Fall Jeremies "Da wird einer in die Ecke gestellt"
München - Uli Hoeneß hat sich den Kritikern von Teamchef Erich Ribbeck angeschlossen und sich in der Diskussion um Jens Jeremies lautstark zu Wort gemeldet. "Das Hauptproblem ist doch, dass der DFB-Präsident eingreifen und Jens Jeremies überreden muss. Offensichtlich ist Erich Ribbeck nicht in der Lage, den Laden zusammen zu halten", sagte der Manager des FC Bayern München am Samstag bei einer Podiumsdiskussion in München. "Wenn ich Nationaltrainer wäre, würde ich mir verbitten, dass sich der Präsident einmischt", so Hoeneß, der gleichzeitig die Ansicht vertrat, dass in der aktuellen Debatte um die Jeremies-Äußerungen "total überreagiert" worden sei.
"Ich finde es nicht in Ordnung, dass jemand wie früher in der Schule in die Ecke gestellt wird", sagte der Bayern-Manager über die Jeremies-Suspendierung. Der 26-jährige Profi des deutschen Rekordmeisters war am Donnerstag von Ribbeck für das nächste Test-Länderspiel am 26. April in Kaiserslautern gegen die Schweiz verbandsintern gesperrt worden. Ribbeck hatte damit auf die öffentliche Kritik von Jeremies reagiert, der den Zustand der Nationalmannschaft als "jämmerlich" bezeichnet hatte. Nach der Suspendierung hatte Egidius Braun, der Präsident des DFB, den Spieler mit einem persönlichen Telefonat von einem Rücktritt aus dem Ribbeck-Team abgehalten.
Hoeneß stellte sich nun demonstrativ hinter Jeremies und gab ihm in der Sache Recht. "Ich finde es nicht richtig von Erich Ribbeck, dass er jetzt so heftig reagiert hat. Seit vielen Monaten ist da Einiges in Unordnung in der Mannschaft", meinte der Manager. Beim Länderspiel im Februar gegen die Niederlande (1:2) seien seiner Ansicht nach in der Halbzeit Dinge vorgefallen, "die müssen so unglaublich gewesen sein, dass Spieler von uns total geschockt zurück kamen". Ihm, Hoeneß, sei es lieber, wenn "einer mal was raus haut". Dann könne man sich damit beschäftigen. Unter Männern müsse das möglich sein.
«Leute wie Jens Jeremies tun alles für den Erfolg, auch mal gegen den Strom schwimmen», fand der frühere Nationalspieler. Auch ihm selbst sei sehr an einer starken Nationalmannschaft gelegen. «Daran sind wir sehr interessiert. Die Nationalmannschaft hat nach wie vor eine Leitfunktion im deutschen Fußball.» Wenn die Nationalelf schwach sei und keine Fortschritte zu erkennen seien, dann wäre ihm lieber, es gebe keine.
Gleichzeitig betonte Hoeneß, dass Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld für das Amt des Bundestrainers nicht zur Verfügung steht: «Ottmar Hitzfeld hat noch drei Jahre seinen Vertrag. Der Stress in der Bundesliga ist so groß. Da hat er keine Zeit für andere Aufgaben.» Heutzutage sei es auch nicht mehr das höchste Ziel eines Trainers, die deutsche oder englische Nationalmannschaft zu trainieren, meinte Hoeneß.