Englands Ruhm Inselterror mit dem Totenschädel
Wenn ich diesen bescheuerten Elfmeter noch einmal sehen muss, verlasse ich dieses Land. Und mal ehrlich, mir wird wahrscheinlich nichts anderes übrig bleiben, als auszuwandern, denn dieses Strafstoßtor von David Beckham wird in die Annalen Englands eingehen. Bestimmt werden künftige Generationen englischer Schüler im Geschichtsunterricht nicht mehr nur Weltkrieg I und II, Falklands sowie 50 Jahre Queen bimsen, sondern auch noch 7. Juni 2002, der Tag an dem der "Fuß Gottes" zutrat.
Also wirklich, jetzt glauben sie hier alle, die Mannschaft hätte den Pott schon gewonnen. Ein historisches Ereignis, noch größer als der 5:1-Triumph in München gegen Deutschland vergangenen September. Ich muss leider zähneknirschend zugeben, dass sie vor allem in der ersten Halbzeit besser gespielt haben als die Argentinier, aber wegen all dem, was jetzt hier schon wieder abgeht, wäre es besser gewesen, sie hätten verloren oder zumindest unentschieden gespielt (woraus wahrscheinlich auch ein historisches Ereignis gemacht worden wäre).
Okay, wir neigen beim Fußball ja alle gerne mal zu Polemik und machen den Verlierer klein oder was auch immer, aber was die Engländer und deren Presse sich erlauben, geht eigentlich auf keine Kuhhaut mehr - und das in dem Land, welches das Fairplay hervorgebracht haben soll (gilt wahrscheinlich für alle Sportarten außer Fußball).
Da werden so nette Sachen auf die Titelseiten gebracht wie "Up yours, senors" - leider darf ich das nicht wörtlich übersetzen, bedeutet aber sinngemäß soviel wie das berühmte F-Wort mit vier Buchstaben. Auch sehr explizit: "Don't cry for poor Argentina, the truth is we never loved you" in Anlehnung an die Schnulze Andrew Lloyd Webbers.
"Revenge" (Rache) war da noch das Freundlichste. Ordentlich geschockt war ich dann doch, als ich am Montag auf der Oxford Street sah, wie der englische Einzelhandel auf den Sieg reagierte. So hat die Bekleidungskette "French Connection", deren Slogan "fcuk" ist, sämtliche Fenster ihrer Shops mit dem Slogan "fcuk Argentina 1-0" dekoriert. Was das bedeuten soll, muss ich wahrscheinlich niemandem erklären.
Ich würde mich ja wirklich gerne mit den Engländern freuen, aber irgendwie geht mir deren niveauloser Umgang mit dem 1:0-Sieg wahnsinnig auf die Nerven. Ich hoffe deshalb sehr, dass die Nigerianer sie am Mittwoch aus dem Turnier kicken. Andererseits würde es hier (auch für mich) ziemlich langweilig werden, denn dann guckt ja keiner mehr.
Man merkt nicht wirklich viel von der WM, auch wenn alle Spiele live im staatlichen Fernsehen übertragen werden. Nur wenn England kickt, kommt das Leben auf der Insel zum Stillstand, auch bei mir in der Agentur. Kein Spiel darf man sich anschauen, aber zum Argentinien-Match gab es wie von Geisterhand gezaubert auf einmal drei Fernseher im Office und alle durften gucken.
Als ich es wagte, zum Spiel Irland gegen Deutschland die Kiste anzumachen, wurde sie mit der Begründung "Du musst arbeiten" sofort wieder abgedreht. Auch eine Form von Diskriminierung. Und wenn wir schon bei dem Thema sind, hat sich die "News of the World" auch was Schönes ausgedacht. Die Nigerianer, man weiß es, auch eine ehemalige Kolonie des Vereinigten Königreichs und damit folglich nicht ernst zu nehmen, praktizieren Voodoo.
Nicht blöd, wie die Jungs der hiesigen Boulevardpresse so sind, haben sie sich allerlei lustige Dinge ausgedacht, die ihrer Mannschaft zum Sieg verhelfen sollen. Als da wären: Totenschädelmasken mit dem St.-Georgs-Kreuz drauf (sollte man sich während des Spiels vors Gesicht halten, schade nur, dass man dann nichts mehr sieht). Oder man kann auch kultische Tänze aufführen, wobei es denn sehr wichtig ist, dass man sich das Gesicht mit Ketchup voll schmiert, damit es wie Blut ausschaut.
Meine Lieblingsempfehlung ist die, in der Nacht vor dem Spiel Chicken-Nuggets im Vorgarten zu vergraben und damit die "Eagles" völlig aus dem Tritt zu bringen. Scheint doch so, als wenn die Löwen es doch noch nötig hätten und der Pott noch ganz weit weg ist.