Fifa-Kongress Die Ära nach Bosman wird eingeleitet
Buenos Aires - Während Fifa-Präsident Joseph Blatter am Donnerstag zu Beginn des Fifa-Kongress in Argentinien eine unangenehme Befragung durch die Funktionäre in Sachen ISL-Pleite bevorsteht, soll in Buenos Aires auch die Verabschiedung des neuen Transfersystems in die Wege geleitet werden. Zwar hat die internationale Spielergewerkschaft (Fifpro) eine Klage in Brüssel eingereicht, aber die von der Europäischen Kommission und der Fifa vereinbarte Reform gilt als so gut wie umgesetzt.
"Die Reform ist ausgearbeitet und wird verabschiedet", gibt sich Blatter diesbezüglich optimistisch. Unterstützung erhält der mächtigste Mann im Fußball auch von der Vereinigung der Vertragsfußballer (VdV), die von der Klage ihrer internationalen Kollegen überhaupt nichts hält. "Wir halten diesen Schritt für schädlich, weil er die politischen Möglichkeiten zukünftig schwächt, kritisiert VdV-Geschäftsführer Ernst Thoman den Schritt der Fifpro.
Klage der internationalen Gewerkschaft
Ob die von 20 Spielern - darunter auch der kroatische Nationalspieler Robert Prosinecki und der Franzose Christophe Delmotte - unterstützte Klage vor Gericht überhaupt das Reformwerk kippen kann, ist unwahrscheinlich. Denn sowohl Fifpro als auch Fifa haben angekündigt, bis in die letzte Instanz gehen zu wollen. "Das wird mindestens fünf Jahre dauern. In dieser Zeit wird sich das neue System als tragfähig erweisen", so Thoman, dessen Verband aktiv am Gelingen der Reform mitgewirkt hat.
Kernpunkt des am 5. März erzielten Kompromisses zwischen Fifa und EU ist, dass Spieler bis zum Alter von 28 Jahren ihre Verträge mindestens drei Jahre einhalten müssen; bei einem Alter über 28 Jahren gelten zwei Jahre. Geldbußen oder Sperren sind bei Kündigungen möglich. Vereinbart wurde zudem, dass bei Wechseln von Spielern unter 23 Jahren Transferentschädigungen für den auszubildenden Verein fällig werden.
"Endlich Fakten"
Für die Fifpro, die das einseitige Kündigungsrecht der Spieler zu jeder Zeit durchsetzen will, steht die Neuregelung laut Klageschrift im Widerspruch zu den "Menschenrechten" und den "grundlegenden Rechten der Arbeiter". Sie stellten "übermäßig und ungerechtfertigt die Arbeitgeberkreise des Fußballs zufrieden, die bestrebt sind, einen sehr lukrativen Handel mit Fußballspielern fortsetzen zu können", heißt es in dem Antrag.
"Wir sind froh, wenn die Fifa endlich Fakten schafft. Dann können weltweit endlich alle Spieler vom Bosman-Urteil profitieren und sind nach Ende eines Vertrages frei", sagte Thoman. Der VdV will sich ungeachtet des Rechtsstreites zwischen Fifpro, Fifa und EU nun schnell mit dem DFB an einen Tisch setzen, um die Einzelheiten der Reform auszuarbeiten.