Fans zum Schalker Polizeiabzug - DER SPIEGEL
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Fans zum Schalker Polizeiabzug "Es darf jetzt nichts passieren"

Mit der Ankündigung, beim nächsten Schalker Heimspiel keine Polizei ins Stadion zu entsenden, sorgt Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger für heftige Diskussionen. Doch den Fans bietet sich plötzlich eine einmalige Chance zur Imagekorrektur.
Schalke-Fans: "In den meisten Fällen ist es doch ruhig"
Schalke-Fans: "In den meisten Fällen ist es doch ruhig"

Schalke-Fans: "In den meisten Fällen ist es doch ruhig"

Foto: © Wolfgang Rattay / Reuters/ REUTERS
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Hamburg - Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger sorgte am Donnerstag für einen Paukenschlag: Keine Polizei mehr bei den kommenden Spielen im Stadion von Schalke 04! Der Bundesligist habe in brenzligen Situationen keine Hilfe mehr zu erwarten. Und nun? Anarchie? Jägers Offensive lässt die unmittelbar Betroffenen, die Schalker Fans, ziemlich kalt.

"Für uns ändert es nichts, ob bei normalen Spielen Polizei im Stadion ist oder nicht", sagt Helmut Schiffer von der Schalker Faninitiative, die auch Herausgeberin des Fanmagazins "Schalke unser" ist. "In den meisten Fällen ist es doch ruhig." Kritisch werde es eigentlich nur, wenn der große Rivale Borussia Dortmund zu Gast sei. Tatsächlich gibt es kaum Verhaltensweisen im Stadion, die nicht auch die Ordner unterbinden würden - Pyrotechnik ist nach wie vor verboten.

Statt sich über den Vorstoß Jägers zu ärgern, sehen die Fans - von denen viele ohnehin am liebsten jegliche Beamten aus ihren Blöcken verbannen möchten - in ihm sogar eine Chance: "Wenn wir vernünftig sind und alle ein bisschen mehr auf unseren Nachbarn im Stadion aufpassen, können wir doch all jenen den Wind aus den Segeln nehmen, die behaupten, ein Stadionbesuch sei gefährlich", sagt Schiffer.

Fanforen quillen über

Seine Meinung teilt ein Schalke-Fan, der nicht genannt werden möchte: "Die Politik wartet doch nur darauf, dass etwas passiert, um sagen zu können: Ohne uns kriegen die das nicht geregelt." Deshalb werde in der Szene "auf allen Kanälen propagiert, dass nichts passieren darf". Die Fanforen  zu dem Thema quillen in der gesamten Bundesrepublik über, seit Jäger seine Ankündigung publik machte.

Unter den Fans ist Jäger ohnehin ein Streitthema, der SPD-Politiker polarisierte in der Vergangenheit wiederholt mit der Forderung, dass Bundesligisten selbst für die Polizeieinsätze in ihren Stadien aufkommen sollten und nicht der Steuerzahler. Der Schutz des Steuerzahlers: ein populäres Thema - zumal in Hochzeiten des Wahlkampfs. "Ich bin mir nicht sicher, was Jäger mit der Aktion bezwecken möchte", sagt Schiffer.

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Champions-League-Playoffs: Polizei-Schrecken in der Kurve

Foto: Christof Koepsel/ Bongarts/Getty Images

Zur Erinnerung: Ende August waren etliche Menschen verletzt worden, weil Polizisten unter Einsatz von Schlagstöcken und Pfefferspray einen Schalker Fanblock stürmten, in dem eine mazedonische Flagge gezeigt worden war. Die, so hieß es von Seiten der Polizei, sei ein verfassungsfeindliches Kennzeichen. Schalke betonte im Anschluss mehrfach, den "unverhältnismäßigen Einsatz" zu verurteilen, er sei mit dem Verein in dieser Form "nicht abgestimmt" gewesen.

An dieser Aussage entzündete sich offenbar Jägers öffentlicher Zorn, denn seine Beamten hätten in mehreren Berichten dargelegt, dass die Schalker Vereinsführung und der Fanbeauftrage "jederzeit über den Einsatz informiert" gewesen sei. In einem Dokument der Polizei Gelsenkirchen an das Innenministerium steht sogar: "Während der Halbzeitpause wurde (...) auch der Polizeieinsatz im Schalker Fanblock als Ultima Ratio Maßnahme intensiv besprochen und abgestimmt. An dieser Besprechung nahmen neben dem Polizeiführer, alle Abschnittsführer, der Polizeiführer der Bundespolizei sowie der Sicherheitsbeauftragte von Schalke 04 teil."

Fans können Kritiker Lügen strafen

Schalke hat zwar nie behauptet, nicht über den Einsatz informiert gewesen zu sein - man habe aber, so heißt es von Seiten des Vereins, der Polizei von dem Vorgehen abgeraten. "Das lässt Jäger völlig unerwähnt", sagt Helmut Fischer von der Faninitiative. Eine Zustimmung seitens des Vereins zu allen Inhalten des umstrittenen Einsatzes habe es nicht gegeben.

Es scheint, als drehe sich der Streit in Wahrheit um diese kleinen Unterschiede in den Formulierungen, als nutzten beide Seiten die semantischen Auslegungsmöglichkeiten ihrer Worte, um die Schuld an der Eskalation im Fanblock jeweils dem anderen zuzuschieben.

Auffällig dabei ist: Während Schalke auf SPIEGEL-ONLINE-Anfrage mitteilen lässt, sich wegen einer Stillschweige-Vereinbarung mit der Gelsenkirchener Polizei derzeit nicht äußern zu wollen, verschickt Jägers Ministerium ein Kommuniqué nach dem anderen.

Es ist ein Konflikt, der längst nichts mehr mit denen zu tun hat, um die es im Kern geht: die Fans. Die können dank des Jäger-Vorstoßes nun Werbung in eigener Sache machen und all jene Lügen strafen, die glauben, dass die Fans zu gewaltbereiten Monstern mutieren, sobald sie das Drehkreuz eines Stadions passieren.