Frank Buschmann startet bei Sky eine neue Show - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen
Fotostrecke

Fotostrecke: Hätte, hätte, Sechserkette

Foto: Sky/ Willi Weber

Sky-Show Buschis Sechserkette "Es wird Zeit für den ersten Kalauer"

Mit großen Erwartungen hat der Bezahlsender Sky seine neue Show "Eine Liga für sich - Buschis Sechserkette" mit Moderator Frank Buschmann an den Start geschickt. Herausgekommen ist der übliche Spar-Humor mit Prominenten.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Wenn eine Sendung von Frank Buschmann so richtig verrissen wird, dann ist es gut möglich, dass Frank Buschmann dies "den Hatern" zuschreiben wird. "Den zehn Prozent Motzern bei 90 Prozent Zustimmung", wie er es neulich der "Bild am Sonntag" noch mal anvertraut hat. Mit den Hatern und Neidern liegt der Sportreporter in den sozialen Netzwerken schließlich schon seit Längerem über Kreuz. Nur logisch, dass die auch an seiner neuen Show kein gutes Haar lassen.

Es könnte natürlich auch an der Sendung liegen.

Frank Buschmann, ehemals Sat1, ehemals Pro7, ehemals Sport1, ist jetzt so etwas wie das neue Zugpferd des Bezahlsenders. Manche nennen ihn Kultreporter, er nennt sich Buschi. Aber bei Sky soll er mehr sein. Er soll nicht nur Fußballspiele beschreien, er soll auch Showmaster werden. Wer in letzter Zeit bei Sky irgendein Sportereignis geguckt hat, kam an der Werbung für "Eine Liga für sich - Buschis Sechserkette" nicht vorbei. Demnach musste es so sein, dass mindestens das Fernsehen an diesem Montagabend neu erfunden werden sollte. Buschmann selbst hatte die Messlatte in einem seiner Promo-Interviews im Vorfeld entsprechend hochgelegt: "So etwas hat es noch nicht gegeben."

"Die erste Sport-Comedy im deutschen Fernsehen"

Das sieht dann so aus. Buschmann kommt rein, bekundet "dies ist die erste Sport-Comedy im deutschen Fernsehen", begrüßt die Gäste und sagt nach zwei Minuten an: "Es wird Zeit für den ersten Kalauer." Im weiteren Verlauf musste er das dann immerhin nicht mehr ansagen. Die Zuschauer konnten sich folgende Bauernregel merken: Immer wenn gelacht wurde, war vorher offenbar ein Witz erfolgt.

Als seine Gäste hatte sich Buschmann von Peter Neururer (Kult-Trainer) über Matze Knop (Kult-Comedian) und Stefan Effenberg (Kult-Effe) bis Jessica Kastrop (vom Kult-Sender Sky) die Erwartbaren zusammengecastet. Alles aus dem Sportbereich, was Zeit hat, weil Markus Lanz gerade nicht sendet.

Dann werden mit ihnen kleine Spielchen gespielt, es geht um Autogrammkarten, deren Auktionswert geschätzt werden muss, man muss die Länge vom Torjubel von Fußballern schätzen, und tippen, mit welchem Fußballstar der deutsche männliche Fußballfan am liebsten ein Doppelzimmer teilen würde. Überraschung: Es ist Thomas Müller. Punkte für beide Teams. Und noch der Klassiker aus jedem Fußball-Kneipenquiz: Tattoos erraten.

Auch nicht schlimmer als Plasberg

Das ist alles nicht viel schlimmer als die launigen Quizsendungen, die die ARD in ihr Vorabendprogramm als Werbeumfeld schiebt, oder wenn Frank Plasberg und Johannes B. Kerner bei ihren Quiz-Ringelpiezen mit Prominenten Gebührengelder zum Fenster hinauswerfen. Und Buschmann ist auch nicht so viel übler als Bernd Stelter, Guido Cantz, Alexander Bommes oder René Kindermann und wie die übrigen Stimmungskanonen heißen, die im Fernsehen seit Jahren ihr Pulver verschießen. Er sagt ganz oft den schönen alten Fernsehsatz: "Wir haben da mal was vorbereitet", und dann wird wieder ein Jugendbild von Peter Neururer eingeblendet.

Nur lustig ist das alles nicht. Der Vergleich mit der Kneipe ist vielleicht gar nicht so schlecht. Man kennt das selbst, wenn man nach dem vierten Getränk über Witze lacht, die eigentlich keine sind. Irgendwann in so einer Stimmung würde man sogar die Löw-Parodie von Matze Knop für gut halten.

In dieser Art wird hier 45 Minuten lang ein bisschen gestichelt, ein bisschen gefrotzelt und ganz viel gegiggelt und geprustet wie Teenies auf dem Schulhof, so wie das eben ist, wenn man mit seinen Kumpels zusammensitzt. Am nächsten Morgen wäre einem das meiste von dem, was man da so erzählt hat, ein bisschen peinlich. Aber es bleibt ja unter Freunden.

Nur warum Buschmann seine Clique nicht einfach zum Griechen um die Ecke einlädt, Giros und Ouzo auf den Tisch, sondern ins Studio geht und daraus eine Fernsehsendung macht, wird nicht ganz klar. Und warum Sky sich verspricht, dass solch eine banale Show zusätzliche Abonnenten anziehen soll, erst recht nicht.

Nach 20 Minuten ist die Show tatsächlich erst zur Hälfte vorbei. Am Ende müssen Kult-Handballer Stefan Kretzschmar und Kult-Effe versuchen, sich auf einem drehenden Surfbrett zu halten. Das ist dann das krönende Finale. Buschmann jubelt: "Das hier ist kein Kindergeburtstag. Das hier ist eine Liga für sich."

Ohne es im Detail zu wissen, hat man eine sehr genaue Ahnung, wie das zehn Folgen weitergehen wird. Irgendwann wird Mario Basler da sitzen, dann Lothar Matthäus, Reiner Calmund wird auftauchen und Witzchen über Speisekarten und volle Nudelteller machen. Buschmann hat nach den Aufzeichnungen der Sendung im Interview mit der "Berliner Morgenpost" nur eines verraten: "Wir haben uns beömmelt vor Lachen." Und wahrscheinlich ist "Beömmeln" genau das angemessene Wort für diese Sendung.

Eine Liga für sich - Buschis Sechserkette, jeweils montags 20.15 Uhr Sky 1

Mehr lesen über

Verwandte Artikel