Finanzkrise: "DFB deckt Missmanagement" - DER SPIEGEL
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Finanzkrise "DFB deckt Missmanagement"

Mehrere Fußball-Traditionsclubs stehen vor der Pleite. Rechtehändler Michael Kölmel gibt den Vereinen die Schuld. Alarmstimmung und Ratlosigkeit herrschen in der DFB-Zentrale vor der Lizenzerteilung am Mittwoch.
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Hamburg - "Der Rückzug der Sportwelt aus der Verantwortung ist eine mittlere Katastrophe", sagte DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder und stellte zugleich klar, dass eine Verlängerung der am Dienstagabend (24 Uhr) ablaufenden Frist zur Abgabe der Lizenzunterlagen nicht in Frage kommt: "Der DFB kann im Lizenzierungsverfahren nur die Fakten beurteilen. Er darf deswegen keine Fristverlängerung geben, weil dann andere Vereine vor einem ordentlichen Gericht klagen könnten und Recht bekämen", so der DFB-Boss.

"Gerüchte sind falsch"
Schon vor der Lizenzerteilung am Mittwoch schaltete der DFB vorsorglich seinen Chefjustitiar Goetz Eilers ein. "Wenn wir Lizenzen nicht erteilen sollten, sehe ich Prozesse auf uns zukommen. Das ist ein schwieriges Unterfangen. Deshalb habe ich unseren Chefjustitiar beauftragt, die Rechtsposition des DFB zu überprüfen", so DFB-Vizepräsident Engelbert Nelle. Der Rechtevermarkter "Sportwelt" erklärte am Montag per Pressemitteilung, dass er auch in der kommenden Saison mit den betreffenden Clubs zusammenarbeiten werde. "Gerüchte, nach welchen sich die Sportwelt von einigen Clubs trennen und die Sportwelt bestehende vertragliche Vereinbarungen nicht einhalten werde, sind falsch", schrieb das Unternehmen.

Traditionsvereine zittern


Die Tochterfirma der "Kinowelt" kündigte allerdings an, dass das finanzielle Engagement bei den Partnerclubs Fortuna Düsseldorf, Rot-Weiß Essen, Sachsen Leipzig und 1. FC Magdeburg "nicht mehr so stark" sein werde wie in der Vergangenheit. Grund dafür seien ausschließlich mangelnde sportliche sowie wirtschaftliche Perspektiven dieser Vereine. Die Perspektiven von Eintracht Braunschweig würden zur Zeit geprüft.

Alle diese Clubs müssen fürchten, am Mittwoch vom DFB keine Lizenz für die kommende Spielzeit erteilt zu bekommen, weil Bankbürgschaften in Millionenhöhe hinterlegt werden müssen. Ob die "Sportwelt" diese Bürgschaften übernehmen wird, teilte das Unternehmen indes nicht mit.

Kölmels Aktien tief gefallen


Die Firma des Rechtevermarkters Michael Kölmel, deren Aktie am Neuen Markt von über 60 Euro auf unter fünf Euro gefallen ist, ist außerdem unter anderem an Bundesligist Borussia Mönchengladbach und den Zweitligisten Waldhof Mannheim, Karlsruher SC und Union Berlin beteiligt. "Diese Vereine stehen vor einer großen Zukunft in der 1. und 2. Bundesliga. Wir freuen uns, dass diese bundesweit bekannten und renommierten Marken auf dem Weg zurück zur Spitze sind", schreibt die "Sportwelt", ohne allerdings auf die künftige Zusammenarbeit mit den Clubs einzugehen.

"Ich habe die Clubs immer davor gewarnt, sich an ein einziges Unternehmen zu binden. Trotzdem: Was Kölmel macht, ist Vertrauensbruch", kritisierte Nelle. Kölmel setzt sich heftig gegen solche Vorwürfe zur Wehr. "Diese Vereine fahren den Karren vor die Wand und hoffen, dass wieder die Sportwelt auftaucht und sie aus dem brennenden Wrack rettet. Das Schlimme ist, mit dieser Bürgschaftssache deckt der DFB das Missmanagement auch noch", sagte Kölmel der "Berliner Zeitung", "alle diese Vereine haben von mir Geld bekommen, das sie bis 2003 einsetzen sollten. Das ganze Geld ist jetzt schon weg." Gerüchte, seine Firma sei zahlungsunfähig, bezeichnete Kölmel "als Verleumdung".