Franz Beckenbauer: "Hoffentlich kracht's bald" - DER SPIEGEL
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Franz Beckenbauer "Hoffentlich kracht's bald"

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Kitzbühel - Er traut der Nationalmannschaft zu, im Sommer 2000 erneut Europameister zu werden, und er ist zuversichtlich, dass er die Weltmeisterschaft 2006 nach Deutschland holen kann - doch die "Neujahrsansprache" von `Kaiser" Franz Beckenbauer ist vor allem von seinen düsteren Visionen für die Branche Profi-Fußball geprägt. "Wir sind in einer teuflischen Preisspirale", sagte der Multi-Funktionär in einem Interview der Bild am Sonntag und ergänzte: "Wir müssen ein Spiel mitmachen, das beängstigende Formen annimmt."

Horrende Ablösesummen, Gehälter von zehn Millionen Mark pro Jahr auch bald in der Bundesliga ("davon sind wir nicht mehr weit weg") - Beckenbauer sieht nur eine Chance, dass sich der Markt bald regulieren kann: "Es gibt nur eine Hoffnung: Dass es bald kracht und ein paar Klubs Pleite gehen, damit der Profi-Fußball neu organisiert werden kann." Wobei der "Kaiser" aber betont: "In Deutschland haben wir die wenigsten Probleme. Der DFB prüft bei der Lizenzvergabe die Bilanzen sehr genau." Gewaltige Sorgen bereitet dem Vizepräsidenten des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) die Entwicklung bei der Konkurrenz: "Auf dem übrigen europäischen Markt wird teilweise wesentlich unvernünftiger gewirtschaftet." Als abschreckendes Beispiel dient ihm der spanische Rekordmeister Real Madrid, der alleine fast so viele Schulden (rund 439 Millionen Mark) aufweist wie die gesamte Bundesliga (600). "Wenn irgendwann die Banken die Kredite zurückziehen und niemand mehr die Hand drüber hält, gehen die den Bach runter."

Dass Klubs in Spanien, Italien und neuerdings England auch die Bundesliga-Spieler trotzdem mit Traumgehältern locken können, bringt den Präsidenten des deutschen Branchen-Primus Bayern München beinahe auf die Palme - allerdings treiben ihn dorthin vor allem die Spieler mit ihrem stets öffentlich bekundeten Wechselwillen. "Das sind doch alles Ausreden, von wegen man würde ihnen nicht genügend Beachtung schenken. Es geht keiner ins Ausland, weil es dort so schön ist, sondern nur des Geldes wegen", behauptet er.

Zwei Beispiele für diesen Typus Spieler findet Beckenbauer in seinem eigenen Klub. Markus Babbel (zum FC Liverpool) und neuerdings Jens Jeremies kündigten an, mangels "Beachtung" beim FC Bayerns das Ausland bevorzugen zu wollen. Das Bosman-Urteil und die Folgen, sagt Beckenbauer: "Die Profis sind immer mächtiger geworden." Hinzu komme aber auch, meint der Weltmeister von 1974 und 1990, dass die Spieler von einem "Heer von Beratern" umgeben werden, die auf Vereinswechsel drängen würden, "weil sie damit das meiste Geld verdienen".

Verständnis zeigt Beckenbauer dagegen, wenn die Spieler über den durch die Champions League aufgeblähten Spielkalender jammern. "Es sind zu viele Spiele", sagt der "Kaiser" und stellt fest: "Die Qualität lässt bei den vielen Spielen nach." Deshalb unterstütze er den Plan der Klubs, künftig eine Woche Pause zwischen Partien der Champions League zu bekommen. "Auf Dauer", so Beckenbauer", "rettet uns nur ein weltweit einheitlicher Spielplan, nach dem von März bis Dezember durchgespielt wird." Der komme aber frühestens 2004.

Viel früher fallen zwei weitere Entscheidungen: Der "Kaiser" traut der deutschen Nationalelf den EM-Titel 2000 zu, "nicht, weil wir eine überragende Mannschaft haben, sondern weil die anderen auch nicht besser sind". Und er wird guter Dinge sein, wenn unmittelbar nach der Euro 2000 in Belgien und den Niederlanden (10. Juni bis 2. Juli) über den Gastgeber der WM 2006 entschieden wird: "Es geht jetzt in den heißen Endspurt", erklärt Bewerbungs-Chef Beckenbauer, "und ich denke, wir haben gute Chancen, am 6. Juli als Erster durchs Ziel zu gehen."