DFB-Pokalfinale: "Das war eine Blamage"
Demütigung im DFB-Pokal Bayern fürchtet das totale Debakel
Uli Hoeneß pustete seine Backen auf. Sein Gesicht, das bei Wutausbrüchen häufig von einer roten in eine leicht violette Farbe übergeht, wirkte jetzt jedoch sehr blass. Fast fahl. Genau in diesem Moment nahm ihn eine der unzähligen Kameras im Berliner Olympiastadion auf und die Regie transportierte das Bild auf die großen Videowände. Zu diesem Zeitpunkt (65. Minute) stand es 4:1 für Borussia Dortmund, am Ende triumphierte der BVB 5:2 im DFB-Pokalfinale. Das Bild des schnaufenden Hoeneß wurde von einem Großteil der rund 75.000 Zuschauer mit höhnischem Lachen quittiert. Es war der letzte Beweis dafür, dass dem FC Bayern diese Saison richtig weh tut.
Aus dem Anfangsschmerz (Verlust der zweiten Meisterschaft in Folge), ist nun jedoch bereits eine hartnäckige Entzündung (Pokalniederlage) geworden, die sich am kommenden Samstag sogar zu einer körperweiten Lähmung ausdehnen könnte. Der Druck auf die Münchner ist immens groß, die Champions League im eigenen Stadion gegen den FC Chelsea zu gewinnen. Eine titellose Saison wäre ein Szenario, über das weder Spieler noch Funktionäre des Rekordmeisters öffentlich reden möchten.
Doch die Art der Niederlage, der fünften in Folge gegen den Deutschen Meister aus Dortmund, muss jedem Fan und Aktiven der Münchner die tiefsten Sorgenfalten ins Gesicht graben. "Wir dürfen uns nicht beklagen. Unser gesamtes Defensivverhalten war katastrophal. Wir haben uns das selbst zuzuschreiben", sagte FCB-Coach Jupp Heynckes.
DFB-Pokalfinale: Bayerns peinliche Pleite
Verursacht haben diese Trainer-Schelte Philipp Lahm, Jérôme Boateng, Holger Badstuber, Luiz Gustavo und David Alaba. Sie schenkten dem BVB, der an diesem Tag keineswegs den von Jürgen Klopp immer wieder geforderten "Hochgeschwindigkeitsfußball" mit dem "Mörderpressing" zeigte, alle fünf Tore durch individuelle Fehler und gröbste Unkonzentriertheiten. Der Borussia reichte diesmal eine normale Leistung, um den Bayern eine waschechte Watschen zu verpassen.
"Wir haben noch ein ganz großes Ziel vor Augen. Ich denke, bis zum Champions-League-Finale haben sich alle von dem Schock erholt. Das wird ein ganz anderes Spiel", sagte Heynckes. Wie sein Team dies allerdings bewerkstelligen soll, verriet der Coach nicht. Möglicherweise war er nach dem Abpfiff jedoch erstmals froh, dass die Uefa immer noch an der Gelbe-Karten-Regelung festhält, wonach drei Verwarnungen zu einem Spiel Sperre führen. Auch dann, wenn diese im Finale abgesessen werden muss. Denn dadurch werden Badstuber, Gustavo und Alaba, die dem BVB die meisten Geschenke machten, am kommenden Samstag nicht auflaufen können. Heynckes muss dann eine neue Defensive mit Anatoli Timoschtschuk, Diego Contento und Toni Kroos bauen. Wirklich Mut macht aber auch das nicht.
"Die Niederlage war peinlich - Leichtsinnsfehler! Wenn man so spielt wie heute, wird man auch die Champions League nicht gewinnen", polterte Franz Beckenbauer. Eine Erklärung, warum es zu dieser Art von Fehler - in einem der wichtigsten Spiele einer Saison - kam, konnten jedoch weder Beckenbauer noch Bayern-Kapitän Lahm oder sein Vize Bastian Schweinsteiger geben. Kroos sprach sogar von "unerklärlichen Fehlern".
Druck könnte Bayern lähmen
Möglicherweise hat der Verein - insbesondere Hoeneß - zu früh die Stoßrichtung "Champions-League-Sieg" ausgegeben. Vielleicht war der Fokus auf den ersten Triumph in der Königsklasse seit elf Jahren so groß, dass die Kraft und Konzentration für Liga und Pokal einfach nicht ausreichten. Vielleicht lag es auch am BVB, der frei von internationalen Meriten frisch aufspielen konnte und eine überragende Rückrunde hinlegte. Auch die Variante, dass die derzeitige Mannschaft zu satt ist und sich nur noch für die entscheidenden Spiele in der Champions League motivieren kann, ist möglich.
So vielschichtig die Gründe für die aus bayerischer Sicht bislang verlaufene Katastrophensaison auch sind, so eindimensional wird das Empfinden am kommenden Samstag sein: Der Druck wird für die Spieler so groß sein wie noch nie in ihrer Karriere.
Sollte das das Team jedoch lähmen und Chelsea tatsächlich die Champions-League-Trophäe holen, kann man sich kaum vorstellen, dass Hoeneß dies erneut lediglich wegpusten würde.
Borussia Dortmund - Bayern München 5:2 (3:1)
1:0 Kagawa (3.)
1:1 Robben (25., Foulelfmeter)
2:1 Hummels (41., Foulelfmeter)
3:1 Lewandowski (45.+1)
4:1 Lewandowski (58.)
4:2 Ribéry (75.)
5:2 Lewandowski (81.)
Dortmund: Weidenfeller (34. Langerak) - Piszczek, Subotic, Hummels, Schmelzer - Gündogan, Kehl - Blaszczykowski (84. Perisic), Kagawa (81. S. Bender), Großkreutz - Lewandowski
München: Neuer - Lahm, Boateng, Badstuber, Alaba (69. Contento) - Schweinsteiger, Luiz Gustavo (46. Müller) - Robben, Kroos, Ribéry - Gomez
Schiedsrichter: Gagelmann
Zuschauer: 75.708 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Weidenfeller, Hummels - Badstuber, Schweinsteiger, Gomez