Felix Magath beim VfL Wolfsburg - DER SPIEGEL
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Magath und die Wölfe: Wieder auf Kurs

Foto: David Ebener/ dpa

Umbau beim VfL Wolfsburg Magaths Spätlese

Plötzlich träumen sie in Wolfsburg wieder von der Europa League. Nach drei Siegen in Folge scheint die Mannschaft von Felix Magath endlich so etwas wie eine Struktur zu haben. Hat sich der Dauerumbau der vergangenen Monate also doch gelohnt?
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Berlin - Bei Felix Magath sollte man niemals sicher sein. Gerne geschieht das Gegenteil des Erwartbaren. Niemand hätte vor ein paar Wochen gedacht, dass Mittelstürmer Patrick Helmes unter ihm auch nur noch eine Bundesliga-Minute auf dem Platz stehen würde. Jetzt ist Helmes, den Magath verhöhnt und zum Tribünenspieler degradiert hatte, wieder Stammkraft im Team. Niemand hätte dem VfL, unlängst in der Abstiegszone, noch eine Chance eingeräumt, um die Europa-Lague-Plätze mitzuspielen. Jetzt liegt die Mannschaft nur drei Punkte hinter Platz fünf.

In der Endphase der Saison scheint Magath seiner Mannschaft doch noch eine Ahnung von Struktur verpasst zu haben. Und auch das hätte nach all den chaotischen Vormonaten in Wolfsburg keiner mehr erwarten dürfen. Vielleicht noch Magath selbst, aber selbst das ist nicht sicher. Wenige stehen so für das Irrationale im Fußball wie der doch so kühl wirkende Kopfmensch Magath.

Drei Spiele hat die Mannschaft zuletzt in Folge gewonnen, das ist ein ganz neues Wolfsburg-Gefühl. So etwas hat es beim VfL seit der Deutschen Meisterschaft 2009 nicht gegeben. Ob die Magath-Elf damit tatsächlich einen Trend setzt, wird schon das Wochenende zeigen: Der VfL muss dann bei Hertha BSC (Samstag 18.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) antreten. Und wer bisher bei Auswärtsspielen auf eine VfL-Niederlage setzte, hatte leichtes Geld verdient. Magath trainiert trotz des Sieges beim 1. FC Nürnberg vor 14 Tagen immer noch die auswärtsschwächste Mannschaft der Liga.

Magath hat das Team wieder einmal umgewälzt

Das Team hat dennoch unverkennbar an Stabilität gewonnen. Im heimischen Stadion ist der VfL mittlerweile wieder so etwas wie eine Macht. Das mussten zuletzt Bayer Leverkusen und der Hamburger SV erfahren. Als nächstes stellt sich der Tabellenführer Borussia Dortmund beim VfL der Bewährungsprobe.

Magath hat, wie es seine Art ist, das Team im Lauf der Saison komplett umgekrempelt. Er hat gekauft, verkauft, ausgeliehen, getauscht, bis irgendwann 50 Millionen Euro ausgegeben waren. Welchem Prinzip der 58-Jährige dabei folgte, war und ist nur in Grenzen ersichtlich.

Von den Profis, die am Freitag gegen den HSV siegten, standen beim Hinspiel in Hamburg immerhin noch sechs Spieler in der Stammformation. Unter anderem spielten damals allerdings auch noch Bjarne Thoelke oder Patrick Ochs, die in Wolfsburg mittlerweile komplett Geschichte sind - so lange, bis Magath sie wieder unvermittelt in die Startelf beordert.

Der Kader umfasst immer noch 31 Profis

Am Ende dieses gigantischen Umwälzungsprozesses hat Magath auch jetzt noch einen 31 Spieler umfassenden Kader zur Verfügung, aus dem sich eine Elf zusammenstellen lässt. Magath beim VfL Wolfsburg funktioniert wie eine Filteranlage. Manche bleiben hängen, manche kommen durch. Der Vorgang wird so oft wiederholt, bis sich ein Team gebildet hat. Möglicherweise ist dieser Stand jetzt erreicht.

Paradoxerweise just zu einem Zeitpunkt, als der Volkswagen-Konzern erstmals seinen Unmut über die bisherige Bilanz Magaths kundgetan und ihm mit dem VW-Finanzexperten Wolfgang Hotze einen Sprecher der Geschäftsführung vorgesetzt hatte. Allgemein war das als Teil-Entmachtung des bisherigen Trainer-Sportdirektor-Geschäftsführers Magath interpretiert worden. Auch wenn der Betroffene selbst stets betonte, für ihn habe sich dadurch nichts geändert.

Magath selbst hat sowohl beim FC Schalke als auch in Wolfsburg die größtmögliche Art von Befugnissen für sich beansprucht und auch bekommen. Man kann nicht behaupten, dass die Vereine mit dieser Lösung glücklich geworden sind. In Gelsenkirchen hatte sich der vermeintliche Alleinherrscher am Ende verzettelt, dasselbe drohte ihm in Wolfsburg. Letztlich liegt Magaths Kernkompetenz im sportlichen Bereich und nicht darin, sich um die Ausstattung der Geschäftsstelle oder die Akquise von Sponsoren zu kümmern. Er sollte sich darauf konzentrieren.

Die Methode, so lange neue Spieler zu holen, bis es irgendwann einigermaßen passt, ist eine vordergründig einfache Art, Erfolg zu produzieren. Aus den Profis, die man vorfindet, das Beste herauszuholen, ist dagegen eine größere Herausforderung. Möglicherweise fängt Felix Magath gerade damit an, sich ihr zu stellen.

Aber sicher ist das nicht.