FC Bayern München: Der letzte Warnschuss vor den entscheidenden Wochen - DER SPIEGEL
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Bayerns Remis gegen Schalke Der letzte Warnschuss

Trotz der Tabellenführung sind Spieler und Verantwortliche des FC Bayern seit Wochen mit den eigenen Leistungen unzufrieden. Die Prognosen für den weiteren Saisonverlauf: ungewohnt pessimistisch.
Arjen Robben
Arjen Robben

Arjen Robben

Foto: MICHAEL DALDER/ REUTERS
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Von feierlicher Festtagsstimmung war Philipp Lahm weit entfernt. Der Kapitän hatte gerade sein 500. Pflichtspiel im Trikot des FC Bayern beendet, eine stolze Zahl. Doch sich über das Jubiläum zu freuen, danach war ihm nicht zumute. Ganz im Gegenteil. Schmallippig und mächtig genervt stand Lahm nach Abpfiff da, es schien in ihm zu brodeln wie selten.

Ein Reporter stellte die Frage, wie der FC Bayern nach den zuletzt schon mäßigen Spielen und dem nun enttäuschenden 1:1 gegen Schalke 04 den Schalter umlegen könne. Darauf blaffte Lahm zurück: "Wenn Sie mir sagen, wo ich den Hebel finden kann, dass es von heute auf morgen besser wird, dann können Sie mir gern sagen, wo der ist." Punkt.

Ein Satz, der das derzeitige Klima in München ganz gut wiedergibt. Der FC Bayern Anfang 2017 ist leicht reizbar und vor allem ziemlich ratlos.

Dabei hatten sie sich vor der Partie gegen Schalke so viel vorgenommen, doch wie so oft in dieser Saison konnten sie die eigenen Erwartungen an sich selbst nicht umsetzen. So wurde es eine nahtlose Fortsetzung der wirren und ungeordneten Spielweise, die sie schon bei den 2:1-Siegen in Freiburg und Bremen gezeigt hatten. Trotz des frühen 1:0 durch Robert Lewandowski (9. Minute) verstanden es die Bayern wieder nicht, durch die Führung Sicherheit und Dominanz zu entwickeln.

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Foto: Lennart Preiss/ Bongarts/Getty Images

Stattdessen kassierten sie nur vier Minuten später durch einen Freistoß von Naldo den Ausgleich zum enttäuschenden Endstand. Hätte Schalke eine seiner Großchancen in der ersten Halbzeit genutzt - die Bayern hätten sich über eine Niederlage nicht beschweren dürfen. Auch Schalkes Nationalverteidiger Benedikt Höwedes sagte forsch: "Wären wir mit einer Führung in die Pause gegangen, hätten wir das auch über die Runden gebracht."

Während sich der Nationalspieler und seine Schalker letztlich doch über den Auswärtspunkt freuten, spitzt sich beim FC Bayern die schlechte Stimmung allmählich zu. Schon unter der Woche hatte Arjen Robben Alarm geschlagen, da klang es noch lediglich nach Alarmstufe Gelb. Nach dem Spiel am Samstag zeigte sich aber bereits eine leichte Verfärbung ins Rötliche - vor allem angesichts der anstehenden Aufgaben in den nächsten Wochen.

Deutliche Worte fand etwa Manuel Neuer: "Man darf nicht davon ausgehen, dass man so weiter machen kann", murrte der Torwart, der beim Gegentor gepatzt hatte, als er den Ball unter sich durchrutschen ließ, und ergänzte: "Man muss sich Gedanken machen, wie wir Fußball spielen." Auf Nachfrage konkretisierte Neuer seine Kritikpunkte: "Es geht um die Sachen, die uns früher ausgezeichnet haben. Das selbstbewusste Passspiel, dass wir den Ball mit Tempo zirkulieren können, dass wir den Gegner in Bedrängnis bringen, sie die Ordnung verlieren und wir zu Chancen kommen." Fast hörte es sich an wie eine wehmütige Reminiszenz an die Spielweise unter Josep Guardiola - so wie sie unter Carlo Ancelotti bislang nur selten spielten.

Der Kapitän warnt vor den entscheidenden Wochen

Der Trainer selbst verfolgte das Spiel wie immer regungslos. Keine Anweisungen von außen, keine Ideen, das Spiel vielleicht umzustellen. Recht lethargisch stand Ancelotti vor seiner Trainerbank, temperamentvoll wurde er nur am Ende des Spiels, als der vierte Offizielle Lasse Koslowski zwei Minuten Nachspielzeit anzeigte. Für Ancelotti zu wenig, mit gefalteten Händen stellte er sich vor Koslowski, gestikulierte und diskutierte. Ein fast schon leidenschaftlicher Gefühlsausbruch, den er sonst nie offenbart. Später sagte Ancelotti, dass das Spiel schwierig gewesen sei, Schalke gut, und dass es für den Sieg nicht reichte. Alles wenig überraschend.

Natürlich ist der Rekordmeister auch weiterhin Tabellenführer, doch die wirklich wichtige Phase beginnt erst jetzt. Es werden entscheidende Wochen für den FC Bayern. Am Dienstag geht es im DFB-Pokal-Achtelfinale daheim gegen den VfL Wolfsburg, danach stehen die beiden Spiele im Achtelfinale der Champions League gegen den FC Arsenal an, das Rückspiel ist am 7. März. In dieser Form droht dem FC Bayern, in gut vier Wochen nicht mehr um das begehrte Triple zu spielen. Sondern nur noch um ein Single. Um die Deutsche Meisterschaft.

Ein Szenario, das auch Philipp Lahm sehr beunruhigt. "Noch ist nichts passiert", sagte Lahm am Samstagabend, "aber der Mannschaft muss bewusst sein, dass wir so, wie wir die letzten drei Spiele agiert haben, in den nächsten Wochen nicht agieren können, sonst sind wir ganz schnell in mehreren Wettbewerben auf einmal raus." Dann ging Lahm.

Es war eine Warnung. Eine allerletzte Warnung. Denn ab jetzt wird es ernst für die Bayern - und für ihren Trainer.