Fankolumne: Zu Gast bei Metin - DER SPIEGEL
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Fankolumne Zu Gast bei Metin

Vor dem Halbfinale gegen die Türkei hat sich SPIEGEL-ONLINE-Fankolumnist Florian Peter bei einem Türken einquartiert. Die Gastfreundschaft ist groß - im Gegensatz zur Stimmung in Bern. In der Schweizer Hauptstadt ist die Fanzone bereits wieder zum Marktplatz geworden.
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Es ist schon erstaunlich, wie schnell die EM vorbei geht – besonders an den Gastgebern. Gestern sind wir – weil es nur rund eine Autostunde Fahrt von unserer Unterkunft in Weil am Rhein ist – noch mal in die Schweizer Hauptstadt Bern gefahren. Ein wunderschönes Fleckchen Erde, umschlungen von dem azurblauen Flüsschen Aare. Berns Altstadt ist völlig zurecht Weltkulturerbe.

Apropos Altstadt. Die Schweizer haben ja echt einen sehr komischen Humor. Als wir so durch die kleinen Gassen geschlendert sind, gab es plötzlich eine kurze Wasserdusche von oben – und das obwohl am Himmel keine Wolke zu sehen war. Des Rätsels Lösung: Aus einem Narrengesicht am Dach eines der Häuser spritzte im Minutentakt ein kleiner Wasserschwall mitten auf die Gasse. Schweizer Humor eben, die hatten ja bei der EM bisher noch nicht so wirklich viel zu lachen.

Deshalb ist es kaum verwunderlich, dass auch in Bern von der tollen Stimmung, die während der Spiele der Holländer herrschte, nicht mehr viel übrig ist. Zwar wehen überall noch die EURO-2008-Fahnen, doch selbst die Fanzone ist mittlerweile wieder zum Marktplatz umfunktioniert worden. Ob es da – wie in den offiziellen Merchandise-Geschäften der Uefa – allerdings auch 70 Prozent Rabatt auf die Trikots, Schals und Mützen der schon ausgeschiedenen Teams gibt, haben wir nicht herausfinden können.

Unsere Unterkunft in Weil am Rhein ist echt mal wieder der Knaller – und die Geschichte dazu eigentlich noch viel besser: Bei unserem ersten Trip nach Basel zum Viertelfinale gegen Portugal haben wir in einer Pizzeria deren Besitzer Hassan kennengelernt. Der hat uns erzählt: "Ich habe da eine Wohnung, die könnt ihr mieten, wenn ihr wiederkommt." Also haben wir sein Angebot vor dem heutigen Spiel gegen die Türken (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) gerne angenommen.

Hätten wir allerdings gewusst, dass die Wohnung keineswegs Hassans eigene, sondern die seines – ausgerechnet – türkischen Kumpels Metin ist, hätten wir wohl eher eine andere Unterkunft gesucht. Allerdings: Viel billiger hätten wir nicht unterkommen können, denn Metin hat uns wirklich seine eigene Ein-Zimmer-Wohnung überlassen – inklusive seiner Kleidung, eines vollen Kühlschranks und vier Matratzen. "Wenn ihr telefonieren oder im Internet surfen wollt, ist auch alles da", hat er sich von uns und von seiner Wohnung verabschiedet. Das nenne ich mal türkische Gastfreundschaft – und das in Deutschland.