EU-Transferstreit "Das Ganze ist pervers"
Zürich/München - Ohne konkretes Ergebnis verlief am Montag in Zürich die Sitzung einer Arbeitsgruppe aus Vertretern der Fifa, der Uefa, sowie der Ligen und Spielergewerkschaften Europas. Das 20-köpfige Gremium, dem unter anderem auch DFB-Vizepräsident Gerhard Mayer-Vorfelder angehört, sollte Vorschläge zur Transferregelung bei Fußball-Profis erarbeiten, die der Europäischen Union als Kompromiss vorgelegt werden können.
Die EU plant, das bisher geltende Transfersystem im Fußball abzuschaffen und Profis künftig bei langfristigen Verträgen ein außerordentliches Kündigungsrecht einzuräumen. Sollten der EU bis zum 20. September keine Alternativvorschläge vorliegen, hat sie gedroht, ihre Pläne unmittelbar in die Realität umzusetzen. Die Arbeitsgruppe, die am Montag zweieinhalb Stunden ergebnislos tagte, will ihre Sitzung noch in dieser Woche fortsetzen.
Derweil verhärten sich die Fronten zwischen Politikern und Fußballfunktionären immer mehr. Bayern Münchens Vizepräsident Karl-Heinz Rummenigge rügte am Dienstag das Bestreben der EU. "Das Ganze kommt mir etwas pervers vor, was in Brüssel gemacht und forciert wird", sagte Rummenigge.
Der Vorsitzende des Sportausschusses des Deutschen Bundestages, Friedhelm Julius Beucher, ist anderer Meinung. Die horrenden Ablösesummen seien "mittlerweile zu einem öffentlichen Ärgernis im Sport" geworden, erklärte der SPD-Politiker. Vereinspräsentanten wie Rummenigge, die am Transfersystem festhalten wollen, sagte Beucher, gäben doch nur zu, "dass Fußballer wie eine Handelsware behandelt werden."
Auch an DFB-Vizepräsident Franz Beckenbauer ließ Beucher kein gutes Haar: "Beckenbauers Kritik an der Europäischen Union war nicht hilfreich. Wäre er in Sachen WM 2006 mit gleicher Unkontrolliertheit vorgegangen, hätten wir die WM nicht bekommen." Beckenbauer hatte zuletzt heftig gegen die EU gewettert und deren Politiker als "die größten Nieten" und "gescheiterte Existenzen" bezeichnet.