Fall Daum: Wie eine heiße Kartoffel - DER SPIEGEL
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Fall Daum Wie eine heiße Kartoffel

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Christa Nickels, hat zum wiederholten Mal das Verhalten der deutschen Fußball-Funktionäre im Zusammenhang mit der Affäre um Christoph Daum angeprangert.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hannover - "Die vom Deutschen Fußball-Bund lange gepflegte Vorstellung, hier die absoluten Helden, die nie suchtgefährdet sind, auf der anderen Seite charakter- und willensschwache Personen, die abhängig sind, die trifft es nicht. Diese Schwarz-Weiß-Malerei muss aufhören", erklärte die Drogenbeauftragte der in Hannover erscheinenden "Neuen Presse".

Weiterhin tadelt Nickels die öffentliche Diskussion um Daum. Mit Kranken und mit Menschen, die ein hohes Risiko liefen, krank zu werden, solle man nicht auf dem Weg der Denunziation und der öffentlichen Anklage umgehen. Man solle diese Personen vielmehr ansprechen und Hilfsmöglichkeiten aufzeigen. Der DFB solle dies als positive Lehre aus dem Skandal ziehen.

Auch mit Daums unmittelbarem Umfeld geht Nickels hart ins Gericht. "Es gibt leider generell in der Gesellschaft die Tendenz: Solange jemand funktioniert, solange er seine Leistung bringt, verhält sich das Umfeld bei Drogenkonsum nach dem Beispiel der drei weisen Affen: Ich sehe nichts, ich höre nichts, ich sage nichts. Das war ja bei allem, was jetzt zu hören ist, auch bei Daum der Fall", so die Bündnis-Grüne weiter.

Bei Daum scheine es um eine längerfristige Gefährdung zu gehen, auf die lange nicht reagiert wurde. Wenn es der Abhängige dann sozial oder gesundheitlich nicht mehr schaffe, lasse man ihn fallen wie eine heiße Kartoffel.