Fanproteste: Hackmann versteckt sich hinter Fernsehverträgen - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Fanproteste Hackmann versteckt sich hinter Fernsehverträgen

In Interview zeigt DFB-Ligapräsident Werner Hackmann zwar Verständnis für die Fanproteste gegen die Zerpflückung der Spieltage in der Bundesliga - ihm seien aber die Hände gebunden.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Herr Hackmann, haben Sie Befürchtungen, die Proteste in den Bundesligastadien könnten sich ausweiten?

Werner Hackmann:

Ich habe Verständnis für die Proteste, allerdings gibt es differenzierte Ursachen. Die Zersplitterung der Spieltage auf Freitag, Sonnabend und Sonntag ist keine neue Erfindung. In dieser Saison ist aber erschwerend hinzugekommen, dass die Planbarkeit für die Fans auf Grund der kurzfristen Festlegung der Spieltage und der internationalen Spielkalender so gut wie nicht gegeben ist. Da sehe ich den eigentlichen Auslöser.

Ist die Forderung, alle Spiele wieder am Samstag um 15.30 Uhr auszutragen, überhaupt realistisch?

Hackmann: Nein, das ist mit Sicherheit nicht machbar, weil wir einen Fernsehvertrag bis zum 30. Juni 2004 haben. Zudem ist ein dramatisches Absinken der Zuschauerzahlen weder im Fernsehen noch in den Stadien nachweisbar. Es sind minimale Schwankungen, die sich erklären lassen.

Wie wichtig ist der Fan im Geflecht von Fußball, Fernsehen und Wirtschaft?

Hackmann: Der Fan bleibt das wichtigste Glied. Die tollste Fernsehübertragung aus einem leeren Stadion macht keinen Spaß, die Sender brauchen die Stimmung im Stadion. Aber die Fans können nicht auf der einen Seite lauthals fordern, Spitzenstars zu verpflichten, die bei den explodierenden Gehältern und Ablösesummen für die Vereine kaum noch erschwinglich sind, gleichzeitig soll das Preisniveau in den Stadien stabil gehalten werden, und dann wird noch nicht einmal Rücksicht genommen auf Wünsche der Fernsehverwerter, die das refinanzieren. Das alles passt nicht zusammen.

Ist ein eigener Bundesligasender die Lösung der Zukunft?

Hackmann: Wenn sich das wirtschaftlich rechnet, hätte man eine bessere Möglichkeit, die unterschiedlichen Interessen im eigenen Hause auszugleichen. Das heißt, dass man die Interessen der Fans und die Interessen derjenigen, die Fußball sehen wollen, sei es im Pay-TV oder im Free-TV sowie die Interessen der Vereine, die auf Fernsehgelder angewiesen sind, miteinander abstimmen kann.

Wie könnte die Entwicklung konkret aussehen?

Hackmann: Keiner weiß, wie der Markt Mitte 2004 aussehen wird. Ein eigener Sender kann mehrstufig gestaltet werden, indem man zuerst die Produktion selbst macht, oder das Signal selbst anbietet und erst am Ende steht der eigene Sender. Und warum soll sich der nicht zu gleichen Bedingungen wie jetzt refinanzieren können.

Das Interview führte Thomas Horky, dpa