Fußball-Bundesliga Bremen löst Bayer an der Spitze ab
Hamburg - Bremen gewann am Samstag mit 4:1 (3:0) gegen den FC Schalke 04 und löste Bayer Leverkusen als Spitzenreiter ab. Angelos Charisteas (13.), Tim Borowski (28.), Ailton (35.) sowie Vertragsamateur Haedo Valdez (81.) trafen vor rund 36.000 Zuschauern für die Gastgeber, die sich über ihren besten Saisonstart seit zehn Jahren (drei Siege und ein Unentschieden) freuen dürfen. Victor Agali (82.) gelang Schalkes Ehrentreffer.
"Das war unser schlechtestes Saisonspiel", klagte Schalkes Trainer Jupp Heynckes, "wir haben auch in der Höhe verdient verloren. Der Gegner war uns in allen Belangen überlegen. Das war eine herbe Enttäuschung für uns." Bremens Trainer Thomas Schaaf war hingegen bester Dinge: "Dies war eine sehr überzeugende Leistung. Meine Mannschaft hat das Spiel gelenkt und jederzeit kontrolliert. Jetzt muss man die Euphorie im Umfeld etwas dämpfen." Das könnte klappen: Der nächste Bundesliga-Spieltag ist wegen der Spiele der ersten Hauptrunde im DFB-Pokal und des EM-Qualifikationsspiels auf Island erst am 13./14. September.
FC Bayern nun Zweiter, HSV Vorletzter
Auf den zweiten Platz mit ebenfalls zehn Punkten rückte der FC Bayern vor. Die Münchner gewannen am Sonntag das Jubiläumsspiel zum 40. Geburtstag der Fußball-Bundesliga beim Hamburger SV mit 2:0 (1:0). Vor 55.500 Zuschauern in der ausverkauften AOL-Arena erzielten Claudio Pizarro (12.) und Giovane Elber (79.) die Tore für den Meister, der auch im vierten Saisonspiel ungeschlagen blieb. Dagegen wartet der Hamburger SV auf den ersten Saisonsieg und ist mit einem Punkt nun Vorletzter. Zudem sah der HSV-Spieler Collin Benjamin in der 52. Spielminute die Gelb-Rote Karte wegen wiederholten Foulspiels. Die Partie Hannover 96 gegen Hansa Rostock wurde auf den kommenden Mittwoch verlegt. Anpfiff ist um 18.45 Uhr.
Punktgleich mit Bayern und Bremen ist auch der neue Dritte VfB Stuttgart. Der Vizemeister besiegte am Samstag den 1. FC Kaiserslautern vor 34.000 Zuschauern im Gottlieb-Daimler-Stadion mit 2:0 (2:0). Der Brasilianer Cacau (8.) und Kapitän Zvonimir Soldo (14.) waren für den VfB erfolgreich, bei dem Torwart Timo Hildebrand seine Zeit ohne Gegentor auf 465 Minuten ausbauen konnte. Der FCK, der die Saison mit einem Punktabzug von drei Zählern begonnen hatte, ist nach der dritten Saisonniederlage auf den letzten Tabellenplatz zurückgefallen.
"Das Spiel war nach den zwei Kopfballtreffern schnell entschieden. Der FCK war geschockt und zeigte kaum Gegenwehr. Wir haben es verpasst, noch Tore nachzulegen", urteilte VfB-Trainer Felix Magath. "Man kann nicht von einem Spiel reden, denn dazu braucht man zwei Mannschaften. Es war aber nur eine Mannschaft auf dem Platz. Die Stuttgarter haben zu 100 Prozent verdient gewonnen. Für sie war es viel zu einfach, es war fast ein Trainingsspiel", kritisierte Kaiserslauterns Coach Erik Gerets.
Bayer Leverkusen, das seine ersten drei Bundesligaspiele gewonnen hatte, musste sich diese Saison erstmals geschlagen geben. Der VfL Bochum gewann mit 1:0 (0:0) und sicherte sich den ersten dreifachen Punktgewinn dieser Spielzeit. Für Klaus Augenthaler war es im sechsten Bundesligaspiel als Bayer-Coach die erste Niederlage überhaupt. Vor 21.030 Zuschauern im Ruhrstadion war der Erfolg der Gastgeber gegen schwache Leverkusener hochverdient, auch wenn der Siegtreffer glücklich fiel. In der 64. Minute fälschte Torjäger Peter Madsen einen Schuss von Neuzugang Thomas Zdebel unhaltbar für Torwart Jörg Butt ins Bayer-Gehäuse ab.
"Bochum hat verdient gewonnen. Wir waren heute mit dem Kopf nicht richtig auf dem Platz. Wir haben das 0:1 einfach hingenommen", gestand Bayer-Coach Augenthaler. "Besonders in der ersten Halbzeit waren wir durchschlagkräftiger. Wir haben allerdings kein Tor gemacht und danach etwas den Überblick verloren. Gott sei Dank hat Bayer das zu Beginn der zweiten Halbzeit nicht ausgenutzt. Auf dieser Leistung können wir aufbauen", zeigte sich VfL-Trainer Peter Neururer zufrieden.
