Erstes Training in Köln "Habemus Daum"
Letztlich war es fast zu profan, dass Christoph Daum heute Nachmittag um drei Uhr einfach nur auf den Rasen des Kölner Stadions hinaustrat und mit seiner Arbeit als Trainer des 1.FC Köln begann. Hätte er nicht zumindest aus einer Wand Trockeneisnebel erscheinen können, in der Lichtblitze zucken? Warum fiel kein Lametta vom Stadiondach, und warum gab es keine Fanfarenstöße oder einen Trommelwirbel? Schließlich hat der Tabellen-Achte der zweiten Bundesliga einen Coach verpflichtet, der es jederzeit mit David Copperfield aufnehmen kann. Bereits am Vortag hatte die "Daumagie" gewirkt, wie der "Kölner Express" nach dem 2:1-Sieg in Fürth meint. Auch Kölns Manager Michael Meier stellte fest: "Das Ergebnis wird schon seinen magischen Fähigkeiten zugeschrieben."
FC-Trainer Daum: Große Worte, große Gesten
Foto: Getty ImagesDer auch schon als "Messias" bezeichnete Trainer wurde mit freundlichem, wenngleich nicht hysterischem Beifall begrüßt. Gut sechstausend Zuschauer kamen, ungefähr doppelt so viele waren erwartet worden. Aber Daums Rückkehr zu dem Club, mit dem er zwischen 1986 und 1990 zweimal den Nicht-Titel "Deutscher Vizemeister" gewonnen hatte, war in den vergangenen Tagen häppchenweise vorweggenommen worden. Als Schattentrainer und Halbmagier hatte Daum fürs Spiel in Fürth die Taktik entworfen, war beim Abschlusstraining auf dem Platz gewesen und vor Anpfiff in der Kabine. Da war der offizielle Beginn seiner Arbeit keine richtige Sensation mehr.
"Gras fressen"
Allerdings war das, was die Zuschauer sahen und Training nannten, für Christoph Daum der Versuch, bei seiner neuen Mannschaft erst einmal "Grundwerte zu aktivieren". Womit aber nicht gleich das Anpeilen irgendwelcher hehren Ziele gemeint war, sondern im Gegensatz die "ganz billigen Dinge". Weil die Kölner den Rückstand von sechs Punkten auf einen Aufstiegsplatz nicht größer werden lassen wollen, sprach der Coach sogar vom "Gras fressen". Feinsinniger soll es erst mittelfristig zugehen. "Entscheidend ist, wie gut wir den Zeitraum bis zur Winterpause nutzen." Bis dahin kann sich jeder Spieler empfehlen oder wird Opfer etwaiger "Personalangleichungen", für die der neue Chef in der kommenden Transferzeit einkaufen gehen kann. Alldieweil gilt: "Wir müssen mehr halten als versprechen."
Für den Club ist die Verpflichtung des Mannes, der mal Bundestrainer werden sollte, "ein Befreiungsschlag", sagte Manager Meier. Und weil er seit seiner Drogenaffäre sechs Jahre lang nicht in Deutschland gearbeitet hatte, fanden es immerhin zwei Fernsehsender wichtig genug, die Pressekonferenz live zu übertragen, bei der er vorgestellt wurde (offiziell, versteht sich). Dort erlebte das staunende Publikum einen insgesamt eher verhaltenen Daum, der dennoch nicht am großen Wort sparte. "Ich habe dem deutschen Fußball viel gegeben und habe viel bekommen", stellte er staatstragend fest.
Totentanz im Hause Daum
Der 53 Jahre alte Coach sagte über sich auch, souveräner und gelassener geworden zu sein, "ohne dass die Leidenschaft geringer geworden ist". Nur gesundheitlich hakt es nach wie vor. "Es läuft noch nicht richtig rund im Hals." Daum berichtete vom "Schorf auf den Nähten". Damit waren die Narben seines Mandelabszesses gemeint, der fast die Rückkehr nach Köln verhindert hatte. Als er das Angebot des Zweitligisten zunächst abgelehnt hatte, sei er über diese Absage deprimiert gewesen: "Bei uns zu Hause war Totentanz angesagt." Außerdem wurde er auch danach weiter von allen Seiten bedrängt, die Entscheidung zu revidieren. Selbst Kölns Oberbürgermeister Fritz Schramma intervenierte. Deshalb spielte kurz darauf auch die Liste der Fürs und Widers einer Rückkehr nach Köln keine Rolle mehr: "In der Liebe gibt es keine Pro- und Contra-Liste."
So stand Daum endlich wieder auf einem Kölner Trainingsplatz oder genauer an dessen Rand. Die Arbeit machte wie immer sein ewiger Assistent Roland Koch. Er ließ die Spieler zu Beginn des Trainings in die Hände klatschen, die Fans klatschten mit und entrollten das Transparent "Habemus Daum". Der neue Papst in der Kirche des Geißbocks verneigte sich und nahm gleich mal ein Bad in der Menge.