Euro-Vip-Tipp: "Das ist das Aus!" - DER SPIEGEL
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Euro-Vip-Tipp "Das ist das Aus!"

Kabarettist Dieter Hildebrandt zeigt im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE wenig Mitleid mit der deutschen Elf nach dem kläglichen 1:1 gegen Rumänien. Seine Prognose: Die Deutschen scheiden in der Vorrunde aus - immer noch in dem Glauben, sie hätten alles im Griff.
Von Andreas Kötter
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

SPIEGEL ONLINE:

Herr Hildebrandt, was sagen Sie zur Leistung der deutschen Mannschaft?

Hildebrandt: Ja gut (Sie wissen schon, ein Fußballspieler antwortet meistens mit "Ja gut", da will ich nicht nachstehen), mit einer guten Mannschaft kann jeder Europameister werden, die Kunst ist es aber, dies auch mit einer schlechteren zu schaffen. Nach dem Rumänienspiel wird das natürlich nun noch schwerer werden, weil ich davon überzeugt bin, dass man zum Weiterkommen mindestens fünf Punkte benötigt. Man muss nun also gegen England gewinnen und gegen Portugal unentschieden spielen, dann ist man Zweiter. Oliver Bierhoff hat es im Übrigen ganz richtig ausgedrückt: "Wir hatten das Spiel im Griff". Ich habe das zwar nicht gemerkt, aber was will man machen, wenn die Fachleute reden.

SPIEGEL ONLINE: Ist ein Unentschieden gegen Rumänien nicht zu wenig?

Hildebrandt: Es ist das Aus! Gegen Rumänien nicht zu gewinnen in dieser schweren Gruppe, das bedeutet das Aus. Aber was soll's, dann werden sie halt nach Hause fahren und können früher Urlaub machen. Im Grunde sind doch diese ganzen Nationalmannschaftsspiele gar nicht mehr "in".

SPIEGEL ONLINE: Der gemeine Fernsehzuschauer schaltet aber immer noch gerne ein: Die Quoten, selbst bei Freundschaftsspielen wie gegen die Schweiz, übertreffen sogar die von hochkarätigen Partien in der Champions League.

Hildebrandt: Die Leute schalten eben ein, um schimpfen zu können. Sie werden sich jetzt alle das Maul zerreißen über die schwache Leistung der deutschen Mannschaft. Sie werden die "Bild"-Zeitung lesen und nicken, nicken, nicken. Im tiefsten Innern aber sind sie alle der Meinung, dass diese deutsche Mannschaft Weltmeister werden muss, und Europameister sowieso. Ich aber sage: Mit dieser Mannschaft nicht.

SPIEGEL ONLINE: Hätten Sie anders aufgestellt, als Erich Ribbeck das getan hat?

Hildebrandt: Ich hätte den Job gar nicht erst angenommen.

SPIEGEL ONLINE: Ist Ribbeck noch der richtige Mann?

Hildebrandt: Ribbeck war nie der richtige Mann, ebenso wenig wie Berti Vogts der richtige Mann war. Jeder, der der richtige Mann hätte sein können, hat dankend abgelehnt. Sie alle haben schon geahnt, dass mit diesen Legionären nichts zu gewinnen ist. Diese Leute, egal ob Deutsche oder Rumänen, hauen sich gegenseitig in die Knochen bis es kracht, denn sie wollen sich gegenseitig eliminieren. Sie wollen, dass es weniger Fußballspieler gibt.

SPIEGEL ONLINE: Sollte man die Nationalmannschaft abschaffen?

Hildebrandt: "Abschaffen" ist ein großes Wort. Es gibt schließlich auch gute Spiele. Wenn man ein Spiel sieht wie das der Franzosen gegen die Dänen, dann ist das für den Fernsehzuschauer immer noch ein Genus. Dafür benötigt man aber Ballkünstler wie Zidane oder Djorkaeff. Außer Häßler, Scholl und Nowotny, den ich für einen sehr klugen Spieler halte, fallen mir bei der deutschen Mannschaft keine solchen Spieler ein.

SPIEGEL ONLINE: Deutschland fährt also nach der Vorrunde nach Hause?

Hildebrandt: Ich denke schon. Sie werden nach Hause fahren und behaupten "Wir hatten alle Spiele im Griff". Ich habe mir die Interviews der Spieler nach dem Match angehört und ich verstehe nicht, was die da von sich geben. Die reden mit leeren Augen Sätze, die sie offensichtlich auswendig gelernt haben, aber kaum tatsächlich meinen können - so blöd sind sie nicht. Ist also "Big Brother" unterwegs beim DFB, sind die Spieler alle im Container untergebracht?

SPIEGEL ONLINE: Welche Mannschaft wird das Turnier gewinnen?

Hildebrandt: Frankreich. Wenn man diese Spielfreude sieht, diese Lust am Ball, dann kann der Europameister nur Frankreich heißen. Ein Zidane streichelt den Ball; wäre man Ball, dann würde man sich bei Zidane wohl fühlen.

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