Freiburg SC jubelt - Lautern bangt
Freiburg - Während der SC Freiburg nach dem 2:1 (1:1)-Sieg überschwänglich den Klassenerhalt feierte, muss der 1. FC Kaiserslautern nach der verpassten Champions-League-Teilnahme jetzt sogar um einen Uefa-Cup-Platz bangen. "Wir haben noch eine Chance im Endspiel am Samstag gegen 1860 München und müssen alle Kräfte bündeln", meinte ein völlig verschwitzter Trainer Otto Rehhagel nach der turbulenten Partie. "Wir waren einfach zu schwach", räumte Mario Basler ein. "Und von meiner Leistung brauchen wir erst gar nicht zu sprechen. Die war grausam."
Nach seinem Auftritt als "Stehgeiger" vor 24.500 Zuschauern im ausverkauften Dreisamstadion sprach niemand mehr von einem möglichen Comeback Baslers in der Nationalmannschaft. Der 31-Jährige verblüffte nur nach dem Abpfiff, als er nach seiner taktischen Aufgabenstellung gefragt wurde. "Ich konnte heute machen, was ich wollte", erklärte "SuperMario". Ganz so leicht hatte es sein dänischer Mitspieler Michael Schjönberg nicht: Nach den Ausfällen von Torwart Georg Koch (Rückenverletzung/31.) und dessen Stellvertreter Uwe Gospodarek (Leiste) herrschte in der Lauterer Kabine zur Pause plötzlich "eine gewisse Betroffenheit" (Rehhagel). "Ich kann das machen", meinte Schjönberg, schnappte sich das Trikot des dritten Torhüters Andreas Reinke und stellte sich zwischen die Pfosten.
Ganze drei Schüsse bekam die Torwart-Aushilfe aufs Gehäuse. Mit einem präzisen Flachschuss brachte Lewan Kobiaschwili die Breisgauer in Führung, nachdem im ersten Durchgang Jörgen Pettersson für den FCK (21.) und Adel Sellimi (42.) getroffen hatten. Einen Sellimi-Schuss lenkte Schjönberg noch über die Latte und sein Meisterstück machte der gelernte Abwehrspieler, als er einen von Alexander Iaschwili getretenen Foulelfmeter abwehrte (84.). Finke musste zum sechsten Mal in dieser Saison miterleben, wie einer seiner Spieler einen Strafstoß verschießt. "Ich habe in der Situation auf Marco Weißhaupt gezeigt, aber der hatte immer den Kopf auf der Erde", beschrieb der SC-Coach seine erfolglosen Anweisungen.
Doch am Ende konnte Finke fast darüber lachen. Die Freude darüber, dass sein Team einen Spieltag vor Saisonende dem Abstieg entronnen ist, übertraf alles. Noch vor dem Abpfiff erhoben sich die Fans und feierten ihre Profis. "So eine Mannschaft mit so einer Spielweise gehört einfach in die Bundesliga", sagte der stolze tunesische Spielmacher Zoubaier Baya. Für Finke wäre der Abstieg "das Überflüssigste, Schlimmste und Ärgerlichste gewesen".
Der Pädagoge geht als dienstältester Trainer der ersten Liga nun in sein zehntes Jahr mit dem Sportclub und kaum einer hat es in dieser Zeit geschafft, mit so bescheidenen Mitteln so erfolgreich zu arbeiten. "A la bonne heure. Volker Finke ist kein einfacher Typ. Aber er hat eine Richtung und das alleine zählt", lobte Berti Vogts in einem Interview mit der "Badischen Zeitung". Wie es irgendwann einmal ohne den 52-Jährigen laufen soll, ist auch dem Ex-Bundestrainer ein Rätsel: "Wen wollen sie denn nach Freiburg holen, für die paar Mark - in dieses kleine, gemütliche Städtchen?"