Football@home: Taucheinlagen, nein danke! - DER SPIEGEL
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Football@home Taucheinlagen, nein danke!

Die deutsch-schottischen Wochen auf dem Fußballfeld finden beim Champions-League-Auftakt ihre Fortsetzung. Celtic gastiert bei den Bayern, Stuttgart reist zu den Glasgow Rangers. Nach der Niederlage im EM-Qualifikationsspiel fordert die schottische Presse die deutschen Fußballer zu mehr Aufrichtigkeit auf dem Platz auf.
Von Adrian Schimpf
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

"Ah, auch ein Schotte?", fragte mich eine bebrillte, schlaksige Gestalt, als ich meinen Kaffee, meinen Blueberry-Muffin und mein Luxury Almond Croissant auf den kleinen Bistrotisch stellte. Es war erst neun Uhr morgens, aber die Starbucks-Filiale war bereits knüppeldicke voll und der Sessel am Tisch des Brillenträgers die letzte gepolsterte Sitzgelegenheit.

Ich machte ein dummes Gesicht und fragte ihn, warum er mich ausgerechnet für ein Schotten hielt. Während ich mich setzte, deutete der Schlaks auf meine Zeitung, den "Daily Record", die schottische Version der britischen Schlag-drauf-und-Schluss-Journaille a la "Sun" und "Mirror".

"Oh no, I am German", antworte ich und fügte mit einem sardonischen Lächeln hinzu, dass mich die schottische Bewertung des Länderspiels von McBertis Bravehearts und Rudis Riesen interessieren würde. Deshalb die schottische Zeitung. Der Nordbrite grinste zurück, sagte, er habe das Länderspiel gar nicht gesehen und fragte übergangslos, ob ich ein Fan von Bayern München, dem ersten Champions League-Gegner von Celtic Glasgow sei. Wieder verneinte ich und erwiderte wahrheitsgemäß, mein Herz schlage für Hertha Berlin.

Unschuldiges Sieben-Euro-Frühstück


Der bebrillte Schotte kam aus dem Grinsen, das ihm jetzt von Ohr zu Ohr ging, gar nicht mehr heraus: "Oh, ja, Hertha Berlin, kenne ich." sagte er. "Da habe ich 1997 in der zweiten Bundesliga Tischtennis gespielt." Ich machte große Augen. "Wie war das noch?", überlegte er. "Ach ja: 'HA-HO-HE, Hertha BSC!" Mir klappte der Mund auf. Da sitzt man unschuldig über seinem Sieben-Euro-Frühstück in der südostenglischen Provinz und plötzlich materialisiert sich aus dem Nichts ein Highlander, der den Herthaner-Schlachtruf mit schwer schottischem Akzent schmettert. Ich wäre nicht weiter erstaunt gewesen, wenn Ford Prefect und Arthur Dent als nächstes durch die Tür gekommen wären.

Die "Per Anhalter durch die Galaxis"-Reisenden Prefect und Dent kamen nicht, stattdessen klingelte des Berlino-Schotten Handy. Am anderen Ende der Leitung wurde ihm sofortiger Marschbefehl erteilt, und so kam ich nicht weiter dazu, mit einem Eingeborenen über schottischen Fußball im Allgemeinen und den in Glasgow im Besonderen zu palavern. Mit Engländern, vor allem im snobistischen Surrey, ist das ein wenig Erfolg versprechendes Unterfangen. Als ich mich am Donnerstag nach dem Länderspiel, vor Stolz platzend, vor meinem englischen Kollegen mit unserem (ja, unserem!) Triumph brüstete, sagte Richard in spöttischem Tonfall nur: "Soso, gegen Schottland. Und warum sollte mich das als Engländer auch nur irgendwie interessieren?"

Kein Arrangement mit Magath


Tja, warum nur? Zum Beispiel vielleicht schon allein deshalb, weil bei Auswärtsspielen schottischer Mannschaften - anders als bei manchen Auftritten von englischen Teams auf fremder Erde - nicht gleich der Nato-Verteidigungsfall ausgerufen werden muss. Das wird am Mittwoch vor allem den Polizeichef von München freuen, treffen die Bayern doch im ersten Gruppenspiel der Champions League auf Celtic Glasgow.

