Frankfurt: Magath-Nachfolger gesucht - DER SPIEGEL
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Frankfurt Magath-Nachfolger gesucht

Winfried Schäfer könnte Frankfurts Trainer Felix Magath beerben, der 41 Stunden nach der 1:5-Pleite gegen den 1. FC Köln vor die Tür gesetzt wurde.
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Frankfurt am Main - "Er wollte von uns hören, dass wir langfristig mit ihm arbeiten und er das alleinige Sagen hat", begründete der Vorstandsvorsitzende der Eintracht Fußball AG, Steven Jedlicki, den Schritt: "Wir haben bei unserem Gespräch am Sonntagmorgen den Enthusiasmus und die Ideen bei ihm vermisst, wie wir aus der Krise herauskommen."

Auch Reinhard Gödel, Vorsitzender des Aufsichtsrats, der laut einer Pressemitteilung "bei einer außerordentlichen Sitzung einstimmig und mit sofortiger Wirkung die Freistellung von Magath beschlossen" hatte, kritisierte den Entlassenen: "Wir haben seine Persönlichkeit und überzogene Haltung gespürt. Er wollte der Einzige sein, der mit den Spielern sprechen durfte."

Insider des Main-Clubs behaupten gar, der frühere HSV-Profi habe seinen Rauswurf provoziert. Eine stattliche Abfindung steht dem 47-Jährigen auf jeden Fall zu, besaß Magath doch einen Vertrag bis 30. Juni 2003. "Ich habe Wehmut, weil ich doch einiges bewegt habe, und Angst um die Zukunft der Eintracht", sagte Magath in einem Interview mit dem Radiosender FFH, "als ich kam, war hier alles tot, der Verein Konkurs." Die Eintracht hätte allerdings nur Lippenbekenntnisse abgegeben. Magath: "Viel verändert hat sich seit meinem Einstieg nicht."

Winfried Schäfer möglicher Nachfolger

Der derzeitige Sportdirektor Rolf Dohmen fungiert als Interimscoach. Er wird die Mannschaft, die in der Bundesliga zuletzt sechsmal in Folge verlor und mit 20 Punkten auf einem Abstiegsplatz rangiert, auch im nächsten Spiel bei Hansa Rostock betreuen. Als möglicher neuer Chefcoach wird bei den Hessen allerdings der ehemalige Karlsruher und Stuttgarter Trainer Winfried Schäfer gehandelt.

Der 51-Jährige, zuletzt bei Zweitligazwangsabsteiger Tennis Borussia Berlin unter Vertrag, weilte am Sonnabend im Waldstadion und war Augenzeuge der Abreibung für die Eintracht. "Noch ist mit keinem Trainer gesprochen worden", sagte Dohmen. Bis zum Wochenende werde laut Eintracht-Boss Jedlicki jedoch kein neuer Coach präsentiert. Mit Co-Trainer Manfred Kaltz, Magaths früherem Mannschaftskollegen beim HSV, soll in den nächsten Tagen über eine künftige Zusammenarbeit gesprochen werden.

"Quatsch, dass wir gegen den Trainer gespielt haben"

Die Mannschaft reagierte überrascht und selbstkritisch auf die 252. Trainerentlassung der Bundesligageschichte und die vierte in dieser Saison. "Wir Spieler haben unseren Teil dazu beigetragen. Aber es ist völliger Quatsch, dass wir gegen den Trainer gespielt haben", sagte Kapitän Torsten Kracht.

Mittelfeldmann Horst Heldt meinte: "Eine mutige Entscheidung des Vorstandes. Ob sie richtig oder falsch, vermag ich nicht zu beurteilen." Torwart Dirk Heinen erklärte: "Ich weiß nicht, ob die Entscheidung so gut war. Felix Magath hat mich vor einem Jahr wieder zum Leben erweckt. Wir müssen uns an die eigene Nase packen."

Die Entscheidung wurde noch vor der Mitgliederversammlung der Eintracht am Montagabend im Marriott-Hotel getroffen und traf einen ziemlich überraschten Coach. Der ehemalige HSV-Profi war überzeugt, die Unterstützung des Aufsichtsratsvorsitzenden Steven Jedlicki zu besitzen. "Er ist mein unmittelbarer Vorgesetzter, und ich bin sicher, dass ich sein Vertrauen habe. Aber ich kann natürlich nicht jeden im Umfeld frage, ob er mir weiter vertraut."

Treueschwüre zählten nicht

Jedlicki hatte Magath vor dessen Rauswurf mehrfach demonstrativ den Rücken gestärkt und auf eine langfristige Zusammenarbeit mit dem zweimaligen Vize-Weltmeister gebaut. "Wir wollen nicht den 22. Trainer in 21 Jahren rauswerfen, sondern in Ruhe etwas aufbauen. Und das kann man nur tun, wenn man die Kernmannschaft zusammenlässt." Kurz: "Fest steht, dass wir auch in Zukunft mit Felix Magath planen."

Noch in der Winterpause war die Mannschaft nach Magaths Wünschen für rund 8,5 Millionen Mark verstärkt worden. Für 1,5 Millionen Mark kam der tschechische Nationalspieler Karel Rada. Der Norweger Tommy Berntsen kostete das Doppelte. Als dritter neuer Spieler war Ersatzkeeper Andreas Menger an den Main gekommen.

Magath unterschätzte die Brisanz der Situation

Magath hatte die Situation in der Winterpause offenbar anscheinend unterschätzt. "Wir haben 20 Punkte, das ist die Hälfte der Strecke. In diesem Jahr spielen wir noch neunmal zu Hause. Wenn wir da so agieren wie in der Hinserie, dann wird es reichen", hatte der 47-Jährige erklärt, der seit dem 19. Dezember 1999 bei den Hessen gearbeitet und die scheinbar hoffnungslose Eintracht vergangene Saison doch noch vor dem Abstieg gerettete hatte.

Allerdings war Magaths Führungsstil in Frankfurt heftig umstritten. Wiederholt hatte es Unmut aus dem Mannschaftskreis gegeben, weil "Quälix" angeblich zu viel von den Profis verlangt habe. Magaths Replik, die man so auch schon aus seiner Cheftrainerzeit in Hamburg, Bremen und Nürnberg kannte: "Da lache ich mich tot. Die Spieler sollen sich mal in anderen Sportarten umschauen wie im Boxen oder Schwimmen. Sie begreifen es einfach nicht, dass es gut für sie ist."

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