen anderen Eindruck haben, einen nicht so guten. Die individuellen Werte des Stürmers sind zumindest eindeutig. 252 Minuten hat Rooney bei der WM bislang gespielt, in den Vorrundenspielen gegen die USA (1:1), Algerien (0:0) und Slowenien (1:0) hat er elfmal aufs Tor geschossen, sechs seiner Versuche gingen am Kasten vorbei. Die anderen fünf waren auch keine Volltreffer.

Die nächste Chance bietet sich Rooney am Sonntag im Achtelfinale gegen Deutschland (seit 16 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE). Vielleicht ist es sogar die letzte Chance für den Profi von Manchester United beim Turnier in Südafrika. Dabei hatte der 24-Jährige schon vor WM-Beginn getönt: "Ich will Deutschland aus dem Turnier werfen."

Mittlerweile wirkt diese Aussage reichlich vermessen. Doch Rooney ficht das nicht an, jüngst legte der erfolglose Angreifer nach: "Wir haben keine Angst vor euch! Ich habe vom deutschen Team nichts gesehen, wovor wir uns Sorgen machen müssten."

Die englische Tageszeitung "The Guardian" hat einmal ausgerechnet, dass Rooney seit dem 21. Juni 2004 bei einer Europa- oder Weltmeisterschaft nicht mehr für sein Team getroffen oder eine Vorlage zu einem Tor gegeben hat. Damals, gerade 18 Jahre alt, erzielte er einen Doppelpack im EM-Spiel gegen Kroatien.

Rooneys Form bei großen Turnieren litt aber auch unter Verletzungen. Schon bei WM 2006 plagte sich der frühere Spieler des FC Everton, der für 31 Millionen Pfund 2004 zu ManUtd gegangen war, mit den Nachwirkungen eines Fußbruchs. Rooneys Bilanz: kein Tor, eine Rote Karte.

Spektakuläre Abgänge, unauffällige Auftritte

Auch bei der Vorbereitung auf die laufende WM war Rooney gehandicapt. Im Viertelfinalhinspiel der Champions League gegen Bayern München im März verletzte er sich erneut am Fuß. Seitdem hat Rooney in neun Partien für Manchester und die Nationalelf kein Tor mehr erzielt.

Bei der WM waren Rooneys Abgänge zweimal spektakulärer als seine Leistung. Nach dem Spiel gegen Algerien bepöbelte er die englischen Fans noch auf dem Spielfeld. "Das ist echte Unterstützung. Toll zu erleben, wie deine eigenen Fans dich ausbuhen", höhnte er und musste sich später für seinen Ausraster entschuldigen.

Gegen Slowenien nahm Capello den bulligen, lediglich 1,78 Meter großen Stürmer in der 72. Minute aus der Partie. Das übliche Abklatschen mit dem eingewechselten Joe Cole fiel äußerst dürftig aus, Rooney war angefressen. Eine Begegnung mit Capello gab es erst gar nicht, der Italiener stand weit entfernt am äußersten Rand seiner Coaching-Zone.

Auch das Zusammenspiel mit den Nebenleuten funktioniert in Südafrika noch nicht richtig. Rooney fordert stets den Ball, um mit dynamischem Antritt aus der Tiefe aufs Tor zu ziehen. Doch gerade auf der linken Seite kommt ihm dabei Kapitän Steven Gerrard ins Gehege, der ebenfalls den Torabschluss sucht.

Zudem hat Capello offenbar doch noch nicht den geeigneten Sturmpartner für Rooney gefunden: Emile Heskey, der in der Qualifikation die ideale Ergänzung zu sein schien, hat bislang nicht überzeugt. Gegen Slowenien bot Capello den wendigeren und spielstarken Jermain Defoe auf. Der 27 Jahre alte Stürmer der Tottenham Hotspur riss Lücken für Rooney, stahl dem Superstar aber mit seinem Siegtor auch die Show.

Dabei wollte Rooney doch endlich zu den ganz Großen zählen. "Wenn du in der Fußballwelt einen bleibenden Eindruck hinterlassen willst, musst du Weltmeister werden", sagte er einmal dem "Kicker". Danach sieht es derzeit nicht aus.