Fall Kuranyi Löw lässt sich Zeit
Bundestrainer Löw: "Nicht vom Druck treiben lassen"
Foto: ddpHamburg - Die Entscheidung über eine mögliche Rückkehr von Kevin Kuranyi in die Fußball-Nationalmannschaft ist vertagt. Das teilte Bundestrainer Joachim Löw nach der dreitägigen Klausurtagung mit seinem Assistenten Hans-Dieter Flick und Torwarttrainer Andreas Köpke in Baiersbronn im Schwarzwald auf der DFB-Homepage mit.
Löw erklärte, sich nicht vom öffentlichen Druck treiben lassen zu wollen. "Wir haben die Kadernominierung am 6. Mai. Wir werden auch in der Sache Kuranyi rechtzeitig bekanntgeben, wie unsere Entscheidung ausgefallen ist", so der Bundestrainer und kündigte einen Entschluss innerhalb der nächsten zwei Wochen an: "Wir werden die nächsten Spiele beobachten und uns bis Ende April äußern." Der Trainer sagte, über Kuranyi "sei im Team jetzt auch gesprochen worden".
"Ich bin mir meiner Verantwortung als Bundestrainer absolut bewusst, was das Thema Kevin Kuranyi angeht, wir haben aber andererseits unsere klaren Vorstellungen und eine ganz klare konzeptionelle Vorgehensweise in Bezug darauf, wie die WM auszusehen hat", sagte Löw. Nach der ersten Nominierungsrunde am 6. Mai bleibt der sportlichen Leitung noch Zeit bis zum 1. Juni: Dann muss der WM-Kader endgültig benannt sein.
Prominente Unterstützung für Kuranyi
Der Druck, Kuranyi eine Rückkehr in die Nationalelf zu ermöglichen, war jüngst gewachsen. Zahlreiche Fußball-Prominente wie Franz Beckenbauer hatten sich für eine Nominierung des Schalkers ausgesprochen. Dass Löw durch eine mögliche Entscheidung, Kuranyi zurückzuholen, Autorität einbüßen könnte, glaubt der Schweizer Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld nicht. Vielmehr sieht er dies sogar als ein Zeichen der Stärke: "E s geht am Ende immer um eine erfolgreiche Mannschaft. Da gehören die besten Spieler hin, auch wenn ein Spieler mal eine Disziplinlosigkeit gezeigt hat. Aber dafür wurde er ja auch eine lange Zeit suspendiert."
Löw hatte seit 2008 auf Kuranyi verzichtet, nachdem der Stürmer aus Enttäuschung, beim WM-Qualifikationsspiel gegen Russland nicht aufgestellt worden zu sein, das Stadion vorzeitig verlassen hatte.
In Baiersbronn hatten der Bundestrainer und seine engen Vertrauten an allen Details der Vorbereitung getüftelt: Von individuellen Trainingsplänen über genaue zeitliche Abläufe und Logistik bis hin zu Personalfragen. Dabei wurde auch über England-Legionär Robert Huth gesprochen, der bei Stoke City in der Premier League spielt. "Ich stehe im Kontakt mit seinem Trainer", hatte Löw verraten.