FC St. Pauli: "Wir waren einfach siegesgeiler" - DER SPIEGEL
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FC St. Pauli "Wir waren einfach siegesgeiler"

Zum zweiten Mal in seiner Bundesliga-Geschichte hat der FC St. Pauli den großen FC Bayern München besiegen können. Vor allem die Art und Weise, wie der Aufsteiger den Weltpokalsieger vom Platz fegte, sorgt rund um die Reeperbahn für Euphorie.
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Hamburg - Der 6. Februar 2002 wird ein denkwürdiger Tag für die Anhänger des FC St. Pauli bleiben. Am Mittwochabend bot der Aufsteiger am heimischen Millerntor seine bis dato beste Saisonleistung und bezwang den deutschen Meister Bayern München mit 2:1. In einem wahren Sturmlauf fegten die bislang in der ersten Liga eher belächelten Kicker vom Kiez Deutschlands Vorzeigeclub vom Platz.

"Geil, geil, geil"


"Dieses Spiel ist eines der schönsten meines Lebens", jubelte St. Paulis Kapitän Holger Stanislawski nach dem Schlusspfiff. "Wir waren heute einfach siegesgeiler als die Bayern. Jeder von uns hat sein Herz in die Hand genommen und sich diesen Triumph verdient." Auch Marcel Rath, der zuvor wie ein Ochse immer wieder den Strafraum der Münchner durchpflügt hatte, konnte nach dem Abpfiff nicht so recht begreifen, was in den 90 Minuten zuvor auf dem Rasen geschehen war. "Wir haben heute Geschichte geschrieben - das ist der blanke Wahnsinn. Geil, geil, geil ...", ratterte es aus Rath heraus.

20.735 Fans - inklusive ein paar hundert Bayern-Anhänger - hatten zuvor einem historischen Augenblick am Millerntor beiwohnen dürfen. Der Tabellenletzte stürmte von der ersten Minute an und drängte die Münchner in eine völlig ungewohnte Rolle. Mit 2:0 führten die Braun-Weißen nach einer guten halben Stunde, zur Pause hätte es gut und gerne 5:0 stehen können. "St. Pauli hat uns an die Wand gespielt", musste Bayern-Coach Ottmar Hitzfeld anschließend zerknirscht zugeben.

"Wir können jeden schlagen"


St. Paulis Coach blieb nach dem Triumph bescheiden. "Das waren nur drei wichtige Punkte im Kampf gegen den Abstieg", so Dietmar Demuths Analyse, "nachdem Cottbus, Mönchengladbach und Nürnberg am Dienstag gewonnen hatten, mussten wir siegen, sonst wäre das wohl an die Moral gegangen." Die ist nun mehr als gestärkt. "Wir haben den Weltpokalsieger geschlagen, wir können jeden schlagen", sagte Jochen Kientz kämpferisch.

Immerhin sind die Paulianer erstmals seit dem zwölften Spieltag nicht mehr Tabellenletzter, diesen Platz nimmt mindestens bis zum Wochenende der 1. FC Köln ein. Nach Schlusspfiff wurde im Viertel rund um die Reeperbahn kräftig gefeiert. Sogar die Spieler durften sich ein wenig an der Siegesparty beteiligen, obwohl am Samstag das schwere Spiel beim FC Schalke 04 ansteht.

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