FC Bayern München: Freude über Benfica Lissabon - DER SPIEGEL
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Alaba-Vertrag und CL-Los: Bayerns Glücks-Tag

Foto: Tobias Hase/ dpa

Duell mit Benfica Lissabon Balsam für die Bayern-Seele

Die Bayern atmen durch: Statt Barcelona bekommt es der Klub in der Champions League mit Leichtgewicht Benfica zu tun. Ein Segen für die Münchner - sie standen zuletzt unter Druck wie lange nicht.
Von Christoph Leischwitz
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die Auslosung des Champions-League-Viertelfinals war ganz nach dem Geschmack von Karl-Heinz Rummenigge. Wolfsburg gegen Real Madrid und Bayern München gegen Benfica Lissabon: wer in diesen Duellen Favorit ist und wer Außenseiter, darüber gibt es keinen Zweifel. Der Vorstandsboss der Münchner hatte am Mittwoch nach dem dramatischen Weiterkommen gegen Juventus Turin, Setzlisten für die K.o.-Runde gefordert. Gäbe es sie so, wie Rummenigge es sich vorstellt wären wohl genau die nun gelosten Paarungen dabei herausgekommen. Es herrscht die größtmögliche Langeweile, so ist es aus Bayern-Sicht gut.

Man respektiere Benfica, das gehöre sich so in einem K.o-Spiel in der Champions League. Das beste Argument dafür lieferte Bayerns spanischer Mittelfeldspieler Xabi Alonso. Er erinnerte daran, wie schwer man sich im vergangenen Jahr im Viertelfinale in Portugal getan hatte. Damals verloren die Bayern das Hinspiel beim FC Porto 1:3 (gewannen dann allerdings zu Hause 6:1). Auch das jüngste Achtelfinale gegen Juve taugt zur Mahnung.

Trotzdem hilft die Auslosung den Bayern erst einmal, die Hektik abzubauen, die sich in den vergangenen Tagen angestaut hatte. In München wirkten die Verantwortlichen müde oder gereizt nach dem schweren Juve-Spiel. Ein Gegner wie Barcelona hätte die Sorge vor dem frühen Scheitern sehr viel eher wiederbelebt. Prompt ging es locker und pragmatisch zu an der Säbener Straße. Alonso, Franck Ribéry, David Alaba und Sportdirektor Matthias Sammer, sie alle äußerten sich ausgiebig über Benfica.

"Wir haben noch viel vor"

Alaba hatte die Auslosung noch zu Hause verfolgt, 20 Minuten später saß er bereits umgezogen auf dem Podium. "Beides gut", sagte er auf die Frage, ob das Los oder seine kurz zuvor bekannt gegebene Vertragsverlängerung die bessere Nachricht sei. Der 23-jährige Österreicher, der am Mittwoch gegen Turin deutlich unter seinem Niveau gespielt hatte, taugte jetzt als Stimmungsaufheller. Ob er nicht wolle, dass sein guter Freund Ribéry auch noch eine Vertragsverlängerung bekomme? "Ich glaube, wir wollen ihn so lange hier haben, wie er noch gehen kann", flachste Alaba.

Für ihn selbst sei mit der Verlängerung bis 2021 ein Traum in Erfüllung gegangen: "Ich bin seit 2008 hier, München ist für mich eine zweite Heimat geworden." Und mit Blick auf Javier Martínez, Thomas Müller und Jérôme Boateng, die sich schon vor zwei Monaten bis 2021 gebunden hatten, sagte er noch: "Wir wissen, was wir an dem Verein haben. Und wir haben noch viel vor."

Durch die langfristigen Verträge wurden die Marktwerte der Profis derart gesteigert, dass sie wohl sogar die immer reicher werdenden englischen Vereine abschrecken könnten. Dazu passte auch eine Aussage von Txiki Begiristain, dem Sportdirektor des künftigen Guardiola-Klubs Manchester City. Er hatte gesagt, er könne nicht versprechen, keinen Spieler des FC Bayern abwerben zu wollen. Sammers Antwort fiel trocken aus: "Ich glaube, wir bestimmen, was passiert". Mit der Vertragsunterzeichnung der Identifikationsfigur Alaba konnte er zugleich auch wieder kontrollieren, worüber gesprochen wird. Und dabei Worte wie "Planungssicherheit", "Stabilität" und "Tradition" verwenden.

"Es gab ja ein bisschen Aufregung um meine Person"

Sammer zählt es auch zu seinen Hauptaufgaben, immer darauf zu achten, dass niemand einen Keil zwischen Personen des Vereins treibt. Deshalb musste er auch auf sich selbst zu sprechen kommen. Er tat das ungefragt: "Es gab ja ein bisschen Aufregung um meine Person in Bezug zu Uli." Sammer hatte unter der Woche eine Aussage von Uli Hoeneß "dummes Zeug" genannt, wonach Josep Guardiola das Ziel habe, das Triple zu gewinnen. Sammer habe am Donnerstag mit Hoeneß telefoniert und versicherte: "Wir sind uns in der Sache einig." Man habe ein "exzellentes Verhältnis", einen "super Draht."

Dann ging es hinaus zum Abschlusstraining unter strahlend blauem Himmel, die Bayern spielen am Samstagnachmittag beim 1. FC Köln (15.30 Uhr, High-Liveticker SPIEGEL ONLINE; TV: Sky). Das Viertelfinal-Los beruhigt die Bayern-Gemüter auch deshalb, weil diesmal auch die Bundesliga ein größerer Stressfaktor ist als in den vergangenen beiden Jahren. Dortmund ist nur fünf Punkte entfernt. Ob das die Bayern vielleicht sogar konzentrierter, besser mache, wurde Sammer noch gefragt. Die Antwort war deutlich: "Ich habe Respekt vor Dortmund. Aber ich bräuchte das alles nicht." Denn ausgerechnet den Gewinn der Meisterschaft hatte Sammer stets als das wahre Saisonziel ausgegeben.