FC Bayern München: Nervös vor den wichtigsten Wochen des Jahres - DER SPIEGEL
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DFB-Pokal: Münchner Minimalisten lösen Final-Ticket

Foto: Peter Kneffel/ dpa

Pokalfinalist Bayern München Vorsicht - leicht reizbar!

Bremen bezwungen, Finale erreicht - von Leichtigkeit ist bei Bayern München derzeit aber nichts mehr zu spüren. Vor den wichtigsten Wochen der Saison ist der Rekordmeister nervös.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Arturo Vidal verließ das Stadion in Begleitung, zusammen mit Javi Martínez. Beide lächelten schelmisch, steckten die Köpfe zusammen und flüsterten miteinander. Vielleicht erzählte Vidal ja noch einmal, wie das genau war, als er kurz nach seiner Einwechslung im gegnerischen Strafraum ohne Berührung eines Gegenspielers abhob, durch die Luft segelte und dann schmerzgekrümmt darniedersank.

Das war schon lustig, zumindest für ihn, weil Schiedsrichter Tobias Stieler auf die Schwalbe hereinfiel und einen Elfmeter pfiff, den Thomas Müller nach 70 Minuten verwandelte. Nach seinem Kopfballtor in der ersten Halbzeit genügte dem FC Bayern für die Reise nach Berlin also ein Müllerscher Doppelpack beim 2:0 gegen Werder Bremen - in einem DFB-Pokal-Halbfinale, in dem die Münchner keinen berauschenden Sieg einfuhren. Sondern einen gequälten und einen geschummelten.

Kurzpass-Zauber wie aus früheren Guardiola-Zeiten erlebt man beim FC Bayern in diesen Tagen nicht. Das Team schleppt sich derzeit von Spiel zu Spiel, alle drei, vier Tage eine wichtige Partie, es ist eine harte Plackerei, wie auch Müller sagte: "Wir haben schon seit einigen Wochen die wichtigen Wochen. Und die ganz wichtigen Wochen hören ja gar nicht auf." Im Gegenteil, jetzt gehen sie erst richtig los. Es ist schon Mitte April, und doch wird die Saison erst jetzt noch so richtig lang.

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Bayern in der Einzelkritik: Müller, der Erlöser

Foto: Alexander Hassenstein/ Bongarts/Getty Images

Gegen ein tapfer kämpfendes, wenn auch spielerisch limitiertes Werder Bremen hat das am Dienstag noch genügt. Aber reicht so eine Leistung auch in zwei Spielen gegen Atlético Madrid, im Halbfinale der Champions League, nächste und übernächste Woche (Anpfiff jeweils 20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE)?

Sicher, die Bayern haben - anders als vor einem Jahr (damals unterlag man im Halbfinale zuhause Borussia Dortmund) - nun wieder das Pokalfinale erreicht, und Müller sagte auch: "Wenn wir jedes Spiel so hart umkämpft 2:0 gewinnen, bin ich sehr glücklich."

Noch halten sie das durch, zumindest körperlich. Aber auch nervlich? Zumindest ist in den vergangenen Tagen eine erstaunliche Reizbarkeit in den Reihen des FC Bayern zu erkennen.

Das Nörgeln von Trainer Josep Guardiola , der am Samstag im Beisein von Reportern ungewohnt deutlich die miserable erste Halbzeit seiner Mannschaft gegen Schalke 04 gerügt hatte, schien nicht so wirklich gut anzukommen in der Mannschaft. "Unser Trainer hat uns nach dem letzten Spiel fast das erste Mal öffentlich kritisiert, das macht er sonst immer nur intern", sagte Philipp Lahm am Dienstag. Und ergänzte: "Heute wird er auch nicht so zufrieden sein, das ist nur selten der Fall bei ihm."

Und Guardiola selbst wirkte tatsächlich ziemlich dünnhäutig, als er auf die Frage eines Reporters grummelte, das Gerede über seine Kritik sei ja eh nur etwas fürs Publikum, für die Quote.

"Es gibt keine Entschuldigung dafür"

Einen Riss zwischen Trainer und Mannschaft kann man nicht ausmachen beim FC Bayern. Genauso wenig ist aber überbordende Harmonie zu erkennen. Diese Beziehung ist kühl, sachlich, professionell. Fast schade, dass Guardiola am Ende der Saison nach drei Dienstjahren in München geht. Es wäre spannend gewesen zu beobachten, wie sich das Verhältnis zwischen ihm und der Mannschaft im vierten Jahr entwickelt hätte.

Möglich, dass hinter Guardiolas Granteln auch Kalkül steckt. Als Lehre aus den ersten beiden Jahren, in denen er seine Mannschaft meist "top top" und "super super" fand. Hatte er da schon zu viel gelobt, bevor der Mannschaft am Ende der Saison die Kraft ausging? So gibt sich Guardiola in seinen letzten Wochen in München als der größte Motzki gleich hinter Matthias Sammer.

Zum Abschluss des Abends gab es dann von Thomas Müller noch Herzliches. Weniger in Richtung Arturo Vidal, zu dessen Schummel-Aktion er sagte: "Natürlich eine Schwalbe. Es gibt keine Entschuldigung dafür." Müller fand hingegen warme Worte für Guardiola, der nach Abpfiff über Müller gesagt hatte: "Er ist ein Riesentalent." Ob das als Witz gemeint war, Müller ein Talent? Es blieb wie so viele Aussagen von Guardiola schleierhaft.

Müller jedenfalls erwiderte, darauf angesprochen: "Da hat er recht. Das kann ich nur zurückgeben." Und Müller sagte auch noch: "Er ist ja auch super." Dann ging Müller, grinsend und mit einem Augenzwinkern.