FC Parma: Stars, Stars, Stars
Bankrotter Traditionsklub Der Untergang des FC Parma
In der Empfangshalle des FC Parma erinnert ein wandgroßes Bild an eine Audienz bei Papst Franziskus. Es stammt aus besseren Zeiten des Traditionsklubs. Auf dem Tresen davor liegen Briefe von Banken an die Fußballprofis. Doch es ist schwer vorstellbar, dass es sich dabei um Überweisungsscheine für ihre Gehälter handelt - die Spieler haben seit Juli kein Geld mehr bekommen.
Der Verein ist so pleite, dass sogar schon das Mobiliar verkauft wird. "Jeden Tag holen sie hier Einrichtungsgegenstände ab, um sie zu versteigern. Wir können von Glück reden, dass unsere Trikots Eigentum des Sponsors sind und nicht auch noch beschlagnahmt werden können", sagt Alessandro Lucarelli, Kapitän des FC Parma, SPIEGEL ONLINE.
Parma befindet sich schon länger in der Krise. "Ich bin schon vor zweieinhalb Jahren auf Distanz zu Besitzer Tommaso Ghirardi gegangen. Ich habe seine Art, die Geschäfte zu führen, nicht mehr geteilt. Meine Arbeit habe ich dennoch gemacht, ich bin ja Angestellter, aber ich hatte kein Vertrauen mehr", erzählt Teammanager Alessandro Melli. "Sie sagten immer, alles wird gut, es kommt Kapital."
Melli, der als Stürmer den Europapokaltriumph Parmas Anfang der Neunziger miterlebte, ist kurz davor, in Tränen auszubrechen. Denn es wurde nichts gut in Parma.
Verkauf des Vereins für einen Euro
Die erste Warnung kam im Sommer. Die Uefa verweigerte dem Klub die sportlich verdiente Teilnahme an der Europa League. "Die machen Ärger wegen 300.000 Euro, die zu spät gezahlt wurden. Ich verstehe den Fußball nicht mehr", tobte Ghirardi damals. "Es müssen damals aber schon mehr als diese 300.000 Euro gewesen sein", sagt Enrico Frambati, genannt "Frambo", seit mittlerweile 44 Jahren Parma-Fan. Er hat nichts als Verachtung für den Ex-Präsidenten übrig. Denn Ghirardi machte nicht nur Schulden. Er verkaufte den Verein auch für einen symbolischen Euro an den albanischen Ölunternehmer Rezart Taci - und machte ihn so zum Gespött des Landes.
Taci gab den Klub Wochen später für ebenfalls einen Euro an den Mailänder Manager Giampietro Manenti weiter. Weder Taci noch Manenti zahlten Gehälter. Taci wurde aber trotz der finanziellen Schieflage im Winter noch auf dem Transfermarkt aktiv, entlieh unter anderem Vizeeuropameister Antonio Nocerino. "Das ist eine Verfälschung der Meisterschaft. Wir leisten uns keine neuen Transfers, und die, die Schulden haben, bieten plötzlich Nocerini gegen uns auf", zürnte Cesenas Präsident Giorgio Lugaresi.
Geschäftsmodell Spielerhandel
Taci setzte allerdings nur das Geschäftsmodell seines Vorgängers Ghirardi fort. Mehr als zweihundert Profis, wie viele genau wissen nicht einmal die Mitarbeiter in der Geschäftsstelle, gehören zum FC Parma. 214 Zugänge und 202 Abgänge stehen in dieser Saison laut "transfermarkt.it" zu Buche. Mit diesem undurchsichtigen Spiel band Ghirardi andere Klubs an sich. Allein 14 Serie-A-Vereine, darunter Juventus, Inter und der AC Mailand, sind Geschäftspartner. Es ist ein gängiger Trick in Zeiten des Financial Fairplay, um Bilanzen aufzubessern.
Die Verflechtung des FC Parma mit dem gesamten italienischen Fußball ist ein Grund, warum der Ligaverband fünf Millionen Euro bereitstellte, damit der Schuldenklub bis zum Ende der Saison wenigstens Stewards und Stromrechnungen für das Stadion bezahlen kann. Hinzu kommt der Druck vom Bezahlsender Sky. Sollten weitere Parma-Spiele ausfallen - zwei wurden bereits abgesagt -, droht Sky der gesamten Liga mit Strafzahlungen wegen Nichteinhaltung des Vertrags.
Derweil schreibt der Klub weiter negative Schlagzeilen. Am Mittwochmorgen wurde Präsident Giampietro Manenti festgenommen. Dem Unternehmer wird vorgeworfen, illegales Kapital für seine Geschäfte verwendet zu haben. Am Donnerstag wird ein Gericht in Parma über einen Konkursantrag entscheiden, den die Staatsanwaltschaft wegen der hohen Schulden eingereicht hat. Bei einer Pleite muss Parma wohl zurück in die italienische Amateurliga.
Parma-Ultra Frambati hält einen sofortigen Bankrott und den Wiederanfang in der viertklassigen Serie D für die "ehrlichste Lösung". Natürlich wäre er auch dann bei Auswärtsfahrten dabei, sagt er. Die Mannschaft hingegen würde gern die Saison zu Ende spielen.
In all dem Chaos hat Kapitän Lucarelli sogar noch den Blick für andere Gefahren. "Wir wissen, dass Spieler von Vereinen mit Geldproblemen ein besonderes Ziel von Wettbetrügern sind. Wir haben dieses Problem mit der Fußballergewerkschaft besprochen", sagt Lucarelli. Doch Teammanager Melli ist überzeugt: "Das sind alles wahre Kerle. Wer in dieser Situation zum FC Parma steht, lässt sich niemals korrumpieren."
Der Stolz auf sich selbst ist das einzige Gut, das Spieler, Angestellte und Anhänger des FC Parma noch haben.