FC Barcelona vs Real Madrid: Philippe Coutinho wird zu Barcas Problemfall - DER SPIEGEL
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FC Barcelona Problemfall Coutinho

Auf der Suche nach Schwächen bei Barça wird oft Ousmane Dembélé genannt. Doch das wahre Problem ist Philippe Coutinho. Der teuerste Einkauf der Vereinsgeschichte blieb auch beim Clásico nahezu unsichtbar.
Philippe Coutinho
Philippe Coutinho

Philippe Coutinho

Foto: Mikel Trigueros DPA
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Es wurde am Mittwochabend oft laut im Camp Nou, aus ganz unterschiedlichen Gründen:

  • Bei der Forderung nach Freiheit für die inhaftierten katalanischen Politiker, deren Prozess bald beginnt.
  • Wenn sich Real Madrids Torwart Keylor Navas mal wieder unendlich Zeit beim Abschlag ließ.
  • Natürlich beim Tor durch den Brasilianer Malcom, der dem FC Barcelona ein 1:1 (0:1) im Pokal-Halbfinalhinspiel rettete.
  • Und nicht zuletzt, als sich der angeschlagene Lionel Messi warmlief und schließlich nach einer guten Stunde eingewechselt wurde.

Der Clásico erwartete ihn sehnlich, es herrschte Starvakuum. Kein Cristiano Ronaldo mehr bei Real Madrid, selbst Gareth Bale saß nur auf der Bank. Schon länger kein Xavi, seit dieser Saison kein Iniesta und an diesem Abend zunächst also auch kein Messi bei Barcelona.

Malcom jubelt mit seinen Teamkollegen

Malcom jubelt mit seinen Teamkollegen

Foto: Emilio Morenatti/ AP

Die Chance für neue Helden, andererseits. Wenn man sie nur so ergreift wie Malcom, ein 21-jähriger Offensivspieler, den Barça im Sommer aus Bordeaux in letzter Minute dem transferbereiten AS Rom wegkaperte, von dem Trainer Ernesto Valverde aber nie viel hielt und der deshalb nur sporadisch zum Einsatz kommt.

Malcom hatte allen Grund für Selbstzweifel und war dennoch der gefährlichste Angreifer seiner Elf. Wenn das Publikum murrte, und das tat es nach Reals früher Führung durch Lucas Vázquez öfters, machte er trotzdem weiter. Gegen vier, fünf Verteidiger und nicht immer mit der richtigen Entscheidung. Aber am Ende eben doch belohnt.

Nicht Dembélé ist das Problem, sondern Coutinho

Im rabiaten Torjubel baute er sich vor der Haupttribüne auf und zeichnete mit seinen Händen eine Brille in die Luft: Habt ihr es gesehen?

Als Messi dann kam, ging für ihn nicht Malcom, sondern Philippe Coutinho, 26 Jahre alt, ebenfalls Brasilianer. Er konnte froh sein, dass es so viel Lärm um Anderes gab. Sonst hätte er nicht nur Murren geerntet. Coutinho hat im Camp Nou zunehmend ein Problem. Wo er in seiner ersten halben Saison nach dem Wechsel aus Liverpool im vergangenen Januar gerade so das Examen bestand, tut er das mittlerweile nur noch ganz vereinzelt. Nicht der manchmal undisziplinierte Ousmane Dembélé, verletzt gegen Madrid, gilt in Barcelona als größtes Sorgenkind. Sondern der teuerste Einkauf der Vereinsgeschichte: bis zu 160 Millionen Euro inklusive Prämien.

"Er hat keine Entschuldigung mehr"

An einem Abend, an dem es für Spieler dieser Preisklasse gilt, blieb Coutinho unsichtbar. Weder half er dem Mittelfeld bei der Ballzirkulation, die anfangs von Real immer wieder unterbrochen und zu gefährlichen Kontern verwertet wurde. Noch machte er im letzten Spieldrittel den Unterschied. Seine Leistung war so gegenstandslos, dass sich alle angestaute Skepsis in einem verheerenden Medienecho äußerte. Besonders deftig in der klubnahen Gazette "Sport": "Coutinho setzte gegen Madrid seinen desaströsen Weg fort. Er hat keine Entschuldigung mehr. Und es gibt kein Pardon. Wenn er nicht reagiert, muss man ihm sofort einen neuen Klub suchen. Bevor er unverkäuflich wird."

Trainer Valverde hat aus der Verteidigung Coutinhos eine rhetorische Kunst gemacht. Doch die Frage im Pressesaal war klug gestellt: Ob er übereinstimme, dass alles, was Malcom gut machte, Coutinho schlecht gemacht habe? "Philippe zieht Spieler auf sich und riskiert etwas, am Ende hat er immer zwei, drei Torschüsse, er ist keiner, den man nicht sehen würde", antwortete Valverde schonend und leicht geflunkert. Aber im Prinzip sagte er nichts anderes als: Der Kandidat hat sich bemüht. Viel schlimmer geht es nicht für einen, der wegen seines Talents geholt wurde.

Coutinho gegen Real Madrid

Coutinho gegen Real Madrid

Foto: JOSEP LAGO/ AFP

In Liverpool hat er das gezeigt, bei der brasilianischen Nationalelf, und ja, auch schon mal in Barcelona. Als er 2012 für ein halbes Jahr beim Stadtrivalen Espanyol spielte. Im Camp Nou dagegen ist er immer noch nicht recht angekommen. Das beginnt schon bei der Position. Als Barcelona ihn kaufte, sah der damalige Sportdirektor Robert Fernández den "idealen Ersatz für Iniesta" im Mittelfeld.

Doch bald musste er erkennen, dass Valverde zur selben Schlussfolgerung kam, die schon Jürgen Klopp den Verkauf Coutinhos erträglicher machte: Für das Mittelfeld in einem 4-3-3- System, läuferisch enorm anspruchsvoll, fehlt Coutinho die Physis. Jedenfalls gegen starke Gegner führt das unweigerlich zu Lücken und Konteranfälligkeit.

Valverde verbucht ihn daher im Angriff. Dort hat er neben Messi und Luis Suárez aber nur einen Platz zu vergeben, und den hat, wenn er gesund ist, fürs erste Dembélé erobert. So oft dieser zu spät zum Training kommen, so schlecht er sich ernähren, so lange er nachts an der Playstation zocken mag: Er hat diese Saison schon viele Punkte gerettet. Acht Tore und fünf Torvorlagen weist dagegen Coutinho nur vor - in einem Team mit 92 Toren.

Aber mehr als auf Statistiken warten sie im Verein sowieso auf ein Aufbegehren, eine Rebellion auf dem Platz. Aber das gibt wohl schon sein schüchternes Naturell nicht her. Er blockiert nur noch mehr. Dass er Messi sein würde, das erwartete gegen Real Madrid schon keiner mehr. Aber Coutinho war nicht mal Coutinho.

Anmerkung: Wir haben die Schreibweise vom Spieler Malcom korrigiert.