Fußball-EM 2022: Deutschland gegen Frankreich in der Einzelkritik - DER SPIEGEL
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DFB-Frauen in der Einzelkritik Oberdorfs Zweikämpfe sollten einen Platz im DFB-Museum bekommen

Beim Halbfinaltriumph gegen Frankreich erzielte Alexandra Popp ihre EM-Turniertreffer Nummer fünf und sechs. Doch auch zwei junge Spielerinnen begeisterten: Lena Oberdorf mit ihrer Präsenz und Jule Brand als offensiver Faktor.
Aus Milton Keynes berichtet Jan Göbel
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Merle Frohms, Tor: Die deutsche Nummer eins hielt ihren Kasten für knapp 400 Minuten bei der EM sauber. Doch kurz vor der Halbzeit kassierte sie ihr erstes Gegentor – und was für ein Unglückliches. Vom Pfosten prallte der Ball zurück an ihren Rücken und dann lag er im Tor. Doch wie cool kann man auf ein Eigentor reagieren? In der zweiten Hälfte verhinderte sie mit einem starken Block das 1:2, kurz danach zeigte sie einen Reflex gegen einen Renard-Kopfball.

Foto: JOHN SIBLEY / REUTERS
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Giulia Gwinn, Abwehr: Von Beginn an machte sich das deutsche Energiebündel auf die Jagd nach Zweikämpfen und unterstützte die deutsche Hintermannschaft mit vielen Seitenwechseln, Gwinn lief Räume zu und fing Pässe ab. Doch ihr Job besteht ebenfalls aus Offensivarbeit, und auch diesen erledigte Gwinn mit großer Freude im Zusammenspiel mit der neuen im Team, Jule Brand. Gwinn war zudem Teil des schönen Spielzugs beim 1:0.

Foto: JUSTIN TALLIS / AFP
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Kathrin Hendrich, Abwehr: Die Spieleröffnung der Wolfsburgerin war mitunter unpräzise. Hendrich erlief dafür einige Bälle und half stark mit gegen das französische Angriffsspiel, das lange kaum zur Entfaltung kam. Bis zur 45. Minute: Da kam sie gegen Kadidiatou Diani nicht hinterher, ließ einen Schuss zu und so entstand das unglückliche 1:1. Auch in der zweiten Hälfte sah sie bei einer Großchance von Diani unglücklich aus.

Foto: Naomi Baker / Getty Images
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Marina Hegering, Abwehr (bis 81. Minute): Die 32-Jährige ist das Symbol der deutschen Abwehrstärke bei dieser EM. Das unterstrich sie erneut, auch wenn sie mit ein, zwei Fehlpässen etwas unglücklich in die Partie kam. Danach koordinierte sie ihre Nebenleute souverän, ab und zu sah man, wie Hegering sogar weite Ausflüge in die gegnerische Hälfte unternahm. Das spricht für ihr großes Selbstbewusstsein bei diesem Turnier.

Foto: Vincent Mignott / EPA
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Sara Doorsoun, Abwehr (ab 81. Minute): Sie kam für die offenbar angeschlagene Hegering ins Spiel, das war kein leichter Job. Doch die Frankfurterin blieb die Ruhe selbst.

Foto: FRANCK FIFE / AFP
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Felicitas Rauch, Abwehr: Mit Frankreichs Tempospielerin Diani hatte Rauch die stärkste Gegenspielerin im Eins-gegen-eins vor sich. Doch wenn man Rauch in der Nähe des Balls sah, dann oft bei Standardsituationen, bei Eckbällen oder Freistößen, die sie ausführte. In der Defensive geriet sie lange nicht unter Druck. Ab der zweiten Hälfte drehte Diani mehr auf, nicht immer kam die kämpferische Rauch da mit.

Foto: Naomi Baker / Getty Images
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Lena Oberdorf, Mittelfeld: Die Wolfsburgerin sagte vor dem Duell, sie brauche ein, zwei Zweikämpfe, dann sei sie in der Partie angekommen. Gleich den ersten Zweikampf konnte Oberdorf auf beeindruckende Weise gewinnen – und dann war sie wirklich drin in der Partie. Wie eine Wand baute sie sich vor der Abwehr auf. Oberdorf grätschte, sie gewann Luftduelle, ihre Zweikämpfe sollten einen Platz im DFB-Museum bekommen. Mit etwas Pech hätte Oberdorf für ihre robuste Art früh Gelb sehen können, in der Schlussphase womöglich sogar Rot. Diese mitunter übertriebene Härte muss sie noch in den Griff bekommen. Trotzdem gilt: Mit ihren 20 Jahren ist Oberdorf aus dem Team bereits nicht mehr wegzudenken.

