EM-Briefing am Donnerstag Wales trifft England, Boateng trifft Lewandowski
Das passiert heute:
Deutschland hat die Chance, mit einem Sieg sicher das Achtelfinale zu erreichen - und trifft mit Polen auf einen Gegner, der das verhindern könnte. Um 21 Uhr wird die Partie im Stade de France angepfiffen (im High-Liveticker bei SPIEGEL ONLINE; im TV beim ZDF).
Schon um 15 Uhr steht in Lens der erste Höhepunkt des Tages an: Das "Bruder-Duell" zwischen England und Wales. Nie zuvor hatte die Begegnung einen klareren Länderspielcharakter - nach den verbalen Herausforderungen des walisischen Topstars Gareth Bale ("Ich denke, dass wir viel mehr Leidenschaft und Stolz haben als die Engländer") herrscht dicke Luft.
Gareth Bale
Foto: Hassan Ammar/ APWales provoziert trotz Sorgen um die Einsatzfähigkeit von Torwart Wayne Hennessey aus bequemer Position: Der Erwartungsdruck liegt auf England - und hier nicht zuletzt auf Kapitän Wayne Rooney. Der bemühte sich am Mittwoch, die Wogen zu glätten: "Das ist nicht England gegen Gareth Bale, sondern England gegen Wales." Den Redaktionstipp der Kollegin Britta Kollenbroich lesen Sie unten.
Wayne Rooney gibt sich sachlich
Foto: HANDOUT/ AFPUm 18 Uhr spielt in Lyon Nordirland gegen die Ukraine. Der ukrainische Trainer Michail Fomenko fürchtet die Nordiren vor allem "bei Standards", da seien sie "außerordentlich gefährlich". Die Pressekonferenz seines Kollegen Michael O'Neill hat er offenbar verpasst: Der versprach da vor allem mehr Schmutz, denn schmutzig spielen könnten die Nordiren "normalerweise immer ganz gut". Für beide Mannschaften ist die Partie richtungsweisend, beide sind mit Niederlagen ins Turnier gestartet.
Michael O'Neill verspricht mehr Schmutz im Ukraine-Spiel
Foto: HANDOUT / REUTERSWohl nicht nur aus deutscher Sicht ist die Begegnung Deutschland-Polen das Topspiel des Tages. Ob Mats Hummels auflaufen wird, will Trainer Joachim Löw kurzfristig entscheiden - aber das muss ihn nicht sorgen: Mit Shkodran Mustafi steht ein bewährter Ersatzmann für die Position neben Jérôme Boateng zur Verfügung.
Robert Lewandowski
Foto: Christian Charisius/ dpaBoateng trifft nun auf einen Mannschaftskameraden aus München: Stürmer Robert Lewandowski ist für Polen das, was Bale für Wales darstellt - ein möglicher Matchwinner. Löw hat seiner Mannschaft eingeimpft, dass da noch ein paar andere Polen anreisen: "Wir dürfen aber nicht den Fehler machen, uns nur auf ihn zu konzentrieren", sagte Sami Khedira über Topstar Lewandowski. Klingt wie ein guter Plan.
So lief es gestern:
Russland spielte in Lille, und entsprechend blank lagen die Nerven. Russische Politiker hoben den Konflikt um russische Hooligans auf die politische Ebene, indem sie die diplomatischen Beziehungen zu Frankreich für gefährdet erklärten. Die Uefa hatte Russland den Ausschluss von der EM angedroht, sollte es erneut zu Krawallen im Stadion kommen. Die russischen Anhänger im Stadion blieben aber friedlich - erst am Abend verdarben Randalierer aus unterschiedlichen Lagern die Erleichterung über einen weitgehend ruhigen Tag.
Russland kam dem EM-Aus dennoch ein gutes Stück näher - mit rein sportlichen Mitteln: Gegen die Slowakei drehte die Mannschaft nach einem 0:2-Rückstand zu spät auf und schaffte nur noch den späten Anschlusstreffer. 1:2 war der Endstand.
Überraschend schwer tat sich die in diesem Spiel klar favorisierte Schweiz gegen Rumänien. Ein Schock für die Eidgenossen, als Rumänien schon nach 18 Minuten per Elfmeter in Führung ging. Mehr als der 1:1-Ausgleich war für die Schweizer trotz guter Chancen nicht mehr drin.
Am Abend durfte Frankreich spät jubeln: Mit zwei Toren kurz vor Schluss gewann die "Équipe Tricolore" 2:0 gegen Albanien. Hier der Spielbericht.
Schiedsrichter Karasev, rumänischer Elfmeterschütze Stancu
Foto: Francois Mori/ APHüpfer des Tages war: Sergei Karasev (Russland), der als Schiedsrichter im Spiel Rumänien-Schweiz den Elfmeterpunkt mit Schütze Bogdan Stancu erst einmal Voodoo-mäßig umhüpfte, bevor er den Ball freigab. Vielleicht hat das geholfen: Stancu traf.
Hier tippt die Redaktion:
Britta Kollenbroich, Redakteurin: "In Deutschland blicken heute die meisten auf das Spiel der DFB-Auswahl gegen Polen - dabei findet kurz davor eine der brisantesten Begegnungen dieser EM statt. England gegen Wales, das Lokalderby des Wettbewerbs. England hat eine souveräne Qualifikation gespielt, der Auftakt gegen Russland, nun ja. Und Wales? Die sind seit der WM 1958 zum ersten Mal wieder bei einem großen Turnier dabei, haben zum Auftakt gewonnen - und sie haben Gareth Bale. Wenn der nur ansatzweise so erfolgreich spielt wie sonst an der Seite von Ronaldo, kann ihn keiner einholen. Weil Derbys ihre eigenen Gesetze haben und ich ein Herz für Underdogs, tippe ich 2:1 für Wales - und bin gespannt auf die Reaktion der Queen auf das Endergebnis."