So friedlich die Fans auch sein mögen, auf dem Platz geht es zur Sache. Im letzten Jahr schoss die Mannschaft mit den grün-weißen Trikots die englischen Premierclubs FC Liverpool und Blackburn Rovers und die Mannschaft des VfB Stuttgart aus dem Uefa-Cup-Wettbewerb. Beim Celtic-Sieg über den VfB Stuttgart half sogar der Trainer des Erzfeindes, der Glasgow Rangers, mit. Felix Magath, Coach der Schwabenkicker, hatte nämlich vor dem Match gegen Celtic seinen alten Bekannten, den Rangers-Fußballlehrer Alex "Big Eck" McLeish, angerufen und Infos über die städtische Konkurrenz erbeten.

Während Rangers- und Celtic-Anhänger normalerweise einander nicht das Schwarze unter den Nägeln gönnen, ließ McLeish die Chance verstreichen, dem Lokalrivalen eins auszuwischen, und hielt eisern den Mund. Sagt er jedenfalls: "Magath wollte mich aushorchen über die Spielweise von Celtic. Aber ich habe nichts gesagt. Ich habe es einfach nicht über mich gebracht, ein Team aus der schottischen Liga an einen deutschen Gegner zu verraten." Ach du liebe Zeit, mir tränt das Herz! Pompöser hätte es Mel Gibson in seiner Filmrolle als schottischer Nationalheld William Wallace in "Braveheart" auch nicht sagen können.

Ärger über deutsche Fallsucht


Aber man sieht sich ja bekanntlich immer zweimal im Leben - und siehe da, bereits am Dienstagabend (20.45 Uhr, Live-Ticker bei SPIEGEL ONLINE) kann Felix Magath höchstpersönlich Vergeltung nehmen für die letztjährige Informationssperre, wenn sein VfB Stuttgart zum CL-Spiel gegen die Rangers im Ibrox-Stadium antritt. Am Mittwoch empfängt Bayern München Celtic Glasgow im Münchner Olympiastadion.

Die Chancen für deutsche Erfolge stehen in beiden Partien nicht schlecht, denn zumindest die schottischen Spieler sind durch das zurückliegende Länderspiel gegen Deutschland schwer verunsichert - auch wenn sich sowohl bei Celtic wie auch den Rangers vorwiegend ausländische Spieler tummeln. Nicht so sehr die Niederlage der Nationalmannschaft im Westfalenstadion schmerzt. Man kann mit 1:2 in Dortmund verlieren und trotzdem erhobenen Hauptes den Platz verlassen. Nein, etwas anderes hat die Kiltträger in Zweifel gestürzt.

Normaler Zweikampf in Motherwell


Angeblich haben sich die germanischen Nationalspieler nämlich ein ums andere Mal fallen lassen und Schwalbe auf Schwalbe produziert, auf die der Schiedsrichter auch immer wieder hereinfiel bis hin zu der jeweils völlig unberechtigten Gelben und Roten Karte gegen Maurice Ross. "Die Gelbe Karte - das war nichts weiter als ein faires Tackling. Die Rote Karte - eine Schwalbe von Tobias Rau!", zürnte der "Daily Record". Und in der Tat war der eine oder andere McBerti-Kicker schwer verwundert darüber, dass das, was in Aberdeen oder Motherwell ein robuster Zweikampf sein würde, auf dem Kontinent offenbar schon kartenwürdiges Unrecht darstellt.

Aber auch hier gilt: Man sieht sich immer zweimal im Leben - denn Tobias Rau spielt neuerdings ja für die Bayern und damit am Mittwoch gegen die Schotten von Celtic Glasgow. Aus Schottensicht eine willkommene Gelegenheit, die Rau'sche Taucheinlagen auf spielerische Weise zu ahnden.

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