Foto: JOHN SIBLEY / REUTERS
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Sara Däbritz, Mittelfeld (bis zur 68. Minute): Däbritz spielt im Verein in Frankreich, zuletzt bei Paris Saint-Germain, künftig in Lyon. Sie kennt die französischen Nationalspielerinnen, und es schien ihr ein großes Anliegen, gegen sie zu bestehen. Die Mittelfeldspielerin unterstützte die Defensive mit großer Leidenschaft, kam oft als zusätzliche Spielerin in einem Zweikampf dazu. An der Entstehung des 1:1 war sie nicht ganz unbeteiligt, als sie bei einem Pass per Kopf zuvor zu weit weg stand.

Foto: CARL RECINE / REUTERS
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Sydney Lohmann, Mittelfeld (ab der 68. Minute): Sie hat so viel Ruhe am Ball und eine gute Übersicht. Lohmann kam ins Spiel und zeigte diese Qualitäten direkt. Kurz vor dem 2:1 hatte sie mit einer Seitenverlagerung überhaupt erst den deutschen Angriff initiiert. Lohmann jagte in der Defensive vielen Bällen hinterher. Ihr Einsatz hat sich gelohnt.

Foto: Maja Hitij / Getty Images for DFB
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Lina Magull, Mittelfeld (bis zur 68. Minute): Oft traf sie im Strafraum auf Wendie Renard, leichtes Spiel hatte sie gegen die 1,87 Meter große Verteidigerin natürlich nicht. Manchmal gab es zwischen den beiden leichten Körperkontakt, aber zu wenig für einen Elfmeter. Mit Spielverlauf baute Magull weiter ab, sie verlor einige Zweikämpfe und konnte ihre genialen Momente aus den vergangenen Spielen diesmal nicht abrufen.

Foto: Maja Hitij / Getty Images for DFB
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Linda Dallmann, Mittelfeld (ab der 68. Minute): Die Bayern-Spielerin musste viel gegen den Ball mitarbeiten. Kurz vor Spielschluss hatte sie das 3:1 auf dem Fuß, und eigentlich hätte sie aus so kurzer Distanz auch treffen müssen.

Foto: JUSTIN TALLIS / AFP
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Jule Brand, Angriff: Das Toptalent ersetzte die coronainfizierte Klara Bühl – eine große Aufgabe für die 19-Jährige. Brand erledigte sie eindrucksvoll und war äußerst aktiv. In der 20. Minute marschierte sie mit guten Bewegungen durch das Mittelfeld und zeigte, warum sie den Bühl-Startplatz erhielt. Bei der Aktion holte die künftige Wolfsburgerin einen Freistoß heraus, der für die erste große Torgefahr der deutschen Auswahl sorgen sollte. Brand war auch beim 1:0 mit dem vorletzten Pass mitbeteiligt. Ein starker Auftritt.

Foto: Shaun Botterill / Getty Images
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Svenja Huth, Angriff (bis 90. Minute): Wenn die Wolfsburgerin an den Ball kam, wurde das Tempo verschärft. Doch oft wurde über die rechte Seite von Brand gespielt, und Huth schien das zu langweilen. Vor dem 1:0 wechselte die Wolfsburgerin mit nach rechts und flankte von dort butterweich in den Strafraum auf Popp. Auch das 2:1 bereitete Huth vor. Vor der EM hieß es, die 31-Jährige sei in der Form ihres Lebens. Nun weiß man, das stimmt auch.

Foto: Rui Vieira / AP
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Tabea Waßmuth, Angriff (l., ab 90. Minute): Sie sollte mithelfen, die lange Nachspielzeit von fünf Minuten über die Zeit zu bringen. Das gelang ihr.

Foto: Rui Vieira / AP
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Alexandra Popp, Angriff: Zwei Tore, davon eines per Kopf, in einem Spiel gegen Wendie Renard? Kein Problem für Popp, und damit ist bereits gesagt, wie groß dieser Abend für die Angreiferin war. Wenn man nur auf ihre erzielten Tore bei der EM blickt, liegt der Schluss nahe, Popp sei als reine Strafraumstürmerin zu betrachten. Auch ihr fünftes und sechstes EM-Tor hat sie im Sechzehner erzielt. Doch Popps Bewegungsradius ist sehr viel größer, wie immer lief die Wolfsburgerin viel und versuchte damit, Räume für die Teamkolleginnen zu eröffnen. England hat großartige Spielerinnen, doch auch Popp ist auf dem Weg, die Spielerin dieser EM zu werden.

Foto: Alex Pantling / Getty Images
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Martina Voss-Tecklenburg, Bundestrainerin: Die Trainerin ging ein Wagnis ein und setzte im EM-Halbfinale, in so einem großen Spiel, auf die unerfahrene Jule Brand. Diese Maßnahme stellte sich als Volltreffer heraus. Sie hat ihrer Auswahl mit klaren Abläufen viel Sicherheit gegeben, mit ihrem Trainerteam hat Voss-Tecklenburg Popp zurück zur alten Höchstform gebracht. Bis 2027 würde die Bundestrainerin ihren Vertrag gern verlängern. Es spricht nichts dagegen.

Foto: Tolga Akmen / EPA