Fall Daum: Bereitschaft zur Haaranalyse - DER SPIEGEL
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Fall Daum Bereitschaft zur Haaranalyse

Um seine Unschuld zu beweisen, will sich der in die Schlagzeilen geraten Trainer der von seinen Gegnern geforderten Untersuchung unterziehen. Auch einen Einblick in seine Krankenakten will Daum gewähren.
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Hamburg - Überraschende Wende in der Schlammschlacht um den designierten Fußball-Bundestrainer Christoph Daum: Der wegen Gerüchten um Kokain-Missbrauch ins Schussfeld geratene Coach will nun angeblich doch der Forderung nach einer Haar-Analyse nachkommen.

Zudem wird der 46-Jährige die Krankenakten seiner vier Nasen-Operationen, denen er sich in einer Innsbrucker Spezialklinik in den letzten Jahren unterzogen hat, öffentlich machen. Daum soll dies gegenüber seinem persönlichem Sponsor, dem Energie-Konzern RWE, zugesichert haben, bevor man sich auf eine vorübergehende Aussetzung des Vertrags einigte.

Unterdessen erwartet Bayer-Manager Reiner Calmund, dass Daum in den nächsten Tagen die Initiative ergreifen wird. "Ich halte es durchaus für möglich, dass Christoph Anfang nächster Woche zum großen Befreiungsschlag ausholt", erklärte Calmund in einem ZDF-Interview. "Wie dieser aussehen wird, dazu will ich jedoch nichts sagen."

Er werde die Vorwürfe von Bayern Münchens Manager Uli Hoeneß wegen angeblichem Konsums von Kokain sicher widerlegen können: "Das haben auch wir von Bayer ja schon teilweise getan, auch die Leute aus unserer medizinischen Abteilung", so Calmund. Es habe Bluttest bei diversen Trainingslagern gegeben, und es seien bei Daum nicht die geringsten Unregelmäßigkeiten aufgefallen.

Auch DFB-Vizeprädident Gerhard Mayer-Vorfelder, will schnell Licht in undurchschubare Sache bringen und hat eine Dringlichkeits-Sitzung der so genannten Task Force-Kommission in der kommenden Woche einberufen. "Ich sehe keine Möglichkeiten, die Sache zu beerdigen.Sie muss ausgetragen werden. Es muss auf den Tisch, wer Recht hat. Und dann müssen gegebenenfalls Konsequenzen gezogen werden", sagte Mayer-Vorfelder nach dem 1:0-Sieg im Wembley-Stadion gegen England. Zugleich forderte er Bayern Münchens Manager Uli Hoeneß auf, seine Drogen-Vorwürfe gegenüber Daum zu beweisen. "Hoeneß hat eine Bringschuld, zu belegen, was er behauptet."

Daums Anwalt Matthias Prinz sagte gegenüber dem Nachrichtenmagazin "Focus", sein Mandant könne "nachweisen", dass er "bis zum heutigen Tage nie Drogen konsumiert" habe. Entlastung sollen vor allem die Krankenakten bringen. "Bei der Behandlung sind die Nasenschleimhäute eingehend begutachtet worden. Dabei wäre Drogenkonsum mit Sicherheit auffällig geworden. Es gab darauf aber keine Hinweise, so dass der behandelnde Arzt ausschließen kann, dass es im Zeitraum vor seiner Behandlung Kokain-Konsum gegeben hat", sagte Prinz. Der Anwalt sprach gegenüber Focus allerdings von einer Operation aus dem Jahr 1994, womit die Zeit danach nicht überprüfbar ist. Bisher hatte Daum es aber generell abgelehnt, die Beweislast anzunehmen.

Bayern Münchens Manager Uli Hoeneß, der mit seinen Attacken die Auseinandersetzung begonnen hatte, bleibt unterdessen weiter bei seinem harten Kurs. "Es werden sich in den nächsten Tagen noch viele Leute bei mir entschuldigen", so Hoeneß der Bild-Zeitung. DFB-Vizepräsident Gerhard Mayer-Vorfelder stärkt Daum weiter den Rücken: "Ich stehe nach wie vor zu Daum. Solche Kampagnen kenne ich aus der Politik. Da werden aus unterster Schublade Anschuldigungen rausgezogen. Das Fatale ist, dass Daum einen Gegenbeweis antreten soll."

Weiteres Ungemach droht Daum, der gegen Hoeneß rechtliche Schritte eingeleitet hat, derweil auf Grund seiner zweifelhaften Immobilien-Geschäfte auf Mallorca. Während die Staatsanwaltschaft Köln Ermittlungen wegen des Verdachts auf Betrug und Unterschlagung eingeleitet hat, droht der inhaftierte Makler Jochen Kress, Ex-Ehemann von Daums derzeitiger Lebensgefährtin Angelika Camm, mit einer zusätzlichen Zivilklage.

Nach "Focus"-Angaben soll Kress den Trainer in einem Brief vom 4. Oktober aufgefordert haben, vier Millionen Mark für angeblich fällige Provisionen bis zum 11. Oktober zu bezahlen. Andernfalls werde er "ohne weitere Mahnung" Zivilklage erheben. Bereits am Freitag war gegen Daum eine weitere Anzeige einer "Privatperson" bei der Staatsanwaltschaft München eingegangen.

Der mallorquinische Makler Jaime Fernandez Abad fordert zudem Focus zufolge noch ausstehende Vermittlungsgebühren von Daum in Höhe von 380.000 Mark. Abad hat den Coach offenbar bei Gericht in Palma verklagt.

Wortmeldungen zum Fall Daum kamen auch aus der königsblauen Ecke. Der Aufsichtsratsvorsitzende von Schalke 04, Jürgen Möllemann, hat den Einsatz eines unabhängigen Sonderermittlers ins Spiel gebracht. "Das ist jetzt ein Fall für Horst Hilpert, den Chefankläger des DFB. Oder sogar für einen unabhängigen Sonderermittler. Weil dem Fußball schwerster Schaden droht", wird Möllemann in der "Bild"-Zeitung zitiert. Gleichzeitig forderte der FDP-Politiker den DFB auf, Handlungsfähigkeit zu demonstrieren. "Der DFB muss nun beweisen, ob er überhaupt noch führen kann. Da gibt's doch Vizepräsidenten - und nicht nur einen. Es muss jetzt sofortige und schonungslose Aufklärung geben. Wenn nicht, steht die gesamte DFB-Spitze zur Disposition", so Möllemann.

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