Frustgelage: Der Abschied von Vaals - DER SPIEGEL
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Frustgelage Der Abschied von Vaals

Nach dem schmachvollen EM-Aus gegen Portugal soll ein nächtliches Trinkgelage für Unmut im DFB-Lager gesorgt haben. Für die einen war es ein harmloses, entkrampfendes Fest, für andere eine nationale Schande.
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Vaals - Schweigemarsch nach dem Schlusspfiff, Frustbesäufnis in der Nacht, fluchtartiger Aufbruch im Morgengrauen. Nach einer durchzechten Nacht brach um 6.16 Uhr der erste Tross der Nationalspieler vom Quartier "Kasteel Vaalsbroek" zur Heimreise auf. Lothar Matthäus, Jens Jeremies, Christian Ziege, Oliver Kahn, Mehmet Scholl, Dietmar Hamann, Thomas Häßler und DFB-Arzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt waren die Ersten, die sich gen Maastricht aufmachten, um den bereits vor dem EM-Ausscheiden gebuchten Flug nach München nicht zu verpassen.

In der Nacht hatten große Teile der Mannschaft offensichtlich ihren Frust ertränkt. Rainer Holzschuh, ehemaliger DFB-Pressechef und jetzt Chefredakteur des Fachmagazins "Kicker", beklagte sich: "Ich hörte lautes Gegröle, Gelache, man hat sich wohl Witze erzählt. Man hat richtiggehend gefeiert, und ich habe mich geschämt, die deutschen Nationalspieler in einem solchen Zustand am Morgen nach der Katastrophe zu sehen." Nach Informationen seines Nachfolgers Wolfgang Niersbach seien jedoch "keine ausschweifenden Dinge passiert, die man korrigieren muss". Einige Medienleute beschwerten sich über den rüden Ton, den mancher Spieler ihnen gegenüber an den Tag legte. Von andere Seite hieß es, Paparazzi hätten sich des nächstens an die Terrasse geschlichen, um entlarvende Aufnahmen zu machen und seien darauf lautstark zur Rede gestellt worden.

Bereits die Szenen nach dem Abpfiff am Vorabend im Rotterdamer Stadion De Kuip hinterließen beim Beobachter nicht den Eindruck, dass das EM-Aus bei allen Hauptdarstellern besondere Betroffenheit auslöste. Vor allem präsentierte sich das Gros der Profis unfähig zur Selbstkritik. Die meisten Spieler stiefelten wortlos von der Umkleidekabine durch die so genannte "Mixed-Zone", dem Gesprächsforum mit den Medienvertretern, in den Mannschaftsbus. Nur Torhüter und Interimskapitän Oliver Kahn, seine Münchner Teamkollegen Mehmet Scholl und Thomas Linke sowie Marco Bode von Werder Bremen stellten sich den Fragen.

Andere, wie Carsten Ramelow, suchten lieber via Handy im Mannschaftsbus Kontakt und Trost. Auch die alten Recken, für die das EM-Aus gleich bedeutend mit dem Ende der internationalen Karriere war, wählten den stillen Abschied durch die Hintertür. Rekordnationalspieler Lothar Matthäus, 39, verabschiedete sich nach 20 Jahren Nationalmannschaft und 150 Länderspielen wort- und grußlos. Gleiches galt für den 34 Jahre alten Ulf Kirsten, der mit der Einwechslung in der bedeutungslosen Schlussphase noch sein 100. Länderspiel geschenkt bekam und das Jubiläumstrikot sichtbar für die Kollegen auf seinem Sitzplatz im Bus ausbreitete.

Als der DFB-Tross um 1.50 Uhr das 220 Kilometer von Rotterdam entfernte EM-Quartier wieder erreichte, bildeten ganze sechs Fans neben etlichen TV-Kameras das Empfangskomitee für das Team, das danach zu einem warmen Büfett schritt. Delegationsleiter Gerhard Mayer-Vorfelder eröffnete das "Nachspiel" mit einer Ansprache, bei der der 67-Jährige nach eigenem Empfinden "das Notwendige in aller Deutlichkeit gesagt" habe.