Erich Ribbeck "Absoluter Kinderkram"
Frankfurt am Main - DFB-Teamchef Erich Ribbeck hat sich gegen Behauptungen zur Wehr gesetzt, er habe an Autorität bei den deutschen Nationalspielern verloren. Der 62-Jährige wies Berichte zurück, am vergangenen Mittwoch bei der 1:2-Niederlage in Amsterdam gegen die Niederlande hätte nicht er die Umstellungen in der deutschen Nationalmannschaft vorgenommen, sondern die Spieler selbst hätten die Initiative ergriffen. "Das ist absoluter Kinderkram und Unsinn. Richtig ist, dass es erregte Diskussionen gab. An denen habe ich teilweise teilgenommen. Aber die Umstellungen habe ich vorgenommen", beteuerte Ribbeck am Dienstag. Kritik wäre durchaus berechtigt. "Ich erwarte nicht, dass ich gestreichelt werde. Ich muss meine Birne hinhalten, aber ich erwarte auch etwas Fairness", erklärte er.
Die Einwechslung von Sebastian Deisler für Zoltan Sebescen hätte er bereits in der ersten Halbzeit geplant. "Auch den Wechsel von Dariusz Wosz für Dietmar Hamann habe ich veranlasst. Und taktische Umstellungen gab es gar nicht. Es haben nur einige Spieler besser gespielt als in der ersten Halbzeit", meinte der Teamchef des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Engagierte, teils lautstarke Debatten wären völlig normal im Profi-Fußball. "Was glauben die Leute, was sich beim FC Bayern abspielt, von Bayer Leverkusen gar nicht zu reden. Dass Spieler teilweise sehr erregt sind, kommt öfter vor", sagte Ribbeck. Die Darstellungen von dem Pausengeschehen in Amsterdam wären jedoch nicht korrekt.
Er kenne den namentlich nicht genannter Spieler, der sich kritisch gegenüber der Fachzeitung "Kicker" geäußert hat. "Ich weiß, wer es war und werde die Sache mit ihm besprechen, denn dass Dinge anonym nach außen gegeben werden, ist nicht zu akzeptieren", sagte Ribbeck. Sein Verhältnis zu seinem Co-Trainer Uli Stielike sei nicht belastet. "Ich bin nach wie vor sehr zufrieden mit ihm. Wir müssen aber verhindern, dass er mit ungeschickten Äußerungen einen Keil zwischen uns treibt", sagte der 62-Jährige. Die Aussage von Stielike in Amsterdam, die Niederländer hätten mit zwei Spitzen besser gespielt als die eigene Mannschaft mit drei Stürmern, sei fehlinterpretiert worden. Sein Assistent habe damit nicht Kritik am eigenen System üben sondern unterstreichen wollen, dass die Holländer selbst mit nur zwei Stürmern offensiv viel besser waren.
Er und Stielike hätten sich in einem Gespräch noch einmal gegenseitig versichert, "dass wir uns nicht von den Medien auseinander dividieren lassen". Momentan werde versucht, Unruhe in das Team hereinzutragen. "Da heißt es, Jeremies sagt, es kann nicht nur allein an den Spielern liegen. Dann wird daraus, es lag auch am Trainer. Und der nächste transportiert die Aussage, Jeremies habe behauptet, es lag nur am Trainer", erklärte der Vogts-Nachfolger, der allerdings gelassen bleibt: "Ich lasse mich nur daran messen, was bei der EM passiert."
Eine Abkehr vom Drei-Mann-Sturm sei noch keineswegs beschlossen. Beim nächsten EM-Test am 29. März in Zagreb gegen den WM-Dritten Kroatien sei eine Fortsetzung aber von der Form der Stürmer abhängig. "Es ist leider so, dass Oliver Neuville, seitdem er in Leverkusen ist, noch kein Spiel so gemacht hat wie in Rostock. Wenn er weiter schwächelt, müssen wir nach Alternativen suchen. Aber ich halte nach wie vor ein Spiel mit drei Stürmern für effektiver als mit zwei Spitzen."
Sein Hauptfehler bei der Niederlage gegen Holland sei seine Entscheidung für den Neuling Zoltan Sebescen gewesen. Dessen große Nervosität habe er unterschätzt. "Es war mein Fehler, dass ich ihm zu viel zugetraut habe. Aber wenn er weiter gut spielt, dann werde ich ihn nochmal zur Nationalmannschaft einladen", kündigte Ribbeck an. Die Kritik an der Aufstellung des Wolfsburgers akzeptiere er. "Man kann mit Recht fragen, war das Risiko dieses Einsatzes nicht zu groß. Dann muss ich antworten, es war zu groß", meinte er. Mit personellen Experimenten sei vor dem EM-Beginn im Juni durchaus weiter zu rechnen. "Nur wenn ich merke, dass die Spieler an Selbstvertrauen verlieren, würde ich weniger experimentieren", sagte Ribbeck. Allerdings wäre er zu schnelleren Konsequenzen bereit. "Eventuell muss man schon in der ersten Halbzeit einen auswechseln. Ich will da lernfähig sein."