Streit mit Rektor Freiburger Doping-Kommission löst sich auf
Universitätsklinik in Freiburg
Foto: Patrick Seeger/ dpaDie Doping-Kommission an der Freiburger Universität hat sich aufgelöst. Das bestätigte Kommissionsmitglied Fritz Sörgel, nachdem um Mitternacht ein Ultimatum an die Universitätsführung verstrichen war. "Es ist für uns eine schwierige Entscheidung und wir bedauern sehr, die Arbeit so kurz vor ihrem Abschluss abbrechen zu müssen. Aber wir können im Sinne einer wahrhaftigen Aufklärung keine Kompromisse eingehen", sagte der stellvertretende Vorsitzende Hellmut Mahler.
Die "Evaluierungskommission Freiburger Sportmedizin" protestiert damit gegen die angebliche Einschränkung ihrer Unabhängigkeit durch den Rektor der Universität, Hans-Jochen Schiewer. Einen Kompromissvorschlag Schiewers bewertete die Kommission als nicht weitgehend genug. Der Rektor wies die Kritik in einer Presseerklärung der Albert-Ludwigs-Universität umgehend zurück. Den Rücktritt von fünf der sechs Kommissionsmitglieder bezeichnete Schiewer als "unbegründet und verantwortungslos".
Die Kommission war 2007 mit dem Ziel gegründet worden, die Geschichte der skandalumwitterten Freiburger Sportmedizin unter ihren ehemaligen Professoren Joseph Keul und Armin Klümper zu untersuchen. Die Gruppe bestand aus führenden Anti-Doping-Experten: Letizia Paoli (Italien/Belgien), Hans Hoppeler (Schweiz), Perikles Simon (Mainz), Gerhard Treutlein (Heidelberg), Hellmut Mahler (Düsseldorf) und Sörgel (Nürnberg). Fünf dieser Mitglieder sind zurückgetreten. Nur die Vorsitzende Letizia Paoli schloss sich ihren fünf Kollegen nicht an.
Die Universität will die Aufklärung nun selbst fortsetzen
In den vergangenen Wochen hatte sich der Konflikt zugespitzt. Auf das Ultimatum von Seiten des Gremiums, hatte Schiewer die sechs Mitglieder aufgefordert, "spätestens" Dienstag, 14 Uhr, mitteilen, ob sie zurücktreten oder sein Gesprächsangebot annehmen wollten.
Nach dem daraus folgenden Rücktritt forderte Schiewer das Gremium auf, die bisherigen Erkenntnisse und Ergebnisse zur Verfügung zu stellen. "Es wäre verantwortungslos gegenüber der Öffentlichkeit und gegenüber dem Auftraggeber, die bis jetzt erstellten Unterlagen der Kommission zurückzuhalten oder gar zu vernichten", sagte der Rektor. Diese Erkenntnisse seien die "Grundlage für die von der Universität weiter angestrebte volle Aufklärung der Geschichte der Freiburger Sportmedizin." Gleichzeitig wolle die Uni Freiburg die Aufklärungsarbeit durch eine Forschungsstelle zum Thema Doping und Sportmedizin - unterstützt durch einen externen wissenschaftlichen Beirat - in Eigenregie fortsetzen.
Die Kommissionsmitglieder versicherten ihrerseits, ihre Aufklärungsarbeit fortzusetzen. "Alle Kommissionsmitglieder fühlen sich der Aufklärung von Dopingvorgängen und wissenschaftlichem Fehlverhalten in der Sportmedizin auch weiterhin verpflichtet", heißt es in der Stellungnahme. "Im Rahmen ihrer jeweiligen wissenschaftlichen Tätigkeit werden sie weiter dazu beitragen, dass die Dopingaufklärung in Deutschland und darüber hinaus fortgeführt wird."