FC Bayern Wir reden nicht mit jedem
Der FC Bayern hat einen Plan. Das ist grundsätzlich nicht schlecht, auch wenn es mit den Plänen des Clubs zuletzt ein paar Probleme gab etwa dem Vorhaben, durch verstärktes Anwerben deutscher Nationalspieler einen "FC Deutschland" zu kreiern (gescheitert), mit dem reaktivierten Ottmar Hitzfeld an alte Erfolge anzuknüpfen (abgebrochen) oder den Club mittels Jürgen Klinsmann umzukrempeln (noch nicht in Erprobung).
Bayern-Manager Hoeneß, Reporter (im Trainingslager auf Marbella): "FCB-Medien mit Priorität"
Foto: DPAJetzt aber wollen die Bayern ein viel grundlegenderes Problem angehen vermeldet zumindest die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" heute. Demnach hat sich der scheidende Trainer Ottmar Hitzfeld mit einem offen unter dem Arm getragenen Papier fotografieren lassen, das einen Vorschlag für eine neue Medienpolitik des Clubs enthält. Die Zeitung hat das Foto ausgewertet, bei Bayern-Pressesprecher Markus Hörwick nachgefragt und Erstaunliches zu Tage gefördert.
Nun hätte gerade Hitzfeld eine Menge Gründe, sich über die Pressearbeit seiner Vorgesetzten zu beschweren, vor allem über den FCB-Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge. Der demontierte seinen Coach nach einem 2:2-Unentschieden gegen die Bolton Wanderers auf reichlich perfide Art, indem er dem gelernten Mathematiklehrer Hitzfeld vorwarf, Fußball mit Mathematik zu verwechseln.
Doch in dem zitierten Papier geht es offenbar keinesfalls darum, die drei Bayern-Lautsprecher Rummenigge, Manager Uli Hoeneß und Präsident Franz Beckenbauer einzubremsen. Stattdessen arbeite man am Clubsitz in der Säbener Straße in München-Harlaching an einer "internen Erstellung von sogenannten FCB-Medien mit Priorität". Unter Berücksichtigung von Kriterien wie "Fairness" und "Größe/Auflage" sollen laut "FAZ" maximal 20 Redaktionen ausgewählt werden, mit denen die Bayern in Zukunft eng zusammenarbeiten wollen. Außerdem soll die Berichterstattung der Medien genauer als bisher unter die Lupe genommen werden. Einer der Gründe sei eine nicht mehr zu bewältigende Flut an Interviewanfragen.
Das verspricht ein interessanter Ansatz zu werden. Eine Interpretationsmöglichkeit lautet: Wer kritisch berichtet, wird dann wohl nicht mehr mit allzu vielen Informationen aus dem Club rechnen können, geschweige denn Interviewpartner oder Akkreditierungen zu wichtigen Spielen bekommen. Doch die Idee könnte ja auch anders gemeint sein: Zielt sie auf eine Disziplinierung der eigenen Leute?
Hoeneß, Rummenigge und Beckenbauer haben die drei Münchner Boulevardzeitungen "Abendzeitung", "tz" und "Bild" unter sich aufgeteilt - jeder Bayern-Boss hat ein bevorzugtes Medium, in dem er seine Ansichten kundtut. Beckenbauer hat in "Bild" seit Jahren eine Kolumne, die oft genug Diskussionen im Club auslöste und jede Medienstrategie torpedieren könnte. Hoeneß misst seine eigenen Führungsentscheidungen gern daran, was anderntags über sie in der Lokalzeitung steht.
Das Ergebnis ist ein Erscheinungsbild in der Öffentlichkeit, das zur Freude vieler Journalisten selten einheitlich wirkt. Immerhin, der neue Plan soll eine "drastische Reduzierung der Einzelinterviews" vorsehen.
Ob das für die Chefs gilt, weiß man bislang nicht. Denn beim FC Bayern war bislang niemand zu erreichen, um das Papier zu kommentieren.
Rätselhafter Umgang mit Journalisten
Fest steht: Der Umgang des Vereins mit den Medien, ob nach einem alten, neuen oder gar keinem Plan, wird sich ab dem kommenden Sommer ohnehin ändern. Zum 1. Juli tritt Jürgen Klinsmann seinen Trainerjob an - und der verfolgt wiederum einen ganz eigenen Umgang mit den Medien. So ignoriert er die "Bild"-Zeitung weitgehend und unterhält sich bevorzugt mit der "Süddeutschen Zeitung" oder der "Zeit".
Sollte der FC Bayern tatsächlich eine Auswahl bevorzugter Medien als Konzept festschreiben, was nebenbei für berechtigte Erbitterung beim Rest der deutschen Redaktionen sorgen wird, so muss dieses Vorhaben mit Klinsmann abgestimmt werden.
Dem immerhin ist zuzutrauen, dass er interne Papiere nicht offen durch die Gegend trägt.