Ihre ersten Siege nach der Rückkehr ins Oberhaus feierten der SC Freiburg und der 1. FC Köln. Der Sportclub bezwang Borussia Mönchengladbach mit 4:1 (3:0). Die Rheinländer setzten sich gegen Borussia Dortmund mit 1:0 (0:0) durch. Vier Tage vor dem Spiel in der Champions-League-Qualifikation gegen Brügge musste Borussia vor 33.000 Zuschauern einen herben Rückschlag hinnehmen. Die Mannschaft von Trainer Matthias Sammer wartet nunmehr schon seit neun Monaten auf einen Auswärtssieg in der Bundesliga. Den entscheidenden Treffer erzielte Kölns Kapitän Dirk Lottner in der 56. Minute - natürlich mit einem Freistoß.
"Wir sind für unsere Leidenschaft belohnt worden und haben 90 Minuten um den Sieg gefightet. Meine Mannschaft hat verdient gewonnen", so Kölns Trainer Friedhelm Funkel, "dieser Sieg war sehr wichtig für uns, weil wir Anschluss ans Mittelfeld gefunden haben." Auch BVB-Trainer Matthias Sammer lobte den Einsatzwillen der Gastgeber: "Die Kölner haben aufopferungsvoll gekämpft und verdient gewonnen. Wir haben alles versucht, aber wir haben es nicht geschafft, obwohl es nach den ersten 20 Minuten sehr gut für uns ausgesehen hat."
Der überragende Zlatan Bajramovic (14. und 28.) brachte Freiburg vor 25.000 Zuschauern im ausverkauften Dreisamstadion durch seine Saisontreffer Nummer zwei und drei mit 2:0 in Führung. Andreas Zeyer (34.) erhöhte noch vor der Pause auf 3:0. Sechs Minuten später schoss Gladbachs Stürmer Marcel Ketelaer (40.) einen Foulelfmeter neben das Tor. Durch den eingewechselten Arie van Lent (68.) konnten die Gäste zwischenzeitlich auf 1:3 verkürzen. Den Schlusspunkt zum 4:1 (3:0)-Heimsieg des Aufsteigers setzte Alexander Iaschwili (80.).
"Das Ergebnis ist sicherlich zu hoch. Unsere Chancenauswertung war heute sehr gut. Unsere Mittelfeldspieler haben wieder drei Tore geschossen. Nur Alexander Iaschwili ist aus der Reihe getanzt und hat als Stürmer ein Tor gemacht, das tut mir Leid", sagte Freiburgs Trainer Volker Finke. Restlos bedient war Gladbachs Coach Ewald Lienen: "Freiburg macht durch die ersten zwei Chancen zwei Tore, da war unsere Abwehrarbeit indiskutabel. Auf der anderen Seite hatten wir fünf tausendprozentige Chancen, wenn man die nicht nutzt, kann man halt kein Bundesligaspiel gewinnen."
Immer noch auf den ersten Saisontreffer wartet Hertha BSC. Die Berliner sicherten sich mit dem 0:0 in Frankfurt wenigstens einen Punkt. Die Eintracht, bei der der von Bayer Leverkusen ausgeliehene Christoph Preuß sein Comeback feierte, kam zum ersten Punktgewinn nach dem Wiederaufstieg. Genau 22.500 Zuschauer in der ausverkauften Baustelle Waldstadion, das derzeit für die Fußball-WM 2006 umgebaut wird, sahen eine Bundesliga-Begegnung auf erschreckend niedrigem Niveau.
"Man hat deutlich gesehen, dass für beide Mannschaften unheimlich viel auf dem Spiel stand", wollte auch Frankfurts Trainer Willi Reimann das Spiel nicht schön reden, "insgesamt muss ich meine Mannschaft aber loben." Auch Hertha-Coach Huub Stevens versuchte, das Positive zu sehen: "Wir haben in den ersten 20 Minuten gut gespielt. Auch in der zweiten Halbzeit haben wir wieder gut angefangen und Druck aufgebaut. Aber um ein Spiel zu gewinnen, muss man eben auch ein Tor schießen."
Kartenfestival im Münchner Olympiastadion
Der VfL Wolfsburg beendete seine Partie beim TSV 1860 München, die 0:1 (0:0) verloren ging, mit nur noch neun Spielern. Schon nach 39 Minute mussten die Niedersachsen auf ihren Regisseur Andres D'Alessandro verzichten. Der Millionen-Einkauf aus Argentinien erhielt wegen wiederholten Meckerns von Schiedsrichter Lutz Wagner die Gelb-Rote Karte. Ab der 64. Minute war die Elf von Jürgen Röber nur noch zu neunt auf dem Platz. VfL-Abwehrspieler Maik Franz und der Münchner Daniel Borimirow sahen nach einer Rangelei jeweils die Rote Karte. Das Tor des Tages vor 22.000 Zuschauern im Olympiastadion erzielte 1860-Mittelfeldspieler Danny Schwarz (59.).
"Es gibt Niederlagen, die sind unnötig - und das war so eine. Wir haben uns durch eigene Dummheit geschlagen", klagte VfL-Trainer Jürgen Röber und kritisierte den Schiedsrichter: "Beide Karten gegen uns waren regelgerecht. Trotzdem habe ich gehofft, dass der Schiedsrichter auch mal ein Auge zudrückt, wenn ein Spieler wie D'Alessandro erst drei Wochen hier ist. Wir müssen die Niederlage schnell abhaken und uns auf das UI-Cup-Finalrückspiel gegen Perugia am Dienstag konzentrieren." 1860-Coach Falko Götz hatte hingegen Grund zur Freude: "Im Großen und Ganzen müssen wir das Spiel früher entscheiden. Trotzdem haben wir verdient gewonnen."