Fall Frings Klinsmann glaubt an Freispruch
Berlin - Bundestrainer Klinsmann ärgert sich darüber, dass die Fifa die eigentlich bereits abgeschlossenen Ermittlungen gegen deutsche Spieler wegen der Tumulte im Anschluss an das Argentinien-Spiel (4:2 i.E.) wieder aufgenommen hat. "Wir finden es schade, dass etwas aufgerollt wird, was eigentlich abgeschlossen war", sagte er heute in Berlin.
Die Raufereien seien von den Argentiniern ausgegangen, der Schiedsrichter habe mit der roten Karte für Leandro Cufre reagiert. Damit sei die Sache eigentlich abgeschlossen. Er sei fest davon überzeugt, dass Torsten Frings morgen gegen Italien (21 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) auflaufen werde. Derzeit warten die DFB-Verantwortlichen auf eine Entscheidung.
"Wir wissen, dass es im nationalen Interesse ist und werden die Entscheidung der Disziplinarkommission schnell mitteilen", erklärte Fifa-Mediendirektor Markus Siegler. Deshalb will der Weltverband bis spätestens 17 Uhr ein Urteil fällen. Der Fifa-Kommission liegen Fernsehbilder vor, die belegen sollen, dass der deutsche Nationalspieler den argentinischen Profi Julio Cruz bei den Tumulten geschlagen habe.
DFB-Sprecher Ulrich Voigt bezeichnete die Beweislage als mangelhaft: "Ich habe mir den Ausschnitt angeschaut. Die Faust ist in keinster Weise Frings zuzuordnen", sagte Voigt der "Bild"-Zeitung. Frings droht eine Sperre von mindestens drei Spielen und somit das WM-Aus, sollte die Fifa in der Szene eine Tätlichkeit gesehen haben. Im Falle einer Verurteilung würde der Bremer Tim Borowski aller Voraussicht nach den Part seines Vereinskollegen im defensiven Mittelfeld übernehmen.
Dabei kommt es auch auf die Aussagen des Schiedsrichters an. Sollte Lubos Michel die Szene genau beobachtet und sich entschieden haben, lediglich den Argentinier Leandro Cufre nachträglich mit Rot zu bestrafen, würde es sich um eine Tatsachenentscheidung handeln, keine weiteren Spieler zu bestrafen - Frings wäre somit freigesprochen.
Der Bremer wies die Vorwürfe vehement zurück. "Ich habe nichts gemacht", sagte der 29-Jährige im Gespräch mit der "Kreiszeitung Syke". "Ich habe mich in einem Pulk befunden, in dem alle wild um sich geschlagen haben. Ich habe selber zwei Schläge abbekommen. Da habe ich zu meinem Schutz die Hände nach vorne gestreckt, mehr war nicht."
Kurios: Auch der angeblich betroffene Spieler will von einer Attacke nichts wissen. "Ich habe keinen Faustschlag bekommen, zumindest habe ich nichts gespürt." Der italienische Fußballverband (FIGC) hat nach eigenen Angaben keinerlei Ermittlungen gegen Frings gefordert. Auch sei kein Druck auf die Fifa ausgeübt worden, hieß es am Montag aus dem italienischen Quartier in Duisburg. Der italienische Pay-TV-Sender Sky hatte gestern bislang unveröffentlichte Bilder einer Stadionkamera gezeigt, die zum Zeitpunkt der Rangelei zwar nicht auf Sendung war, aber mitgeschnitten hat. Die italienische Zeitung "La Repubblica" hatte daraufhin Sanktionen gegen Frings gefordert.
Im italienischen Team herrscht dagegen Zurückhaltung. Lediglich Abwehrspieler Gennaro Gattuso verwies darauf, dass die Uefa Francesco Totti bei der EM 2004 in Portugal nachträglich anhand des TV-Beweises gesperrt habe. Der Spielmacher vom AS Rom hatte seinen dänischen Gegenspieler Christian Poulsen angespuckt. Ein dänischer Fernsehsender hatte die Aufnahmen nach dem Spiel veröffentlicht, Totti wurde für drei Spiele gesperrt.
mig/sid/dpa