Fankolumne: "Ich bin körperlich am Ende" - DER SPIEGEL
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Fankolumne "Ich bin körperlich am Ende"

Kein Glück im Finale: Die deutsche Pleite gegen Spanien hat SPIEGEL-ONLINE-Fankolumnist Florian Peter beinahe erwartet, schließlich musste er schon den ganzen Tag schlechte Vorzeichen ertragen. Sein EM-Fazit fällt aber positiv aus - trotz großer Erschöpfung.
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Leere. Das ist alles, was ich noch fühle nach dem gestrigen Abend. So nah waren wir dran – und doch so weit entfernt. Aber eins muss man sagen: Die Spanier haben den Titel wirklich verdient – die hätten gestern gut und gerne auch drei Dinger gegen uns machen können. Es hat halt einfach nicht sein sollen.

Und irgendwie hat das Ergebnis auch zu meinem kompletten Tag in Wien gepasst. Nach mehr als drei Wochen Reise (fast 5000 Kilometer), Feiern (fast jeden Abend) und wenig Schlaf bin ich körperlich am Ende. Genauso ging es offenbar vielen der anderen deutschen Fans, die zwar in der Überzahl in Österreichs Hauptstadt flanierten, aber von den Spaniern in Grund und Boden gesungen wurden.

Als wir vor dem Endspiel quasi zum kulinarischen Abschluss unserer Reise noch mal ein echtes Wiener Schnitzel genossen haben, saßen mit uns am Tisch ausgerechnet Spanier. Einer von ihnen hatte auch schon – wie sich später herausstellen sollte – einen echten Expertentipp für uns: "Torres macht mindestens ein Tor heute." Dass es das einzige und entscheidende sein würde, hätte aber auch er wahrscheinlich nicht geglaubt.

Doch damit der schlechten Vorzeichen nicht genug. Zum einen hat Vize-Ballack doch noch gespielt, beziehungsweise war körperlich auf dem Platz. Zum anderen hatten wir einen weiteren "Verlierer" direkt bei uns auf der Tribüne. Der ehemalige Schalke-Trainer Mirko Slomka saß nur ein paar Reihen hinter mir – immerhin neben dem "Feuerwehrmann" Jörg Berger, der aber offenbar sein Wissen um die Rettung in letzter Minute nicht an Bundestrainer Joachim Löw weitergegeben hatte.

Und so waren es am Ende die Spanier, die fröhlich grölend durch Wiens Straßen zogen, während meine drei Mitfahrer und ich wortlos das Abschlussfeuerwerk der EM 2008 verfolgten.

Mein Fazit: Die sechs Partien waren – wie eigentlich immer bei den Spielen der Deutschen – eine Achterbahn der Gefühle. Vom absoluten Hochgefühl nach den Spielen gegen die Türkei (3:2) und Portugal (3:2) über mittelmäßige Stimmung nach dem Sieg gegen Österreich (1:0) bis zu den emotionalen Tiefpunkten nach den Niederlagen gegen Kroatien (1:2) und natürlich im Finale war alles dabei.

Aber insgesamt hatte ich dennoch eine tolle Zeit in der Schweiz und in Österreich – drei Wochen Fußballfieber, die ich in meinem Leben nicht mehr vergessen werde. Insgeheim hoffe ich natürlich, dass ich 2010 noch mal soviel Glück habe und Tickets für die WM in Südafrika bekomme. Und dass ich dann dabei bin, wenn Deutschland im Finale den Titel holt.

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