Fankolumne: Schweizer gehen fremd - DER SPIEGEL
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Fankolumne Schweizer gehen fremd

Hilfe unter Nachbarn? Von wegen. SPIEGEL-ONLINE-Fankolumnist Florian Peter hat in Basel Überläufer bei den Eidgenossen enttarnt. Zunächst ein kleiner Schock, doch der größere sollte für Fußball-Fan Peter erst noch kommen: Wasser statt Bier.
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Was für ein Spiel! Selbst am Tag nach diesem großartigen Sieg unserer Jungs gegen Portugal habe ich noch immer eine Gänsehaut. Nicht nur, weil bei dieser Partie der Baseler St. Jakob Park zahlenmäßig in der Hand deutscher Fans war, die für eine fantastische Stimmung gesorgt haben. Sondern vor allem, weil ich jetzt überzeugt bin: Alles ist möglich, wir können Europameister werden!

Dabei ist von einer solcher Euphorie vor dem Spiel kaum etwas zu spüren, sehr verhalten ziehen die deutschen Fans durch Basel. In der Innenstadt gibt es die üblichen Gesangsduelle zwischen deutschen und portugiesischen Fans. Aber was ist denn das? Die Portugiesen kommen ja gar nicht aus Portugal. In den bordeaux-grünen Trikots stecken doch tatsächlich überwiegend Schweizer und grölen für die Portugiesen. Ich frag' mich, warum die Eidgenossen jetzt fremd gehen? Nach dem frühen Ausscheiden ihres Teams gönnen sie uns, ihren Nachbarn, den Sieg wohl nicht und haben sich kurzentschlossen auf die portugiesische Seite geschlagen. Jetzt brüllen sich für Ronaldo und Co.

Doch selbst Schweizer und Portugiesen gemeinsam gelingt nicht das, was die deutschen Fans vor dem Stadion veranstalten. Massen in schwarz-rot-gold strömen durch Basel und überschwemmen die Fanzonen an der Rheinbrücke und am Münsterplatz mit guter Laune - und jeder Menge Dosenbier.

Viele von ihnen haben überhaupt keine Karte für das Spiel und sitzen später doch im Stadion. Selten habe ich so einen florierenden Schwarzmarkt gesehen wie rund um den St. Jakob Park. Teilweise werden die Tickets gerade mal für 20 Euro über dem Einkaufspreis weiterverkauft. Offensichtlich hatten sich viele Fans im Vorfeld eine andere Viertelfinal-Paarung erhofft. Möglicherweise eine mit Beteiligung von einem der beiden Gastgeber. Aber all diejenigen, die ihre Tickets verkauft haben, dürften sich später schwer geärgert haben: Sie haben ein grandioses Spiel verpasst.

Das einstige Traumduo Podolski/Schweinsteiger war gegen Portugal nicht zu bremsen und wirbelte die Iberer schwindelig. Und endlich hat auch Miro Klose sein erstes Tor bei dieser EM gemacht. Eigentlich war es wie immer bei einem großen Turnier: Wenn es drauf ankommt, zeigen deutsche Mannschaften (fast) immer grandiose Leistungen. Und wenn die Portugiesen als (Geheim)-Favorit gehandelt werden, stehen sie am Ende mit leeren Händen da.

Es war eine Energieleistung - nicht nur von Ballack und Co. auf dem Spielfeld. Auch wir Fans auf der Tribüne haben mächtig geschwitzt, was nicht nur am Spielverlauf lag. Auf unseren Plätzen in der – und das ist nicht metaphorisch gemeint – allerletzten Reihe, direkt unter dem Dach, war es so heiß, dass wir unsere Schwitz-Attacken nicht nur mit dem obligatorischen Stadion-Bier sondern auch mit Wasser bekämpfen mussten. Trotz latentem Bierdurst - um das Wasser kamen wir nicht herum. Nützt ja nichts bei solchen Temperaturen.

Und wie wir zur richtigen Zeit irgendwie immer das richtige Getränk parat hatten, schafften es auch die deutschen Kicker immer dann ein Tor nachzulegen, wenn man eigentlich das Gefühl hatte, das Spiel könnte kippen. Denkste! Abgezockt, abserviert, abgehakt – jetzt kann das Halbfinale kommen. Und auch wenn bei diesem Spiel (noch) nicht alles optimal lief: Die deutsche Mannschaft braucht sich nach diesem fulminanten Sieg über die spielstarken Portugiesen vor niemandem zu verstecken. Auch die Holländer und Spanier sollten zu packen sein. Aber erstmal räumen wir vorher Kroatien oder die Türkei aus dem Weg!