Euro 2000: Rasse, Klasse, Drama - DER SPIEGEL
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Euro 2000 Rasse, Klasse, Drama

Nach einem 2:1 über Spanien ist der Weltmeister aus Frankreich als letzte Mannschaft ins Halbfinale eingezogen. In einer hochklassigen Partie, in der um jeden Zentimeter Boden gefightet wurde, vergab der Spanier Raúl in der letzten Minute einen Foulelfmeter.
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Brügge - Spaniens Stürmerstar Raúl ist mit einem verschossen Strafstoß in der 90. Minute zum tragischen Helden geworden. Beim Stande von 1:2 (1:2) jagte der 22-Jährige den Ball wenige Sekunden vor Ultimo in den Nachthimmel und brachte die Spanier damit um die Chance des Weiterkommens. Dank Youri Djorkaeff darf Weltmeister Frankreich nach einer am Ende dramatischen Partie weiter vom Double träumen. Der 32-jährige Profi vom 1. FC Kaiserslautern erzielte zum zweiten Mal bei der Euro 2000 das entscheidende Tor für die "Equipe Tricolore", die zum dritten Mal nach 1984 und 1996 das EM-Halbfinale erreichte und dort am Mittwoch in Brüssel auf Portugal trifft. Durch die Tore Zinedine Zidane (33.) und Djorkaeff (44.) setzte Frankreich seine seit 19 Jahren andauernde Erfolgsserie gegen die Spanier fort, für die Gaizka Mendieta per Foulelfmeter in der 38. Minute zwischenzeitlich ausgeglichen hatte.

In der Neuauflage des Finals von 1984, in dem Spaniens Trainer José Antonio Camacho als Spieler eine 0:2-Niederlage hatte einstecken müssen, standen die Iberer trotz eifrigen Bemühens und optischer Vorteile am Ende erneut mit leeren Händen da.

Nach der verordneten Auszeit beim 2:3 gegen die Niederlande ließ Roger Lemerre wieder sein A-Team ran. Doch die auf acht Positionen veränderte "Equipe Tricolore" tat sich gegen die früh und energisch attackierenden Spanier schwer und fand kaum zum gewohnten Kombinationsspiel. Die durch den wundersamen Sieg gegen Jugoslawien mit neuem Selbstvertrauen ausgestatteten Iberer nahmen vielmehr das Heft in die Hand und brachten die als Prunkstück gelobte französische Verteidigung desöfteren in Verlegenheit. Vor allem auf der linken Seite wirbelte der kleine Pedro Munitis Frankreichs Abwehr-Recken durcheinander.

Angetrieben von Josep Guardiola, der Frankreichs Torwart Fabien Barthez mit einem Freistoß in der 19. Minute erstmals prüfte, erspielte sich der Europameister von 1964 Feldvorteile und hätte durchaus in Führung gehen können. Doch Raúl scheiterte mit einem Heber an Barthez und wenige Sekunden später wertete Schiedsrichter Collina ein Handspiel von Zidane im Strafraum als nicht absichtlich. "Das war eine Fehlentscheidung", kritisierte Mexikos ehemaliger Stürmer-Star Hugo Sánchez auf der Tribüne, wo Frankreichs Premierminister Lionel Jospin die Daumen für den Weltmeister drückte.

Der ging dann etwas überraschend durch eine Einzelaktion von Zidane in Führung. Der Weltfußballer des Jahres 1998 schlenzte einen direkten Freistoß aus 23 Meter unhaltbar für Santiago Cañizares in den Winkel. Die Spanier ließen sich dadurch jedoch nicht aus dem Rhythmus bringen und wurden für ihren Offensivgeist mit dem Ausgleich belohnt. Nachdem Thuram den wendigen Munitis im Strafraum zu Fall gebracht hatte, verwandelte Mendieta den fälligen Elfmeter sicher.

Doch wie schon beim 1:0 ging der Weltmeister dank der individuellen Klasse seiner Spieler noch vor der Pause erneut in Führung. Ein Zuspiel von Patrick Vieira hämmerte Djorkaeff aus 14 Meter ins obere Eck. Für den Lauterer war es das 26. Länderspieltor.

Nach dem Wechsel hatte sich der Europameister von 1984 besser auf das Spiel der Spanier eingestellt. Die Viererkette stand nun sicher und ließ die Stürmer Raúl und Alfonso kaum zur Entfaltung kommen. Im Mittelfeld zog Zidane immer mehr die Fäden. Da auch die Iberer nicht mehr so druckvoll wie in den ersten 45 Minuten agierten, spielte sich das Geschehen vornehmlich zwischen den Strafräumen ab. Dabei vernachlässigten beide Teams zunehmend die hohe Spielkunst und brachten stattdessen mehr Härte in die Partie.

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