Weltmeister als Spieler, Weltmeister als Trainer, Lichtgestalt: Dafür steht Franz Beckenbauer.
Peter Ahrens, DER SPIEGEL
»Er gehörte einfach zur Geschichte der Bundesrepublik dazu, eine der prägenden Gestalten dieser Republik. Also man kann es vielleicht ein bisschen hochhängen, wenn man sagt, er hat ähnlich diese Republik geprägt wie Politiker, wie Adenauer oder Brandt. Aber eben auf eine ganz andere und auf seine ganz bestimmte Weise. Er hat Intellektuelle angezogen. Er hat Schriftsteller fasziniert, hat Bildungsbürger angesprochen, die sonst damals vom Fußball gar nicht viel hielten, weil er eben einfach mehr war als Fußballer.«
Beckenbauer gilt als Erfinder des Liberos. Er prägte einen Stil, der damals in den Sechziger und Siebzigerjahren völlig neu war.
Peter Ahrens, DER SPIEGEL
»Es war eben kein Racker-Fußball, es war kein Grätschen-Fußball. Er hat ja auch irgendwann mal gesagt, er gehört sicherlich nicht zu denen, die 50 Meter über den Platz laufen, nur um eine Grätsche zu machen, wo der Ball dann noch ins Aus geht. Das war einfach unter seinem Niveau sozusagen, sondern er, so sah es ja auch oft aus. Er schwebte über den Platz und hatte diesen Ball noch am Fuß. Sondern er als Gestalt eigentlich, als Figur stolzierte sozusagen wie so ein Feldherr, der auf dem Feldherrn-Hügel steht, über diesen Platz, hatte das gesamte Feld vor sich. Und dann war da noch der Ball, den er eben auch noch perfekt beherrschte, sodass er gar nicht auffiel.«
Er wirkte über lange Strecken wie das deutsche Glückskind schlechthin. Man hatte das Gefühl, Beckenbauer würde alles gelingen. Er ist der Mann, der 2006 das ›Sommermärchen› möglich gemacht hat – die WM im eigenen Land. Das Ereignis, das die Nation euphorisierte, war zunächst eine Art Heiligsprechung und später dann seine größte Niederlage. Denn die WM war mutmaßlich gekauft.
Peter Ahrens, DER SPIEGEL
»Und dann kommt dieses Jahr 2015, wo sich alles umkehrt. Sein Sohn stirbt, Stefan sehr früh am Hirntumor. Wo dann diese Vorwürfe, die Enthüllungen vom SPIEGEL kommen. Wo sich dieses gesamte Goldene Haus, dieser Palast, anfängt zu bröckeln. Und so ist das nun mal, dann ist die Fallhöhe auch extrem hoch. «
Franz Beckenbauer vereinsamte danach immer mehr. Er zog sich aus der Öffentlichkeit zurück. Wurde schwer krank. Was bleibt nun von dem Mann, der für alle nur der Kaiser war?
Peter Ahrens, DER SPIEGEL
»Es überwiegt sicherlich seine Leistung, es überwiegt sicherlich die Figur. Aber man muss eben das Gesamtbild Franz Beckenbauers dann auch sehen. Man muss eben auch sehen, dass der Kaiser irgendwann auch so groß war und das Gefühl hatte, alles gelingt ihm. Das ist dann auch so eine Selbstverständlichkeit war, dass er sagte, ich unterschreib das, oder ich nehme das oder so was. Das ist schon so dieses Nonchalante, es wird schon alles in Ordnung sein. Das ist ihm dann auch da das Gefühl abhandengekommen ist, was tut man, was tut man nicht.«
Franz Beckenbauer war nie ein abgehobener Superstar. Er galt als freundlich und zuvorkommend. Auch bei dem Schatten, der über seinem Wirken liegt, wird er in Erinnerung bleiben. Als einer der ganz großen des Fußballs.