Kandidatur als Fifa-Chef Blatter will es noch einmal wissen
Kandidatur als Fifa-Chef: Blatter will es noch einmal wissen
Foto: FABRICE COFFRINI/ AFPSão Paulo - "Ich bin bereit", rief Sepp Blatter in seiner Schlussansprache beim Fifa-Kongress in São Paulo ins Publikum. "Meine Mission ist noch nicht vorbei." Damit kündigte Blatteram Mittwoch wie erwartet seine erneute Kandidatur als Fifa-Präsident im kommenden Jahr an. "Zusammen werden wir die neue Fifa aufbauen", sagte der 78-Jährige den Delegierten und erntete Applaus aus dem Auditorium.
Blatter führt den skandalumwitterten Weltverband seit 1998. Wird er beim Kongress am 29. Mai 2015 als Fifa-Chef bestätigt, würde er seine fünfte Amtszeit antreten.
Die Fifa steht damit vor konfliktreichen Zeiten, denn die Vertreter aus Europa hatten den Schweizer am Vortag zum Abschied aufgefordert. Uefa-Präsident Michel Platini will im September erklären, ob er kandidieren wird.
Aus den anderen fünf Konföderationen erhielt Blatter Unterstützung für seine Pläne. Die Stimmen dieser Verbände würden ihm für einen Wahlsieg reichen.
Bei dem Kongress kurz vor der WM kassierten die 209 Delegierten die letzte Stufe der viel diskutierten Demokratiereform. Auch künftig wird es für die Funktionäre damit weder ein Alterslimit noch eine Beschränkung der Amtszeiten im höchsten Fußballgremium geben.
Es ist auch eine Niederlage für das deutsche Fifa-Exekutivmitglied Theo Zwanziger. Der Ex-DFB-Präsident gilt als Vordenker der Reform und hatte kurz vor der Abstimmung noch vor den Delegierten für eine Amtszeitbeschränkung geworben.
Auftritt von Ermittler Garcia
Der Wille zur Veränderung oder externen Kontrolle bleiben in der Fifa damit begrenzt. Kurz vor Abstimmung hatten sich die Funktionäre eine Rede von Chefermittler Michael Garcia anhören müssen. Der Amerikaner hatte Neuigkeiten parat. Bei seiner Untersuchung der Korruptionsvorwürfe um die Vergaben der Fußball-Weltmeisterschaften 2018 und 2022 hat er auch Zugriff auf die Dokumente der "Sunday Times".
"Die große Mehrheit dieses Materials stand uns zur Verfügung. Es wurde und wird untersucht. Wir haben die Quelle kontaktiert und sind zuversichtlich, vollständigen Zugang zum kompletten Datenset zu bekommen", sagte der Amerikaner.
Die britische Zeitung hatte zuletzt mit Enthüllungen über angebliche Bestechung von Fifa-Funktionären durch den Katarer Mohammed Bin Hammam für Aufsehen gesorgt. Aussagen über konkrete Ermittlungsergebnisse oder Verdachtsmomente gegen Fifa-Funktionäre machte Garcia nicht.
Blatter fabuliert über interplanetarisches Spiel
Mit einer energischen Ansprache hatte Blatter die Delegierten zuvor begrüßt. Seine Zukunftspläne hatte er da noch nicht erwähnt. Er verlegte die Botschaft offenbar an das Ende, damit kein Delegierter das Wort gegen ihn ergreifen konnte.
Den Konflikt mit den europäischen Vertretern, die seinen Abschied fordern, erwähnte er nur indirekt. "Fußball ist ein Multimillionen-Dollar-Geschäft. Er kreiert Möglichkeiten, aber auch Konfliktsituationen und Schwierigkeiten", sagte Blatter.
Anschließend überraschte und verwirrte er noch seltsamen Aussagen, mit denen er offenbar die Bedeutung des Fußballs herausheben wollte. "Wir fragen uns, ob unser Spiel auch auf anderen Planeten gespielt wird. Wir werden nicht nur eine WM haben, sondern interplanetarische Wettbewerbe."