Friedel Rausch Abstiegskampf als Therapie
Frankfurt am Main - Friedel Rausch soll das dritte Wunder am Main vollbringen. Der 61-jährige wurde am Dienstagmorgen in einer Blitzaktion vom Bundesligisten Eintracht Frankfurt bis zum Saisonende unter Vertrag genommen und soll die Hessen nun vor dem zweiten Abstieg in die Zweitklassigkeit nach 1996 retten. In den beiden Jahren zuvor war dieses Kunststück Jörg Berger und Felix Magath gelungen.
"Eine reizvolle Aufgabe"
Für Eintracht Frankfurt ist Rausch nach dem am 29. Januar
entlassenen Magath und Interims-Coach Rolf Dohmen bereits der dritte Trainer in der Rückrunde. Der bisherige Co-Trainer Armin Kraatz soll seine Funktion weiterhin ausüben. "Es ist ein schweres Unterfangen, aber ich stelle mich gerne dieser reizvollen Aufgabe", meinte Rausch, der innerlich schwer an dem Abstieg mit dem 1. FC Nürnberg zu kämpfen hat. "Das Drama nagt noch an mir. Das war vielleicht einer der Gründe für die Rückkehr in die Bundesliga."
Rausch, der am Dienstagmorgen aus seiner Wahlheimat Luzern an den Main gereist war, kann auf Erfahrung mit den Hessen zurückblicken. Im Januar 1979 übernahm er das dortige Trainer-Amt und führt 1980 die Eintracht zum Uefa-Pokalsieg. Trotz des größten internationalen Erfolges in der Vereinsgeschichte endete die Zusammenarbeit abrupt. In der Bundesliga stand Rausch zuletzt in Kaiserslautern, Mönchengladbach und Nürnberg unter Vertrag. Vor seiner Verpflichtung durch die Hessen war Rausch
ohne Vertrag. Er übernahm sofort das Training.
Machtprobe in der Führungsetage
Der Verpflichtung von Rausch, dem noch sieben Bundesligaspiele für die Rettungstat verbleiben, war ein wahrer Machtkampf in der Frankfurter Führungsetage voraus gegangen. Der neue Chef der Fußball AG, Steven Jedlicki, wollte selbst nach der 2:5-Pleite der Eintracht und einer desolaten Vorstellung beim SC Freiburg am vergangenen Samstag weiter an Dohmen festhalten.
Vor allem der Aufsichtsratsvorsitzende Reinhard Gödel hatte
Konsequenzen gefordert und erhielt dabei Rückendeckung, auch vom Präsidenten des Gesamt-Vereins, Peter Fischer. Sie wollten dem Vorwurf entgehen, dem Absturz tatenlos zugesehen zu haben. "Es ging nicht um Personen, sondern um die Eintracht", sagte Jedlicki. "Es gibt nur ein Ziel für uns alle: Der Verbleib von Eintracht Frankfurt in der Bundesliga."
"Das letzte Zeichen"
Die Eintracht trennt als 15. der Tabelle nur noch
die Anzahl der mehr erzielten Treffer von der punktgleichen SpVgg Unterhaching und damit von einem Abstiegsplatz. Nach den Marathon-Verhandlungen stand fest, dass die Eintracht handeln wollte. Dohmen selbst stellte dann sein Amt zur Verfügung. "Das ist das letzte Zeichen, dass von uns zu setzen ist", so Dohmen, der sich ab sofort wieder um die Planungen für die kommende Saison kümmert. "Jetzt ist die Mannschaft am Zuge."
Für die Eintracht, die sich in der vergangenen Saison erst im
letzten Moment durch 50 Millionen Mark von dem neuen Partner Octagon vor der Zahlungsunfähigkeit retten konnte, ging damit ein unendliches und blamables Kapitel in Sachen Trainerverhandlungen zu Ende. Das Führungsduo Dohmen und Jedlicki hatte sich aus den verschiedensten Gründen jeweils einen Korb von Lothar Matthäus, Klaus Toppmöller und Hans-Peter Briegel geholt.