Erfolgstrainer Magath: Der Liga-Schreck - DER SPIEGEL
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Erfolgstrainer Magath Der Liga-Schreck

Das nennt man komfortabel: Der VfL Wolfsburg kann sich im Titelkampf eine Niederlage erlauben und würde wohl trotzdem Meister. Felix Magath kann in Ruhe seine eigene Zukunft planen - und dafür hat der Schachspieler seine Figuren ideal auf dem Brett plaziert.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Als Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer am Sonntagabend um kurz vor 19 Uhr in Hamburg zum letzten Mal in seine Pfeife blies, dürfte Felix Magath ziemlich zufrieden gewesen sein. Hatte es am vergangenen Donnerstag noch so ausgesehen, als könnte dieses Wochenende für ihn ein schwarzes werden, schimmerte es plötzlich und ein bisschen überraschend golden.

Wolfsburg-Trainer Magath: Immer auch die Arbeitgeber erschrecken

Wolfsburg-Trainer Magath: Immer auch die Arbeitgeber erschrecken

Foto: DPA

Magaths Team reagierte ziemlich kaltschnäuzig und letztlich souverän mit einem 4:0-Sieg über Hoffenheim auf die Nachricht, ihr Trainer wechsle angeblich zu Schalke. Magath hatte wieder Ersatztorwart André Lenz eingewechselt, wie gegen den FC Bayern - und so nach Jürgen Klinsmann auch den nicht eben hochgeschätzten Ralf Rangnick gemartert.

Dann spielten auch noch drei von Wolfsburgs vier Verfolgern im Meisterschaftskampf Unentschieden. Der Hamburger SV teilte sich mit Hertha BSC die Punkte, Stuttgart erreichte in Bielefeld nur ein Remis - allein die Bayern siegten. Ohne allerdings viel Schrecken zu verbreiten.

Vier Spieltage vor Saisonschluss ist der VfL Wolfsburg nun also in der komfortablen Situation, sich höchstwahrscheinlich sogar noch eine Niederlage erlauben dürfen, ohne die Meisterschaft zu verspielen. Der FC Bayern ist zwar der nächste Verfolger mit einem Rückstand von nur drei Punkten, doch Wolfsburgs Tordifferenz ist um sieben Treffer besser.

Immerhin, das verbleibende Programm ist nicht ohne Tücken. Magaths Team muss am kommenden Samstag in Stuttgart und drei Tage später zu Hause gegen Dortmund antreten, gegen die beiden momentan formstärksten Teams der Liga (sieht man vom VfL selbst ab). Danach geht es zum Derby nach Hannover, und schließlich kommen die Bremer, die vor einigen Wochen das Pokalspiel in Wolfsburg 5:2 gewannen.

Im Moment allerdings wirken Magaths Tabellenführer so stabil, als würde ihre Stärke für den Titel reichen. Daher kann der Trainer hinter den Kulissen in eigener Sache so agieren, wie er das möchte - falls seine persönliche Zukunft nicht ohnehin längst entschieden ist.

Magath ist ein Schachspieler und ein strategisch denkender Mensch. Wie auch immer das Spiel mit Schalke weitergeht, er ist auf jeden Fall einen Zug voraus.

Sollte er dem FC Schalke 04 wirklich noch keine Zusage gegeben haben, ist seine Position in den Vertragsverhandlungen inzwischen ganz ausgezeichnet. Nach den Peinlichkeiten der öffentlichen Verhandlungen mit Oliver Kahn hätte sich Aufsichtsratschef Clemens Tönnies mit Magaths Verpflichtung rehabilitiert. Den designierten Meistertrainer zu einem Club zu holen, der in der nächsten Saison aller Voraussicht nach nicht mal im Uefa-Cup antreten wird, wäre ein Coup.

Sollte der Deal nun aber doch nicht klappen, würde der Club umweglos in die nächste Krise schlittern und Tönnies blamiert. Zumal der Zauber des volksnahen Trainer-Trios Büskens, Mulder, Reck verflöge. Also wäre Magath in einer Position, in der er Schalke die Bedingungen ziemlich weitgehend diktieren kann.

Unwahrscheinlich, aber immer noch möglich ist auch eine andere Variante. Noch kann Schalke einfach eine zweite Option für Magath sein, um in Verhandlungen mit Wolfsburg seine Bedingungen durchzusetzen. Der öffentliche Druck auf den Vorstand des Tabellenführers, den Macher des Erfolgs zu halten, schadet Magath jedenfalls nicht - auch wenn ihm laut "Kicker" im Fall einer Niederlage gegen Hoffenheim sogar der Rauswurf gedroht hätte.

Wenn diese Variante stimmt, würde Magath einfach bleiben und versuchen, mit seinen Wölfen nach der Bundesliga die Champions League zu erschrecken.

Und immer auch seine Arbeitgeber.