Fankolumne: Chaos vor den Toren - DER SPIEGEL
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Fankolumne Chaos vor den Toren

Was für ein Tag: Erst mussten SPIEGEL-ONLINE-Fankolumnist Florian Peter und seine Freunde eine Tortur vor den Stadiontoren durchstehen, dann setzte es eine Niederlage gegen Kroatien und jede Menge Häme. Und jetzt auch noch ein "Endspiel" gegen Österreich.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Stell dir vor, es ist EM, und keiner geht hin: Als wir Mitte der Woche mal an einem Abend in Klagenfurt unterwegs waren, war auf den Straßen der Innenstadt so gut wie gar nichts los. Die unzähligen Bierbänke vor den Kneipen lechzten geradezu nach Besuchern, und die Wirte standen gelangweilt vor den vielen Flachbildfernsehern, die sie für die Fans vor ihren Lokalen aufgehängt hatten. Gestern war diese schon fast gespenstische Leere aber einer riesigen Partystimmung gewichen – allerdings nicht durch die deutschen Fans, sondern vor allem durch unfassbar viele Kroaten, die Klagenfurt und auch die umliegenden Dörfer fast komplett eingenommen hatten. Bei uns in Pörtschach ist sogar ein großer Platz komplett für die kroatischen Fans gesperrt worden, damit sie dort ihre eigene Party feiern konnten.

Wir haben mit den Kroaten in Klagenfurt vor dem Spiel gefeiert – und uns dann gemeinsam auf den Weg zum Stadion gemacht. Dabei kam dann das erste Mal auch so etwas wie EM-Stimmung auf, die allerdings nur bis zum Stadionvorplatz hielt. Denn: Was das Organisationsteam dort am Eingang für eine Vorstellung ablieferte, war wirklich nicht EM-würdig.

Zugegeben: Bei den zigtausend Fans war es sicher nötig, beim Einlass die Tickets zu kontrollieren. Allerdings hätte man dazu auch genügend Personal bereitstellen müssen – und nicht nur jeweils einen völlig überforderten Ordner pro Einlasstor. Kein Wunder, dass es deshalb zu einem riesigen Gedränge vor den jeweiligen Eingängen kam und wir nur mit Mühe kurz vor dem Anpfiff auf unseren Plätzen ankamen.

Zum Spiel selbst ist eigentlich nicht viel zu sagen – außer vielleicht: Mit so wenig Einsatz, so wenig Kampf und Emotionen können wir uns noch nicht mal sicher sein, ob es überhaupt fürs Viertelfinale reicht. Denn: Als wir uns – ziemlich niedergeschlagen und enttäuscht – das Last-Minute-Unentschieden der Österreicher im riesigen Bierzelt des Klagenfurter Strandbads angeschaut haben, mussten wir zugeben: die Co-Gastgeber sollte man nicht unterschätzen. Vielleicht bricht jetzt auch so etwas wie EM-Euphorie aus – es würde diesem Turnier und auch unserer Stimmung nur gut tun. Einen ersten Schritt in diese Richtung haben wir gestern immerhin noch erlebt.

Heute ist unser letzter Tag in Pörtschach – morgen fahren wir zum "Endspiel" nach Wien. Dort kann vieles nur besser werden: Das Wetter (hier in Klagenfurt regnet es mittlerweile ohne Unterlass), die Stimmung (noch ausbaufähig, auch nach dem österreichischen Unentschieden) und natürlich besonders die Leistung der deutschen Mannschaft. Damit die gestrigen hämischen Fan-Gesänge der Kroaten uns gegenüber nur eine Momentaufnahme bleiben. Die hatten nämlich jedes Mal skandiert: "Deutschland, Deutschland, auf Wiedersehen."