EL-Finale: Braga verteidigt, Porto triumphiert
Europacupsieg für Porto Triumph des Wunderkinds
André Villas-Boas ist ein ganz erfahrener Trainer. Schon vor 13 Jahren war er als Assistent für den FC Porto tätig, er hat die Topclubs FC Chelsea und Inter Mailand mittrainiert. Aber es hat bis zum Mittwoch gedauert, bis er mit einem Team seinen ersten internationalen Titel erringen konnte.
Mit dem 1:0 (1:0)-Sieg über den Ligarivalen Sporting Braga hat sein FC Porto die Europa League gewonnen. André Villas-Boas ist jetzt gerade einmal 33 Jahre alt.
Das Trainer-Wunderkind des internationalen Fußballs, das mit 18 Jahren schon zum Betreuerstab von Chefcoach Bobby Robson in Porto gehörte, hat sein erstes großes Ziel erreicht. Der Mann ist ehrgeizig genug, um dies nur als Zwischenstation zu begreifen. Nie gab es einen so jungen Coach, der bereits einen europäischen Titel gewonnen hat. "Mein Rekord ist das Unwichtigste hier", wehrte der Trainer zwar ab. Aber die Beobachter des portugiesischen Fußballs sind sich einig, dass der Erfolg des FC Porto das Werk von Villas-Boas ist.
Landesmeister ohne eine Niederlage
Als der Coach den Club im Vorjahr übernahm, hatte Porto gerade die Liga als Dritter abgeschlossen, was für den Verein ungefähr so zufriedenstellend ist wie für den FC Bayern München in der Bundesliga. Die Qualifikation für die Champions League war verpasst worden. Benfica Lissabon hatte Porto mit acht Punkten Vorsprung abgehängt, das Team musste sogar dem Emporkömmling Sporting Braga den Vortritt in der Tabelle lassen.
Dann kam Villas-Boas.
Porto ist sein erster großer Club als Cheftrainer. Zuvor hatte er lediglich den mittelmäßigen portugiesischen Erstligisten Coimbra verantwortlich gecoacht, 2001 sich mal kurzzeitig als Nationaltrainer der Jungferninseln ausprobiert. Als er den Job in Porto übernahm, gab es Skeptiker, die ihn für ein Trainer-Leichtgewicht hielten. Diese Leute sind mittlerweile ganz still geworden.
Der FC Porto ist in dieser Saison ohne eine einzige Niederlage und mit einem Vorsprung von 21 Punkten auf den Zweiten Landesmeister geworden, er ist mit 37 erzielten Treffern zum Europa-League-Titel gestürmt. Am kommenden Wochenende dürfte als Zugabe noch der portugiesische Pokal hinzukommen, wenn es im Finale gegen Vitoria Guimaraes geht. Zudem darf sich der Verein nach dem dritten internationalen Titelgewinn innerhalb der vergangenen acht Jahre als etwas besonderes in Europa fühlen.
Ein Mourinho mit Manieren
2003 hatte der FC Porto bereits den Vorgängerwettbewerb, den Uefa-Cup für sich entschieden. Es folgte im Jahr darauf der Gewinn der Champions League, bevor jetzt die Europa-League-Trophäe in die Vereinsvitrine wandert. Drei Europacupsiege - eine solche Bilanz hat im abgelaufenen Jahrzehnt in Europa sonst keiner vorzuweisen: nicht der FC Barcelona, nicht Manchester United, nicht Inter Mailand.
Die Erfolge des FC Porto waren bisher mit dem Namen José Mourinho verbunden, dem Chef-Exzentriker auf dem Trainerstuhl. Mourinho hat die Fähigkeiten von Villas-Boas früh erkannt, hat ihn bei Porto gefördert, ihn mitgenommen zu seinen weiteren Engagements bei Chelsea und Inter. Dabei ist der Porto-Coach ein ganz anderer Typ als der jetzige Trainer von Real Madrid. Ganz anders als Mourinho vermeidet Villas-Boas es zu polarisieren. Schiedsrichter und Journalisten betrachtet er nicht als seine natürlichen Feinde. Er gilt als kultivierter und angenehmer Gesprächspartner. Quasi ein Mourinho mit Manieren.
Die brauchte der Coach am Mittwoch auch, um an der Seitenlinie noch einigermaßen ruhig bleiben zu können. Denn am Ende des Spiels hatte der hohe Favorit zwar gewonnen, eine Krönungsmesse waren die 90 Minuten von Dublin zuvor aber wahrlich nicht gewesen. Fehlpässe, Mittelfeldgeplänkel, Kombinationen, die im Nichts endeten - Porto reichte eine bestenfalls durchschnittliche Leistung gegen die kreuzbrave Truppe aus Braga zum Sieg.
Endspiel war spielerisch enttäuschend
Die Mannschaft hat sich den Titel durch teilweise rauschhafte Auftritte in den Runden zuvor verdient, hat im Halbfinale den spanischen Spitzenclub FC Villarreal 5:1 ins Nachbarland zurückgeschickt. Aber das Finale war kein Spiegelbild dieser Saison. "Das Spiel war leider keine Super-Show. Es ist dem wahren Stil des portugiesischen Fußballs nicht gerecht geworden", musste Villas-Boas anschließend zugeben.
Vor allem die beiden hochgelobten Stürmer des FC Porto blieben unter ihren Möglichkeiten. Hulk verbreitete in der gegnerischen Abwehr nur ganz selten den Angst und Schrecken der Comicfigur des "Unglaublichen Hulk", dem der Brasilianer seinen Künstlernamen zu verdanken hat. Und sein kolumbianischer Sturmpartner Falcao war 89 von 90 Minuten nicht zu sehen. Die eine Minute reichte allerdings aus, um das Spiel kurz vor dem Halbzeitpfiff mit einem Kopfball (44.) zugunsten von Porto zu entscheiden.
Sat.1-TV-Reporter Hans Georg Küpper fragte sich inmitten der zweiten Halbzeit einmal, ob er "von diesem Spiel einmal seinen Enkeln erzählen" werde. Man kann für Küppers Enkel nur hoffen, dass er dann genügend andere Geschichten parat hat. Das Finale von Dublin wird schnell in Vergessenheit geraten, eine Fußnote in der Geschichte der europäischen Endspiele.
So blieb der einzige richtige Aufreger des Abends vorm Fernseher die Frage des obligatorischen Sat.1-Gewinnspiels. Gefragt wurde nach dem aktuellen portugiesischen Meister, und der Sender gab den Zuschauern die beiden Antwort-Optionen vor: A. FC Porto, B. SC Versandkostenfrei. Man möchte sich nicht ausmalen, was der "Unglaubliche Hulk" mit dem dafür Verantwortlichen angestellt hätte.
FC Porto - Sporting Braga 1:0 (1:0)
Tor: 1:0 Falcao (44.)
Porto: Helton - Sapunaru, Rolando, Otamendi, Alvaro Pereira - Fernando - Guarin (73. Belluschi), Joao Moutinho - Hulk, Falcao, Varela (79. James Rodriguez)
Braga: Artur - Miguel Garcia, Paulao, Alberto Rodriguez (46. Kaka), Silvio - Custodio, Vandinho - Hugo Viana (46. Mossoro) - Alan, Lima (66. Meyong), Paulo Cesar
Schiedsrichter: Carlos Velasco Carballo (Spanien)
Zuschauer: 45.391
Gelbe Karten: Sapunaru (3), Helton (2), Rolando - Hugo Viana (2), Silvio (2), Miguel Garcia (3), Mossoro, Kaka (4)