Fankolumne "Des darf doch net woar sein!"
"Hurra, wir sind im Viertelfinale! Ein zweites Córdoba verhindert, die Österreicher nach Hause geschickt!" So hätten wir jubeln sollen, nach dem Sieg von Jogis Truppe am Montagabend. Und was war? Eine SMS habe ich bekommen, von einem Freund. Inhalt: "Kannst du mal bitte dafür sorgen, dass die vernünftigen Fußball spielen?"
Und verdammt, er hatte recht! Das Spiel gegen die Österreicher war wahrlich nix für Fußball-Gourmets. Und wenn der Gastgeber auch nur ein bisschen mehr Qualität in seiner Mannschaft gehabt hätte - der Einzug ins Viertelfinale hätte durchaus noch knapp werden können.
Dabei hatte der Tag eigentlich vielversprechend begonnen. Schon am Morgen hatten sich in der Nähe unserer Ferienwohnung am Stephansdom Tausende deutsche Fans versammelt, sich mit jeder Menge Dosenbier die Kehlen geölt und sich lautstark auf das Match eingestimmt. Und diesmal konnte man sogar von Österreicher "Konkurrenz" sprechen, denn auch der Gegner hatte viele Anhänger mobilisiert, die den "Piefkes" gesangstechnisch Paroli boten.
Nach dem inoffiziellen Gesangswettbewerb zwischen beiden Lagern von jämmerlicher Qualität und ungekröntem Gewinner ging es zum Ernst-Happel-Stadion. Kurz vor unserem Block prallten wir plötzlich auf eine Traube aus Polizisten und Bodyguards, die uns den Weg versperrten. Der deutsche Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier, Anzug und schwarz-rot-goldene Krawatte, stieg aus einer schwarzen Limousine und schrieb an der Seite seiner österreichischen Amtskollegin Ursula Plassnik noch schnell ein paar Autogramme bevor er ins Stadion eilte.
Dort hatten wir unsere Plätze wie schon gegen Kroatien direkt neben der gegnerischen Fankurve. Und die schien auch diesmal besser besetzt zu sein als die deutsche. Die österreichischen Fans sorgten dafür, dass das Gastgeber-Team immer wieder den Weg in Richtung deutsches Tor suchte. Allerdings blieb es ja meist nur bei einem Versuch, was die österreichischen Fans um uns herum mit Abwinken und putzigen "Des darf doch net woar sein"-Rufen kommentierten.
Und weil die Deutschen außer dem Ballack-Freistoß nicht viel mehr zu bieten hatten, war die Stimmung nach dem Sieg auch unter den deutschen Anhängern seltsam gedrückt. Nur ein paar wenige konnten sich in den U-Bahnen in Richtung Innenstadt dazu aufraffen, die Österreicher mit hämischen "Auf Wiedersehen"-Rufen zu belegen. Der größte Teil schwieg einfach.
"Aus der Traum" titelt der Kurier hier in Wien am Morgen für uns geht er erstmal weiter. Heute noch machen wir uns auf den Weg Richtung Basel. Mit im Gepäck auch die Hoffnung, dass unser Team mal wieder beweist, dass es sich von Spiel zu Spiel steigern kann. Sonst ist auch für uns am Donnerstag die EM ganz schnell vorbei.