Fußball-Bundesliga: Aussortierte Profis - DER SPIEGEL
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Wiese, Fathi und Co.: Aussortierte Fußballprofis

Foto: Uwe Anspach/ dpa

Fußballprofis auf dem Abstellgleis Die Aussortierten

Sie sind Bundesliga-Stars - und landen plötzlich auf dem Abstellgleis: Hoffenheim hat eine eigene Trainingsgruppe für unerwünschte Spieler gebildet, der Hamburger SV bietet einige Profis trotz laufender Verträge zum Kauf an. Dürfen Vereine Spieler einfach ausmustern?
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die Hoffenheimer Profimannschaft ist seit Beginn der Saisonvorbereitung zweigeteilt. Auf der einen, der Sonnenseite sozusagen: eine Gruppe von rund 20 Spielern, mit denen der Verein die neue Saison bestreiten möchte.

Auf der anderen Seite: zehn Spieler, die nicht mehr wichtig sind für den Verein, wie es scheint, unter anderem Tim Wiese, Tobias Weis und Eren Derdiyok. Diese Spieler bleiben im Training unter sich, sie werden von einem eigens engagierten Honorartrainer angeleitet. Aufs Mannschaftsfoto durften sie nicht, und in der Kantine im Trainingszentrum haben sie angeblich Hausverbot.

In Hoffenheim lässt sich in diesem Sommer deutlich beobachten, was immer wieder in der Bundesliga vorkommt: Ein Verein sortiert Spieler aus und hofft, dass sich ein Käufer findet oder zumindest ein Club, der an einem Leihgeschäft interessiert ist. Auch der Hamburger SV hat Profis abgeschoben, Gojko Kacar und Robert Tesche trainieren mit der U23. "Sie wollen mir zeigen, dass ich überflüssig bin, und mich mental schwach machen, damit ich mir einen anderen Verein suche", sagte Kacar der "Sport-Bild".

Grundsätzlicher Anspruch auf professionelles Training

Aber dürfen Vereine ihre Spieler trotz laufender Verträge einfach aussortieren? Und sind die Clubs nicht verpflichtet, ihre Angestellten unter professionellen Bedingungen trainieren zu lassen?

"Grundsätzlich hat ein Spieler laut Mustervertrag der DFL den Anspruch auf die Teilnahme am Trainingsbetrieb der Lizenzspieler-Mannschaft - oder am Training der zweiten Mannschaft, wenn die mindestens in der Oberliga spielt", sagt Ulf Baranowsky, der Geschäftsführer der Spielergewerkschaft VDV, im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Demnach hat ein Bundesliga-Spieler keinen Anspruch darauf, in der ersten Mannschaft zu trainieren - ebenso wenig, wie er einen Anspruch darauf hat, in der Bundesliga eingesetzt zu werden. Entscheidend ist, dass er sein vereinbartes Gehalt bekommt.

Christian Heidel, Manager von Mainz 05, sagt: "Man muss da auch den Verein verstehen: Er bezahlt die Spieler vertragskonform, aber plant nicht mehr mit ihnen. Warum sollen sie dann noch mit der Mannschaft trainieren? Wolfsburg hatte teilweise 35 oder mehr Leute im Kader. Es wäre gar nicht machbar gewesen, die alle zusammen trainieren zu lassen."

Vertragsauflösung im Normalfall nur im Einvernehmen möglich

Auch der HSV will ein paar Profis loswerden, der Grund sind zu hohe Personalkosten. Doch so einfach geht das nicht. Fristlos kündigen kann man Bundesliga-Spielern nur in Ausnahmesituationen, und selbst dann ist es schwierig: "Wie oft hätten sie Marcelinho in Berlin oder Ailton in Bremen fristlos kündigen können, weil sie zu spät aus dem Urlaub kamen? Doch dann verliert der Club seinen Anspruch auf Transferentschädigung", sagt Mainz-Manager Heidel. Mit einer Kündigung schade sich ein Verein selbst.

Wenn ein Spieler nicht bereit ist, den Verein zu verlassen, der ihn loswerden möchte, dann muss er auch nicht gehen - wenn er einen laufenden Vertrag hat. Denn ein Vertrag lässt sich nur im Einvernehmen von Spieler und Club auflösen, nicht aber einseitig. Ein aktuelles Beispiel aus Hamburg: Verteidiger Paul Scharner soll gehen, verlangt aber trotz der psychologischen "Horror"-Situation vom Verein eine "reelle Chance". "Ohne die bekommen zu haben, werde ich nicht freiwillig gehen", sagte er dem "Kicker". Deshalb muss ihn der HSV weiterbeschäftigen.

"Wenn der Spieler sagt, er wolle sich durchsetzen, komme immer pünktlich zum Training, hänge sich voll rein - dann muss der Verein den vertraglichen Pflichten selbstverständlich nachkommen", sagt VDV-Geschäftsführer Baranowsky.

Der neue HSV-Sportchef Oliver Kreuzer hat gleich bei seinem Amtsantritt ein paar Spielern klargemacht, dass sie keine Chance mehr in der Hamburger Bundesliga-Mannschaft haben. Über die Medien bietet er sie regelrecht zum Kauf an. Kreuzer, der sich gegenüber SPIEGEL ONLINE nicht äußern wollte, hofft wohl, dass die Spieler sich im Sinne ihrer Karriereplanung nach einem neuen Verein umsehen, anstatt ihre gut bezahlten Verträge abzusitzen.

Der Mainzer Manager Christian Heidel verteidigt genau diese Praxis: "Wenn ein Spieler eine tolle neue Möglichkeit hat, der Verein ihn aber nicht gehen lassen will, dann ist der Verein der böse Bube. Wenn aber der Verein einem Spieler offen und fair sagt, dass er nicht mehr mit ihm plant - dann soll wieder der Verein der böse Bube sein? Das kann ich nicht ganz nachvollziehen. Wir leben in einer Leistungsgesellschaft."

Auch in Mainz gibt es zwei Profis, die der Verein trotz laufender Verträge gerne abgeben würde: Malik Fathi und Nikita Rukavytsya. Trotzdem dürfen sie mit der ersten Mannschaft trainieren, ihretwegen wird keine eigene Trainingsgruppe gegründet. Anders als in Hoffenheim.