Fußball-Bundesliga: So spannend wird der Abstiegskampf - DER SPIEGEL
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Abstiegskampf: Die halbe Liga ist bedroht

Foto: Peter Steffen/ dpa

Bundesliga-Abstiegskampf Gedränge im Gefahrengebiet

Die Bayern sind gefühlter Meister, pfeift die Saison ab? Von wegen! In der Bundesliga geht es eng zu - nur eben am anderen Tabellenende. Schon ab Platz zehn beginnt der Abstiegskampf. Teams wie der Hamburger SV haben einen psychologischen Nachteil.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

In Scharen verließen die Zuschauer das Stadion im Hamburger Volkspark, nachdem der FC Schalke 04 im Bundesliga-Spiel beim Hamburger SV durch Max Meyer zum 3:0-Endstand erhöht hatte. Da war gerade einmal eine Stunde gespielt. Beim Schlusspfiff war die Arena halbleer. "Dass die Zuschauer eher nach Hause gegangen sind, kann ich sehr gut verstehen. Ich wäre auch eher gegangen", sagte HSV-Trainer Bert van Marwijk.

Hamburg bewirbt sich eindrucksvoll für die zweite Bundesliga. Das einzig Tröstliche für den selbsternannten Europacup-Anwärter aus dem Norden: Er ist nicht allein. Die halbe Liga befindet sich im Abstiegskampf. Zwischen dem Tabellenzehnten Hannover und Schlusslicht Eintracht Braunschweig liegen gerade einmal neun Punkte. Während an der Ligaspitze Langeweile zum Dauerzustand geworden ist, weil der FC Bayern im Titelrennen keine Konkurrenz fürchten muss, dürfte der Abstiegskampf in der Rückrunde spannend wie selten werden.

Das liegt an einer eigenwilligen Dynamik. Im Gefahrengebiet der Tabelle gibt es zwei Gruppen. Die eine besteht aus Teams, denen nach eigenem Selbstverständnis ein Platz in der oberen Region zusteht - und die nun einen psychologischen Nachteil haben, weil sie vom Abstiegskampf überrascht werden und nicht so recht wissen, wie sie sich dem Negativtrend widersetzen sollen.

Der Hamburger SV ist das beste Beispiel. Mannschaft und Umfeld scheinen den Ernst der Lage nur zögerlich zu erkennen. Trainer van Marwijk sah sich nach der Niederlage gegen Schalke erneut zu einer dringenden Warnung veranlasst: "Es muss sich in den Köpfen etwas ändern, wir spielen nur noch um den Klassenerhalt." Der Trainer fordert, dass die Mannschaft ihre Spielweise angleicht, wünscht sich Aggressivität und etwas mehr Rücksichtslosigkeit - Tugenden, die im fußballerischen Überlebenskampf zählen.

Trostlosigkeit in Stuttgart und Bremen

Neben den Hamburgern sind mit Werder Bremen (11. Platz) und dem VfB Stuttgart (12. Platz) zwei weitere Traditionsclubs in Bedrängnis. Und wie der HSV, bei dem der Tausch von Thorsten Fink zu Bert van Marwijk keine messbare Besserung gebracht hat, warten auch sie auf den Effekt der Trainerwechsel.

In Bremen hat es der vor der Saison als Nachfolger von Thomas Schaaf installierte Robin Dutt noch nicht geschafft, das junge Team auf Kurs zu bringen. Siege gegen Hamburg, Hannover und zum Ende der Hinrunde gegen Leverkusen machten Hoffnung, doch nach dem ebenso trost- wie torlosen Unentschieden gegen Braunschweig ist einmal mehr Ernüchterung eingetreten rund ums Weserstadion.

Der VfB Stuttgart wartet unter Neu-Trainer Thomas Schneider nach wie vor auf die Befreiung. Mit neuem Mut war das Team aus dem Wintertrainingslager in Südafrika zurückgekehrt - um zum Start der Rückrunde 1:2 gegen Mainz zu verlieren. Die anstehenden Partien machen den Fans des VfB wenig Hoffnung auf eine Wende zum Guten. Am Mittwoch (20 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) ist der FC Bayern zu Gast, am Wochenende geht es nach Leverkusen.

Nürnberg plötzlich siegfähig - und das durchaus mit Stil

Die Konkurrenz aus Freiburg (Sieg), Frankfurt (Sieg), Nürnberg (Sieg), ja sogar Braunschweig (Remis) ist erfolgreich in die Rückrunde gestartet. Das Quartett bildet die andere Gruppe im Tabellenkeller. Jene, die seit Wochen mit dem Rücken zur Wand steht und es geschafft hat, innerhalb von nur 90 Minuten zumindest die Stimmung deutlich aufzuheitern.

Am besten hat das der 1. FC Nürnberg geschafft. Das 4:0 gegen Hoffenheim (Platz 13) offenbarte nicht nur das groteske Abwehrproblem der Gäste (schon 42 Gegentore), sondern auch, dass es Trainer Gertjan Verbeek in der Pause a) geschafft hat, sich einen Bart wachsen zu lassen und b) seinem Team trotz zuvor 17 siegloser Spiele in Folge so etwas wie Spielfreude zu vermitteln.

Eine Qualität, die der SC Freiburg durchaus schon länger besitzt. Das 3:2 gegen den Tabellenzweiten aus Leverkusen lässt erahnen, zu was die Mannschaft imstande ist, wenn sie wie in der Vorsaison regelmäßig eine Woche lang Zeit hat, um sich auf den nächsten Gegner vorzubereiten. Das Aus in der Europa League könnte dem Sportclub im Abstiegskampf noch nützlich sein. "Ungeheuer befreiend" sei der Sieg gewesen, sagte Freiburgs Linksverteidiger Oliver Sorg anschließend.

In den Genuss dieser Erfahrung käme man beim Hamburger SV wohl auch nicht, wenn im kommenden Auswärtsspiel der erste Sieg seit dem 24. November 2013 (damals gegen Hannover 96) gelänge. Am Samstag (15.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) reist der Club ausgerechnet zum Abstiegskonkurrenten Hoffenheim. Und an das Hinspiel hat man in Hamburg gar keine guten Erinnerungen. Nach indiskutabler Leistung verlor man 1:5.