Frankreich: Santini neuer Nationaltrainer - DER SPIEGEL
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Frankreich Santini neuer Nationaltrainer

Der bisherige Sportdirektor von Meister Olympique Lyon, Jacques Santini, soll die französischen Fußballer nach dem WM-Desaster in Asien wieder zu alter Größe führen. Nach wochenlangen Spekulationen ist er als Nachfolger des ausgeschiedenen Roger Lemerre bestimmt worden.
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Paris - Jacques Santini, 50, der Meister-Trainer von Olympique Lyon ist am Freitag vom Französischen Fußballverband FFF zum neuen Nationalcoach des in Südkorea blamabel gestürzten Weltmeisters von 1998 berufen worden. Der erklärte Favorit von Frankreichs Fußballidol Michel Platini soll den amtierenden Europameister als Nachfolger des Anfang Juli gefeuerten Roger Lemerre zunächst erfolgreich durch die Qualifikation zur Euro 2004 in Portugal führen. "Das hat oberste Priorität", erklärte Santini nach seiner Ernennung. Ob der Vertrag des früheren Mittelfeldspielers von AS St. Etienne und SC Montpellier darüber hinaus bis zur WM 2006 in Deutschland läuft, handeln der neue Trainer von Superstar Zinedine Zidane und Co. sowie FFF-Boss Claude Simonet in der kommenden Woche ebenso noch aus wie das Gehalt.

"Ich habe mich für Santini entschieden, weil er im französischen Fußball großen Respekt genießt, mit Lyon sehr gute Resultate erzielt und in unserem Gespräch vor zwei Tagen einen sehr guten Eindruck gemacht hat", begründete Simonet die Wahl im französischen Fernsehen nach einer Sitzung des FFF-Präsidiums in Paris.

"Habe bewiesen, dass ich mit Profis umgehen kann"


Santini hatte sich nach Lyons erstem Meistertitel im vorigen Mai ursprünglich wegen des zu großen Drucks bis 2005 auf den Posten des Technischen Direktors zurückziehen wollen, galt jedoch spätestens seit dem Gespräch mit Simonet nicht nur wegen Platinis Fürsprache als erster Anwärter auf die Lemerre-Nachfolge. "Ich traue mir zu, die Mannschaft nach dem schweren Rückschlag bei der WM wieder aufzubauen. Dass ich mit Profis umgehen kann, habe ich in den beiden vergangenen Jahren in Lyon bewiesen", hatte der neuen Coach der "Blauen" schon im Auswahlverfahren Selbstbewusstsein demonstriert.

Seine Selbstsicherheit muss Santini, der als Profi mit St. Etienne in den siebziger Jahren viermal die Meisterschaft und zweimal den Pokal gewann und 1976 im Europokalfinale der Landesmeister gegen Bayern München verlor, nun zunächst auf sein neues Team übertragen. Die Franzosen waren bei der WM in Asien als erster Weltmeister seit Brasilien 1966 schon in der Vorrunde ausgeschieden und hatten ohne einen Treffer das schlechteste Ergebnis eines Titelverteidigers in der 72-jährigen WM-Historie erreicht.

Das Debüt als neuer französischer Trainer steht für Santini, dessen Konkurrenten Frankreichs U21-Coach Raymond Domenech, Lemerres Assistent Rene Girard und Japans französischer WM-Trainer Philippe Troussier waren, am 21. August im Testspiel in Tunesien auf dem Programm. In der EM-Ausscheidung bestreitet der Champion von 2000 sein erstes Match am 7. September auf Zypern. Weitere Gegner des Europameisters in der Gruppe 1 sind WM-Teilnehmer Slowenien, Israel und Malta.

Bruch mit der Tradition


"Die Zeit ist sehr kurz, und einige Spieler haben nach der WM Rücktrittsgedanken geäußert. Aber ich werde mit ihnen allen sprechen, denn für eine erfolgreiche EM-Qualifikation ist ihre Erfahrung unersetzbar", erläuterte Santini seine Pläne. Seine Berufung bedeutet für die französische Nationalelf den Bruch mit einer Tradition, denn seit zehn Jahren hatte stets der Assistent seinen bisherigen "Chef" beerbt: 1992 löste Gerard Houllier Platini ab, Aime Jacquet folgte 1993 Houllier, und Lemerre übernahm den Posten 1998 nach Frankreichs WM-Triumph vom zurückgetretenen Jacquet. Zu den beiden letzten Trainern der Franzosen will Santini als erstes Kontakt aufnehmen: "Wir müssen uns an die erfahrenen Männer halten, und Aime und Roger gehören zweifellos dazu."