Fernsehrechte Kirch wird WM nicht los
München - Erst am Wochenende hatten die Intendanten der zehn ARD-Anstalten auf einer Sondersitzung beschlossen, den mit der KirchGruppe ausgehandelten Vertragsentwurf nicht zu unterschreiben.
Die Rundfunk-Funktionäre störten sich insbesondere daran, dass es in der bisherigen Vereinbarung für ARD und ZDF kein Vorkaufsrecht für die TV-Rechte zur WM 2006 gebe, die in Deutschland ausgetragen wird. Laut dem bisherigen Vertragsentwurf zahlen ARD und ZDF 250 Millionen Mark für die Live-Ausstrahlung von 24 Spielen der WM 2002 in Japan und Südkorea, also mehr als zehn Millionen Mark pro Spiel.
Da die WM-Spiele vormittags zwischen 8.30 Uhr und 13 Uhr beginnen und die Zahl der deutschen Spiele je nach sportlichem Abschneiden variieren kann, erschien Kritikern der Preis zu hoch. Zudem handelt es sich um keine Exklusivrechte, denn Premiere World darf parallel ausstrahlen. Kein Wunder also, dass ARD und ZDF, die laut "Süddeutsche Zeitung" zum 1. März dieses Jahres die erste Rate an Kirch hätten überweisen sollen, auf Nachbesserungen drängen.
Kirch hat europaweit Probleme bei der Refinanzierung
Die KirchGruppe, die gemeinsam mit der Schweizer Marketing-Gruppe ISL die Übertragungsrechte für die beiden nächsten Weltmeisterschaften von der Fifa für 3,4 Milliarden Mark erworben hatte, stößt nicht nur in Deutschland auf Schwierigkeiten bei der Refinanzierung. Rund 15 Monate vor WM-Beginn können die Münchner Rechtehändler in den europäischen Fußball-Kernländern nur einen Vertrag mit Spanien vorweisen.
Zwar lässt die Pressestelle der KirchGruppe stolz verlauten, es seien bereits Abschlüsse mit Polen, Litauen, Bulgarien, Irland, Malta, Rumänien und der Slowakei getätigt worden. Doch neben Deutschland ist auch in den anderen klassischen und zahlungskräftigen Fußballnationen England, Frankreich und Italien Zurückhaltung Trumpf.
In Frankreich verlangten die Kirch-Unterhändler von den Sendern Canal Plus (Pay-TV) und TF1 (Free-TV) insgesamt 420 Millionen Mark. Die Anstalten sind jedoch nicht bereit, mehr als 100 bis 120 Millionen Mark für die Senderechte zu bezahlen.
Hängepartien in Italien und England
Während das französische Fernsehen bei den Planungen immerhin schon sicher sein kann, dass die heimische Mannschaft beim WM-Turnier vertreten ist - Frankreich ist amtierender Weltmeister - scheinen die Sender in England und Italien auf Zeit zu spielen und abwarten zu wollen, ob sich ihre Nationalmannschaften überhaupt qualifizieren.
Vor allem die Teilnahme des Fußball-Mutterlandes England ist höchst unsicher. Erst im November dieses Jahres wird feststehen, ob der deutsche Qualifikationsgruppengegner in Japan und Südkorea dabei sein wird. Auf der Insel verhandeln der öffentlich-rechtliche Sender BBC und der Privatkanal ITV gemeinsam mit Kirch. Auf eine halbe Milliarde Mark beläuft sich das Einstiegsangebot der KirchGruppe. Noch ist man sich nicht einig.
Gleiches gilt für Italien, wo der öffentlich-rechtliche Sender RAI und Silvio Berlusconis Mediaset-Gruppe, zu der auch der Pay-TV-Sender Telepiu gehört, die Verhandlungspartner der KirchGruppe sind.
Nur in Spanien wurde bereits Einigung erzielt
Nur in Spanien hat Kirch bereits den Vertrag im Kasten. Der Pay-TV-Sender Via Digital, der vom Kommunikationsriesen Telefónica kontrolliert wird, hat sich für rund 350 Millionen Mark das gesamte WM-Paket von 64 Spielen gesichert. Via Digital ist jedoch vertraglich dazu verpflichtet, die Rechte an den Übertragungen der Eröffnungsbegegnung, des Finales und der Partien der spanischen Mannschaft an einen frei empfangbaren Sender weiterzuverkaufen.