Finanzgeschäfte im Fußball Transfer als Risiko-Business
Köln-Star Podolski: Unternehmer besitzt Transferrechte
Foto: Thorsten Wagner/ Bongarts/Getty ImagesSechs Monate sind vergangen, seit das Hanseatische Fußball-Kontor den Transferrechte-Fonds FTR 1 ins Leben gerufen hat. Private und institutionelle Anleger sollen dadurch mit einer Mindestzeichnungssumme von 10.000 Euro an zukünftigen Transfererlösen von Fußballtalenten teilhaben können. Die Pläne sind ambitioniert: Bis spätestens Ende 2011 will das Emissionshaus so ein Kommanditkapital von zehn Millionen Euro anhäufen.
Bislang ist das Projekt noch nicht richtig ins Rollen gekommen, laut Hanseatischem Fußball-Kontor liegt die Anlagesumme bislang im sechsstelligen Bereich. Ursprünglich sollten beim Erreichen der Schwelle von drei Millionen Euro die ersten Beteiligungen geschlossen werden. Aufgrund der verhaltenen Resonanz ist die Summe für den tatsächlichen Startschuss mittlerweile auf 1,5 Millionen Euro nach unten korrigiert worden.
Die Gründe für die Zurückhaltung der Investoren sind vielschichtig: Geschlossene Fonds gelten im Finanzwesen derzeit als eine der schlechtesten Geldanlagen. In erster Linie verdienen vor allen Dingen die Fondsanbieter an den Provisionen, so die Kritiker. Ein weiteres elementares Problem ist die fehlende Kontrolle über die Transfers von Seiten der Investoren.
Kein Einfluss von dritter Seite möglich
Aufgrund der rechtlichen Grundlagen ist es Dritten untersagt, auf die Transferentscheidungen von Clubs einzuwirken. Dieser Passus ist beispielsweise Klaus-Michael Kühne beim Hamburger SV zum Verhängnis geworden. Im Sommer 2010 hatten der Fußballbundesligist und der Logistik-Milliardär das medial viel beachtete Modell "Anstoß3" gestartet. Kühne beteiligte sich mit einer Summe von 15 Millionen Euro an Spielerverpflichtungen des Clubs. Die von Vereinsmitgliedern befürchtete Einmischung in die Transferpolitik wurde innerhalb kürzester Zeit Realität, das Projekt im August 2010 gestoppt.
Ungeachtet des Beispiels aus Hamburg suchen auch andere Clubs aufgrund der steigenden Kosten für Spielertransfers nach alternativen Formen der Finanzierung. Die Kölner etwa profitierten bei den Transfers von Lukas Podolski, Pedro Geromel oder Slawomir Peszko von der finanziellen Unterstützung des Unternehmers Franz-Josef Wernze. Der Inhaber der Steuerberatungsgesellschaft ETL Group hält Teile der Transferrechte. Sieger bei diesen Modellen sind einzig und allein die Clubs.
Vereine können sich Vorverkaufsrecht von Spielern sichern
Einen stark renditegeprägten Ansatz verfolgen dagegen Agenturen wie Traffic Sports Marketing. Auch die brasilianische Agentur erwirbt auf dem heimischen Markt zunächst Beteiligungen an den Erlösen von Transferrechten. Zwei Investmentfonds im Wert von 55 Millionen US-Dollar hat die Agentur dafür aufgelegt, rund 90 Akteure befinden sich derzeit im Portfolio.
Doch der Markt in Südamerika ist laut Jochen Lösch bereits heiß gelaufen, und die Akquise wird immer teurer. Daher, so der President of International Business bei Traffic, setze die Agentur verstärkt auf ihre eigene Akademie. Beim 2005 von Traffic gegründeten Club Desportivo Brasil werden rund 120 Spieler im Alter zwischen 15 und 20 Jahren ausgebildet. "Das erfordert einen langen Atem und tiefe Taschen", sagt Lösch und spricht von weiteren Millioneninvestitionen.
Auch die europäischen Märkte stehen im Fokus. Traffic hält 75 Prozent der Anteile des portugiesischen Zweitligisten GD Estoril-Praia. Durch die Kontrolle über den Club können zahlreiche Spieler aus der Akademie nach Portugal transferiert werden, um sich in einem "europäischen Schaufenster" zu präsentieren. Manchester United hat von den "Talentzüchtern" aus São Paulo bereits Wind bekommen und ist seit Ende 2008 offizieller Kooperationspartner von Traffic. Dadurch hat sich der Club aus der Barclays Premier League ein Vorkaufsrecht auf die Spieler der Agentur gesichert.
Für FTR 1 liegen derlei Kooperationen in weiter Ferne. Zunächst sind Erlösbeteiligungen bei Clubs aus der 2. Bundesliga, der 3. Liga sowie bei Erstligisten aus Österreich, der Schweiz oder Skandinavien geplant. Bei allem Optimismus, der trotz der aktuellen Probleme herrscht, deutet die Sachlage derzeit aber auf eine Wiederholung eines Beispiels von 2001 hin. Vor zehn Jahren hatte die damalige Sport-Concept GmbH mit dem "1. Fußballfonds" schon einmal versucht, sich mittels eines geschlossenen Fonds an Transferrechten zu beteiligen. Vier Jahre später wurde die Rückabwicklung beschlossen - zu wenig Kapital war vorhanden.